Sinnesgarten ist Balsam für die Seele

Dirk Klein

Mülheim.  Kann ein Garten heilsam sein? Er kann. Gestern wurden die Ergebnisse der Studie „Urbane Räume für ein gesundes Alter“ der Universität Duisburg-Essen und der Theodor-Fliedner-Stiftung vorgestellt: Seitdem die 61 demenzkranken Bewohner des Fliedner-Dorfes in Mülheim einen „Sinnesgarten“ direkt vor der Haustür haben, hat sich ihr psychischer Gesundheitszustand erheblich verbessert.

Sechs Monate lang wurden die Senioren, die sich fast täglich auf dem rund 1100 Quadratmeter großen Areal aufhielten, wissenschaftlich begleitet. Der Garten ist speziell auf die Bedürfnisse von Demenzkranken zugeschnitten, er besteht aus geschwungenen Wegen, lichten Hecken als Begrenzung, Handläufe weisen den Weg, es gibt runde Steinbrocken, Kies und Rosenstöcke, Schubkarren und Gießkannen.

Mehr als die Hälfte der im Durchschnitt 81 Jahre alten Männer und Frauen haben die Pflegestufen II und III, sind also in ihrer Alltagskompetenz stark eingeschränkt. Durch die Spaziergänge und Beschäftigungen im Garten wurden die Menschen nicht nur körperlich aktiviert, wobei das Hochbeet besonders beliebt war. Was Mediziner herausfanden, erstaunte sie sogar selbst: Die Symptome der Depression, häufige Begleiterscheinung von Demenz, konnten stark verringert werden, bis dahin, dass „eine Depression sogar als verklungen gelten kann“, so Claudia Kruszka, Sprecherin des Mülheimer Fliedner-Dorfes.

Ebenfalls auffällig: Die Demenz schritt bei den Bewohnern zwar weiter fort, jedoch ohne Anstieg der gefürchteten Begleiterscheinungen wie Aggression oder Angst. Schließlich habe der Garten, so Claudia Kruszka, auch für die Mitarbeiter einen Motivationsschub gebracht. „Es gab Erdbeer- oder Tomatenfeste, es wurden Dekosachen gebastelt, es kamen immer neue Ideen hinzu.“

Das soll auch so bleiben. Das Theodor-Fliedner-Werk will auch andere Einrichtung mit Sinnesgärten ausstatten. Außerdem soll die Studie Städteplanern helfen, Gärten und Parks für den öffentlichen Raum zu planen.