Stadt verkauft Hund bei Ebay: Hundehalterin macht Stadtverwaltung jetzt harte Vorwürfe

Hund Edda ist gepfändet und von der Stadt Ahlen bei Ebay-Kleinanzeigen verkauft worden.  (Symbolbild)
Hund Edda ist gepfändet und von der Stadt Ahlen bei Ebay-Kleinanzeigen verkauft worden. (Symbolbild)
Foto: imago/imagebroker
  • Die Stadt Ahlen hat den Hund einer Familie gepfändet
  • Später verkaufte eine Mitarbeiterin den Hund bei Ebay
  • Angeblich hatte die Stadt sogar noch drastischere Pläne

Ahlen. Eine Familie aus Ahlen hat Schulden bei der Stadt. Ende November 2018 klingelt die Gerichtsvollzieherin - und pfändet Familienhund Edda. Später verkauft ein Mitarbeiter der Stadt den Hund bei Ebay-Kleinanzeigen über seinen privaten Account.

Die ehemalige Halterin des Mopses erhebt schwere Vorwürfe gegen die Gerichtsvollzieherin. Sie sagt gegenüber der Ahlener Tageszeitung, dass gar der Rollstuhl ihres querschnittsgelähmten Mannes gepfändet werden sollte. Ein Sprecher der Stadt Ahlen widerspricht dem.

Laut der Hundebesitzerin hat sich die Situation wie folgt abgespielt: Im November hätten plötzlich zwei Mitarbeiter und eine Gerichtsvollzieherin vor ihrer Tür gestanden und ihr einen Durchsuchungsbefehl unter die Nase gehalten. Sie schauen sich in der Wohnung um: Was hat genügend Wert, um gepfändet zu werden?

Sollte der Rollstuhl ihres querschnittsgelähmten Mannes gepfändet werden?

Sie ziehen in Erwägung, so schildert die ehemalige Mopsbesitzerin, den Rollstuhl und das Handbike ihre querschnittsgelähmten Mannes zu pfänden. Er betont, dass die Fortbewegungsmittel Eigentum einer Berufsgenossenschaft seien. Seit einem Arbeitsunfall sei er gelähmt, sagt er der Zeitung.

Stadtsprecher Frank Merschhaus verneint vehement: „Dass in Erwägung gezogen sein worden soll, einen Rollstuhl zu pfänden.“ Von einem Handbike höre er das erste Mal. „Aber auch das wäre unentbehrlich, um die Mobilität aufrechtzuerhalten. Und ist damit unpfändbar“, stellt er klar.

Hund gepfändet und bei Ebay verkauft: Käufer sieht sich getäuscht

Fakt ist: Die Beamten stellen fest, dass sich neben Laptop und Kaffeeautomaten nichts Pfändbares in der Wohnung befindet. Außer Mops Edda. Sie kündigen an, den Hund demnächst mitzunehmen. Am Nikolaustag nehmen sie den Hund dann mit, um ihn später weiterzuverkaufen.

750 Euro kostete der Vierbeiner laut Kleinanzeige. Die Polizistin Michaela Jordan, wohnhaft am Niederrhein, schlägt zu und erwirbt Edda für 690 Euro. Allerdings ist sie skeptisch, wundert sich, warum der Mops so günstig angeboten wird. Hunde dieser Rasse liegen sonst bei einem Verkaufspreis zwischen 1500 bis 2000 Euro.

Wie sich später zudem herausstellt: Der als „kerngesund“ angepriesene Hund ist krank. Eine chronische Vorerkrankung, die unter anderem Augentrockenheit zur Folge hat, macht dem Mops zu schaffen. Die Hornhaut seines linken Auges sei beinahe komplett zerstört gewesen, erklärt die 52-jährige Käuferin.

Nun durch mehrere Operationen und ständiges Salben der Augen kann dem Tier geholfen werden. Schnell summieren sich die Arztkosten auf 2000 Euro, in zwei Wochen steht der nächste Eingriff bevor.

Michaela Jordan ist wütend, fühlt sich von der Stadt arglistig betrogen. Nun geht sie juristisch gegen den Verkäufer vor, auch die Stadt lässt sich durch einen Anwalt vertreten.

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Ehemalige Mopsbesitzerin hatte Schulden bei der Stadt

Der Fall ist durch einen Bericht der „Ahlener Tageszeitung“ erst publik geworden. Der Zeitung gegenüber schildert die ehemalige Hundebesitzerin, wie ihre Kinder im Alter (neun, sieben und fünf Jahre alt) unter dem Verlust des Hundes leiden. Sie selbst habe psychische Probleme, räumt ein, Schulden bei der Stadt zu haben. Darunter fallen auch nicht gezahlte Hundesteuern. Über die Höhe der Summe, erklärt Stadtsprecher Frank Merschhaus, herrscht Verschwiegenheitspflicht.

Der Stadtsprecher betont, dass die Tierpfändung „unüblich“ sei und das Vorgehen momentan intern untersucht wird.

>>> Tausche Auto gegen Hündin - Frau bietet bei „Ebay-Kleinanzeigen“ ihren Schäferhund an

Darf ein Haustier gepfändet werden?

Die Pfändung und der Verkauf an sich bei Ebay-Kleinanzeigen ist völlig legal. Auch wenn Paragraf 811c der Zivilprozessordnung die Unpfändbarkeit von Haustieren vorsieht, gibt es eine Ausnahme. Nämlich dann, wenn ein „hoher Wert des Tieres“ vorliegt.

Vor allem dann, wenn der Hund reinrassig ist und der Wert über 250 Euro liegt, ist die Pfändung durch das Vollstreckungsgericht zulässig.

Da ein Tier als Gegenstand gilt, ist der Verkauf im Internet, zum Beispiel über Ebay-Kleinanzeigen, ebenfalls rechtlich unbedenklich. Ungewöhnlich bleibt der Fall dennoch, da Gläubiger in der Regel auf das Pfänden von Haustieren wie Hunden oder Katzen verzichten - auch zum Wohl der Tiere.

>>> Hier mehr lesen: Ist es wirklich seriös, einen Hund bei Ebay Kleinanzeigen zu kaufen?

 
 

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