Dortmund

So wehrte sich eine Dortmunder Pfarrerin gegen die rechten Parolen der Neonazis in der Reinoldikirche

Die Nazis zahlten erst brav ihren Eintritt - dann brüllten sie rechte Parolen vom Turm der Reinoldikriche.
Die Nazis zahlten erst brav ihren Eintritt - dann brüllten sie rechte Parolen vom Turm der Reinoldikriche.
Foto: Werner / Videonews24.de
  • Am Freitagabend besetzten Neonazis die Reinoldikirche in Dortmund
  • Sie skandierten fremdenfeindliche Parolen vom Turm der Kirche
  • Pfarrerin Susanne Karmeier wollte ein Zeichen setzen - und übertönte die Neonazis

Dortmund. Eigentlich ist es ein Ritual der Besinnlichkeit. Jedes Jahr im Advent öffnet die Reinoldikirche den Zugang zum Kirchturm.

Die Menschen können dann von der Plattform des 112 Meter hohen Turms über den Weihnachtsmarkt schauen. Oft sind es Eltern mit ihren Kindern, die zum Turm hinaufklettern.

Neonazis zahlten brav Eintritt

Am Freitagabend aber waren es Neonazis, die stumpfe Parolen von der Plattform brüllten. Gegen 18.40 Uhr hängten die Rechten ein Transparent mit fremdenfeindlicher Aufschrift an die Brüstung und zündeten Pyros.

Das Perfide: Für den Turmaufstieg hatten sie sogar noch brav zwei Euro Eintritt bezahlt - bevor sie sich dann verbarrikadierten.

„Hier passen keine Neonazis hin“

Pfarrerin Susanne Karmeier war gerade in der Kirche, als das passierte. „Die Kirche ist ein Ort des Friedens, hier passen keine Neonazis hin“, sagt sie.

„Ich wusste nicht, wie ich das sonst stoppen sollte“

Als die Rechtsextremisten oben zu Brüllen anfingen, wollte sie ein Zeichen dagegen setzen. Also ließ sie die Kirchenglocken im Turm läuten, um die rechten Parolen zu übertönen.

„Ich wusste nicht, wie ich das sonst stoppen sollte“, so Karmeier. „Politische Propaganda hat hier einfach keinen Platz.“

Polizei nimmt wohl auch Ex-Feuerwehrchef fest

Polizei und Feuerwehr konnten die verbarrikadierte Tür der Kirche schließlich gewaltsam öffnen und acht Neonazis festnehmen. Unter den Festgenommenen soll unter anderem Dortmunds ehemaliger Feuerwehrchef Klaus Schäfer sein. Inzwischen sind sie wieder auf freiem Fuß.

Die Neonazis werden sich nun wohl unter anderem wegen Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung, Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz und Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole verantworten müssen. Der Staatsschutz ermittelt. (pen)

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