Schuften für den guten Zweck bei der "72 Stunden"-Aktion

Arne Schleef
Tobias Aymanns (19) hat sich in die Wathose geschmissen.
Tobias Aymanns (19) hat sich in die Wathose geschmissen.
Foto: Markus Joosten
Sie tun 72 Stunden Gutes, so wie es derzeit Zehntausende andere Kinder und Jugendliche auch tun. In Wetten kümmert sich die Katholische Landjugend im Rahmen der 72-Stunden-Aktion des Bundes der Katholischen Jugend um einen Teich – der wieder so aussehen soll, wie die Eltern ihn kannten.

Kevelaer. Für die „Ur-Wettener“ ist es ein Ort, an dem Erinnerungen hängen. Der Teich, die Insel, das Grün – die Menschen des Kevelaerer Ortsteils denken gern zurück, wenn sie an diesem idyllischen Plätzchen Halt machen. Sie sprechen von Hochzeitsfotos am Wasser, von Konzerten und Rendezvous im Mondlicht. Doch das war früher.

Heute dümpelt der Teich als Suppe mit öligem Film umher. Das wuchernde Gestrüpp versperrt den Blick; die Sonne schimmert golden und doch stellen die Bäume viel in den Schatten. Bis morgen will die Katholische Landjugend Wetten den Park, der vor allem für Bewohner eines nahen Altenheims gedacht ist, auffrischen. Die Jugend nimmt an der 72-Stunden-Aktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) teil – für sich und das Dorf.

Alles ehrenamtlich

Die jungen Frauen und Männer engagieren sich ehrenamtlich, so wie es in diesen Stunden ungefähr 175 000 Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland tun. Die Teilnehmer renovieren Gartenhäuser, organisieren Straßenfeste, kicken einen Fußball-Marathon oder säubern Wände von Graffitis. Und das Ganze 72 Stunden lang, es ist ein Mammut-Projekt. Bis zum Ende der Aktion am Sonntag werden die jungen Leute an die 10 Millionen Arbeitsstunden erschuftet haben.

Nicht wenige davon in Wetten. Schon von weit her dröhnt schweres Gerät. Arm-dicke Äste zerknirschen am Stahl einer Bagger-Schaufel, Steinplatten prallen aufeinander. 15 junge Wettener schuften heute Mittag für den guten Zweck. Sie wollen ihn wieder in das einstige Idyll verwandeln, den Teich, und den Park drumherum. „Wir ziehen totes Holz aus dem Wasser, fällen Bäume, säubern die Wege“, erklärt Kai Hermsen den Tagesplan.

Der 20-Jährige manövriert den Bagger gen Ufer. Er darf das. Schon vor einem Jahr hat er seine Ausbildung im Landschaftsbau abgeschlossen, das, was er hier tut, ist sonst sein Job. „Die Atmosphäre ist total locker und entspannt, wir haben viel Spaß“, sagt Kai. Tobias Aymanns (19) und Zita Janshen (19) sehen das genau so. Sie haben gerade ihr Abi eingesackt.

„Ich packe lieber mit an, als zu Hause auf der Couch rum zu sitzen“

Danach wollen viele Ex-Schüler vor allem eines tun: nichts. Tobias sagt: „Ich packe lieber mit an, als zu Hause auf der Couch rum zu sitzen.“ Und so zerren sie Geäst aus dem Sumpf, wuchten die Schubkarre mit Sand voll, schleppen kiloweise Material hin und her. Nachmittags sollten noch 50 Tonnen Kies auf zwei Sattelzügen angerollt kommen. „Wir finden schön, zu sehen, was wir getan haben“, sind sie sich einig.

Die Wettener danken es ihnen. Norbert Brauers (69) wohnt nebenan. „Früher war da richtig Leben drin“, sagt er, es sei toll, dass der Park wieder angepackt würde. Mit vielen anderen hatte er vor Jahren selbst an dem Teich gewerkelt.

Schön auch die Geschichte des Vaters eines Helfers, der von seinem Teich-Rendezvous erzählt, und „vor 40 oder 50 Jahren“ mit der Landjugend ein ähnliches Projekt verwirklicht hat. Er sagt: „Es geht um das Drumherum. Die Arbeit fällt da gar nicht auf.“

Der Teich scheint Tradition zu haben. Eine junge Generation verschönert diesen Platz, um ihn wieder so zu erleben, wie ihre Eltern und Großeltern es taten.

Die Wettener Teilnehmer wollen den Park auch in Zukunft auf dem frischen Niveau halten. Und wer weiß: Vielleicht erlebt auch der ein oder andere Vertreter der jungen Generation auf der Insel nächtliche Rendezvous. Oder knipst dort seine Hochzeitsfotos.