Sparkasse in NRW mit drastischer Maßnahme – Tausende Kunden zittern

Foto: dpa

Minden/ Bielefeld. Mit diesem Vorgehen dürfte die Sparkasse erneut einige Kunden verprellen. Denn die Bank kündigt einige alte und gut verzinste Verträge auf. Betroffen davon sind vor allem, wie so häufig in jüngster Zeit, langjährige Sparer.

Deutschlandweit sind schon Zehntausende von ihnen betroffen. In Minden-Lübbecke in Ostwestfalen-Lippe trifft das nun auch über 1.000 Sparkassen-Kunden. Darüber berichtete das „Mindener Tagesblatt“.

Sparkasse kündigt alte Verträge auf

Das Blatt erzählt auch die Geschichte einer langjährigen Sparerin. Ihr Prämiensparvertrag mit der Sparkasse lief bereits seit mehr als 25 Jahren, eine Summe von mehr als 50.000 Euro sparte sie in dieser Zeit an. Dann auf einmal der Schock für die Frau: Die Sparkasse kündigt ihren alten Sparvertrag einfach auf. Sie hatte die oberste Prämienstufe erreicht. Sie ist nicht die einzige Kundin, die ein solches Schicksal ereilt.

+++ Riesenärger bei der Sparkasse: Zehntausende Kunden verlieren Geld +++

Erst vor wenigen Tagen wurde durch Stiftung Warentest bekannt, dass allein in Osnabrück etwa 7.500 alte Prämiensparverträge aufgekündigt wurden, im September waren es bei der Münchener Sparkasse rund 28.000. Auch bei zahlreichen anderen Sparkassen in Niedersachsen flatterte bei Kunden eine Kündigung ins Haus.

Dabei geht es um Verträge zwischen der Sparkasse und ihren Kunden, die nach 15 Jahren ihre Höchstverzinsung erreicht haben. Die liegt meist zwischen zwei oder drei Prozent - deutlich über dem, was derzeit bei Sparverträgen verzinst wird.

Problem: EZB mit Nullzinspolitik

Denn die Europäische Zentralbank (EZB) fährt eine Nullzinspolitik - das heißt: Banken müssen sogar Strafe dafür bezahlen, wenn sie Einlagen bei der EZB haben. Deswegen bringen die Sparverträge mit den hohen Zinsversprechend kein Geld mehr bei den Sparkassen ein. Im Gegenteil: Sie müssen gerade bei langen Verträgen, welche die Höchstverzinsung erreicht haben, draufzahlen.

+++ Sparkassen-Chef macht Kunden harte Ansage: „Das muss jemand bezahlen“ +++

Die Sparkasse Minden-Lübbecke ist nach Informationen des „Mindener Tageblatt“ die erste in Ostwestfalen Lippe, die sich deswegen zu den Vertragskündigungen entschlossen hat. Das betraf 1.200 Sparer. Doch auch Tausende andere Verträge in NRW könnten in Zukunft bei den Sparkassen auf deren Rentabilität unter die Lupe genommen werden.

Vorgehen ist rechtmäßig

Dass die Sparkassen die Verträge einfach einseitig kündigen dürfen, ruft bei vielen Kunden Entrüstung hervor. Sie fragen sich, ob das überhaupt rechtmäßig ist. Doch die Sparkassen können sich auf ein Urteil des Bundesgerichtshof in Karlsruhe berufen.

----------------------

Schwierige Lage bei den Sparkassen:

  • Die Sparkassen stehen aktuell unter großem Druck
  • Die Niedrigzinspolitik der EZB sorgt dafür, dass die Banken mit klassischen Spareinlagen kaum noch Geld verdienen
  • Hinzu kommt die Konkurrenz durch Online-Banken, die kein teures Filialnetz betreiben und deshalb ihren Kunden günstige Konditionen bieten können
  • Laut einem Bericht des „Handeslbatts“ schlossen allein 2018 über 2200 Filialen von Banken und Sparkassen - damit hat sich der Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren noch einmal beschleunigt
  • 2007 gab es demnach noch etwa 40.000 Filialen von Banken und Sparkassen, Ende 2018 waren es nur noch 27.887

----------------------

Dieses hatte im Mai geurteilt, dass langjährige Sparer die Kündigung hinnehmen müssen, wenn sie die maximal mögliche Zinshöhe ausgeschöpft haben. Bei den meisten Verträgen ist dies wie erwähnt nach etwa 15 Jahren der Fall.

------------------------------------

• Mehr Themen:

Köln: Vierjährige stirbt in Klinik – Gutachter spricht von tragischem Fehler

Bochum: Lauter Knall schreckt Anwohner in der Nacht auf – das war der Grund

• Top-News des Tages:

Limburg: Lkw rast in Autos – das wissen wir über den Fahrer

Ikea in NRW überfallen: Mitarbeiter gefesselt +++ Bewaffnete Männer auf der Flucht

-------------------------------------

Bisher gibt es noch keine weiteren Sparkassen in NRW die angekündigt haben, bald Verträge mit Kunden auflösen zu wollen. Das scheint jedoch nur noch eine Frage der Zeit.

Erste Ende Dezember hatte die Sparkasse München bei Kunden Wut ausgelöst, als sie über 20.000 Kunden die Prämienparverträge kündigte. (dav mit dpa)

 
 

EURE FAVORITEN