Herne

Schweinefleisch in Kitas von Speiseplan gestrichen: Erzieherin aus dem Ruhrgebiet spricht jetzt Klartext

Nach der Schweinefleisch-Debatte schlägt eine erfahrene Erzieherin aus dem Ruhrgebiet vor: Es soll gar kein Fleisch im Kindergarten serviert werden. (Symbolbild)
Nach der Schweinefleisch-Debatte schlägt eine erfahrene Erzieherin aus dem Ruhrgebiet vor: Es soll gar kein Fleisch im Kindergarten serviert werden. (Symbolbild)
Foto: imago images / photothek

Herne. Seit 40 Jahren arbeitet Heike Schwarz* als Erzieherin im Ruhrgebiet. Sie hat schon viele Kitas gesehen. Nach der Schweinfleisch-Debatte in Leipzig spricht die Erzieherin nun Klartext: Nicht nur das Schweinefleisch, sondern jegliches Fleisch solle in Kitas komplett abgeschafft werden, das erzählt sie gegenüber Watson.

In Leipzig hatten zwei Kitas, offenbar aus Rücksicht auf zwei muslimische Kinder, Schweinefleisch vom Speiseplan genommen.

Die hitzige Diskussion um das gestrichene Angebot von Schweinefleisch in Kitas in Leipzig findet Schwarz allerdings inakzeptabel. Sie findet, dass es dabei vor allem um politische Interessen gehe. Keinem gehe es um das Wohl der Kinder.

Schweinefleisch und jegliches Fleisch soll aus Kita-Menüs weg

Nun schlägt die erfahrene Erzieherin vor, jegliche Fleischgerichte aus den Kita-Menüs komplett zu streichen. Das würde es für Erzieher und Kinder leichter machen.

Sonderwünsche beim Essen in Kitas sind ein alltägliches Problem, meint Schwarz. Und diese können schnell ausarten: „In einer Brennpunkt-Kita in Herne war es zum Beispiel so, dass wir für fast jedes Kind ein eigenes Essen bestellen mussten. Da gab es die Kinder, die kein Schweinefleisch essen sollten, Vegetarier, Allergiker, die Kinder, die besondere Wurst von einem Halal-Metzger bekommen sollten, und dann natürlich auch die Kinder ohne besondere Essenswünsche. [...]

Und dann sitzt man da mit 25 Kindern, die alle besondere Essensbedürfnisse haben und was passiert? Sie tauschen untereinander ihr Essen und greifen nach dem, was lecker aussieht.“

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Eltern machen am nächsten Tag Stress

Als nächstes erzählen die Kinder meist Zuhause von den neuen Sachen, die sie probiert haben. Am nächsten Tag würden dann die Eltern vor der Tür stehen und Stress machen.

Die Erzieherinnen fangen während der Mahlzeiten wiederum damit an, den Kindern zu erklären, warum sie das Eine essen dürfen und das Andere nicht - und warum das Nachbarkind es wiederum darf.

„Du bist nicht wie der neben dir“

„Statt, dass man fröhlich zusammen isst, geht es die ganze Zeit um Verbote und Einschränkungen. Ein gemeinsames Essen sollte eigentlich verbinden und die Gemeinschaft stärken. Stattdessen sagt man den Kleinen, du bist nicht wie der neben dir“, beschwert sich Schwarz. Man würde mit so einer Taktik die Kinder in Schubladen stecken.

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Alternative für die Kitas – fleischloses Menü

Schwarz erzählt, sie habe auch in einer Kita gearbeitet, in der die Erzieher selbst festlegen konnten, was den Kindern angeboten wird.

„Und was haben wir gemacht? Vegetarisches Essen angeboten. Es war für uns einfacher und die Kinder konnten sich alles nehmen, was sie wollten. Sie konnten untereinander tauschen und alle waren entspannter und glücklicher“.

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Am besten gar kein Fleisch mehr

Würden die Kitas sich entscheiden, kein Fleisch mehr anzubieten, wäre es eine gesunde und konfliktärmere Lösung für das Problem. Und das Wichtigste für die Erzieherin: Keiner der Kinder würde sich ausgegrenzt fühlen. (ses)

*Name von Watson geändert

*In einer ersten Version des Textes war von einem Schweinefleisch-Verbot die Rede. Das wurde geändert.

 
 

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