Situation in der Silvesternacht war zeitweise bedrohlich. Was wollten die vielen Nordafrikaner in Köln?

Polizisten umringen vor dem Hauptbahnhof in Köln eine Gruppe nordafrikanisch aussehender Männer.
Polizisten umringen vor dem Hauptbahnhof in Köln eine Gruppe nordafrikanisch aussehender Männer.
Foto: dpa
  • Die Silvesternacht blieb am Kölner Hbf weitgehend friedlich - auch dank eines massiven Polizeiaufgebots
  • 2000 Männer kamen in größeren Gruppen in der Nacht zum Bahnhof
  • Die Bundespolizei sprach 900 Platzverweise aus
  • Die Männer reisten auch aus dem Ruhrgebiet an

Köln. Die Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof: Es kamen offenbar weit mehr junge Männer in Gruppen mit dem Zug an als bislang bekannt.

Die Bundespolizei spricht auf Nachfrage von DER WESTEN von etwa 2000! Bislang war immer von tausend die Rede.

Die Kölner Polizei erklärte, bei denen von ihnen kontrollierten Personen habe es sich überwiegend um junge Männer aus Nordafrika gehandelt, die durch ihr Verhalten aufgefallen seien.

Offenbar wollten viele der Gruppen den Bahnhof gar nicht verlassen, sondern im Gebäude bleiben und dort - wie auch immer - feiern! „Zahlreiche Männergruppen hatten die Absicht, sich zunehmend alkoholkonsumierend über einen längeren Zeitraum im Kölner Hauptbahnhof aufzuhalten“, so die Bundespolizei.

„Sie kamen in größeren Gruppen, mal 20, mal 30 Personen“, sagt Christoph Schulte, Pressesprecher der Kölner Polizei. Kölner Polizei und Bundespolizei sprechen von „fahndungsrelevantem Klientel“. Heißt in diesem Fall: größere Gruppen von Männern im Alter von 18 Jahren bis 35 Jahren, die durch ein aggressives Verhalten auffielen. Deshalb wurden sie kontrolliert.

Woher kamen die Männer?

Die Anreise der Männer in Zügen zeichnete sich bereits im Laufe des Silvesterabends ab, so die Bundespolizei. Die Bundespolizei setzte auch Zivilpolizisten in Zügen ein, um die Situation zu kontrollieren.

Die Männer fuhren unter anderem von Bahnhöfen in Ruhrgebietsstädten los. Die meisten fuhren nach Köln. 800 weitere Männer fuhren zum Düsseldorfer Hauptbahnhof. Viele Männer waren alkoholisiert und hatten Böller dabei.

Sorge um Eskalation wie im letzten Jahr

Die Beamten versuchten es zunächst mit Bitten an die Männer, sie mögen den Hauptbahnhof verlassen. Die Sorge: eine Eskalation der Lage wie im vergangenen Jahr.

Die Situation drohte jedoch unübersichtlicher zu werden. Bei 900 Personen wurde ein Platzverweis seitens der Bundespolizei nötig. „Die Platzverweise waren unumgänglich, um eine ähnliche 'gefahrengeneigte Situation wie Silvester 2015' zu verhindern“, so die Bundespolizei.

Am Bahnhof Deutz auf der rechten Rheinseite wurde abends ein Zug auf dem Weg zum Kölner Hauptbahnhof gestoppt. Darin befanden sich circa 300 alkoholisierte junge Männer. Auch sie wurden kontrolliert und konnten dann zu Fuß weiter in die Innenstadt.

Warum kamen so viele Männergruppen nach Köln?

Die Bundespolizei hat dafür noch keine Erklärung. Auch die Wohnorte dieser Männer sind noch unklar. Die Kölner Polizei schaut sich das nun genauer an. Auch werden ermittelte Personendaten mit den Daten der Ermittlungsgruppe Neujahr abgeglichen. Sie beschäftigt sich mit der Aufarbeitung der Übergriffe in der Silvesternacht 2015/2016.

Was passierte nach der Feststellung der Personalien?

Nach der Kontrolle der Personalien verließen viele Männer den Bereich des Kölner Hauptbahnhofs wieder.

Waren die massiven Kontrollen nötig?

Die Situation am Hauptbahnhof sei zeitweise bedrohlich gewesen, sagte Polizeipräsident Jürgen Mathies am Montag. „Ich habe mir Sorgen gemacht, dass der Einsatz auch noch kippen könnte“, sagte er.

„Die hohe Zahl der jungen Männer, die wir festgestellt haben, hat uns überrascht.“ Dabei sei es ganz überwiegend um Nordafrikaner gegangen. Wenn die Polizei diese Männer nicht überprüft hätte, wäre es wieder zu ähnlichen Zuständen wie in der vorigen Silvesternacht gekommen.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE