Schützen wollen keine schwulen Königspaare

Das homosexuelle Schützenkönigspaar Dirk Winter und Oliver Hermsdorf soll in der Schützenhistorie eine Ausnahme bleiben. Foto: Torben Weinem /WR
Das homosexuelle Schützenkönigspaar Dirk Winter und Oliver Hermsdorf soll in der Schützenhistorie eine Ausnahme bleiben. Foto: Torben Weinem /WR
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Der schwule Schützenkönig Dirk Winter produzierte im Sommer 2011 viele Schlagzeilen, weil er seinen Lebensgefährten zur „Königin“ wählte. Zwei westfälische Schützenverbände wollen homosexuelle Paare auf dem Schützenthron jetzt verbieten.

Essen. „Königin“ Oliver soll eine Ausnahme bleiben. Wenn es nach den Schützen aus Paderborn und Münster geht, bleibt der Schützenthron homosexuellen Königspaaren demnächst verwehrt. Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften wird am Sonntag über die Anträge der westfälischen Verbände abstimmen. Dass sie auf der Tagung der Bundesvertreter in Leverkusen angenommen werden, steht so gut wie fest, da sie das traditionelle Rollenverständnis abbilden, an das die Schützen glauben.

Das Ereignis gehörte zu den Hauptgesprächsthemen des vergangenen Sommers: Der schwule Schütze Dirk Winter schoss beim Schützenfest der Münsteraner Bruderschaft St.-Wilhelmini-Kinderhaus den Vogel ab und nahm seinen langjährigen Lebensgefährten Oliver Hermsdorf zur „Königin“. Für große Teile der konservativen Welt der Schützen, die sich auf die Säulen, Glaube, Sitte, Heimat stützt, war das zu viel des Guten. Zwar akzeptiert der Dachverband homosexuelle Schützenkönige und -königinnen, nur das hoheitliche Paar sollte doch der Tradition entsprechend aus Mann und Frau bestehen. Es folgte ein Kompromiss: Dirk Winter durfte seinen Lebensgefährten zwar zum „Königsgemahl“ wählen, jedoch musste das Paar beim großen Schützenumzug hinter- und nicht nebeneinander gehen.

Jetzt soll eine allgemein gültige Regelung Ordnung in die Partnerwahl der Schützenkönige bringen. „Wir glauben an das traditionelle Rollenverständnis. Der Mann holt den Vogel ‘runter und nimmt sich danach eine Frau zur Königin - oder umgekehrt“, sagte Rolf Nieborg, Sprecher des Bunds der Historischen Schützenbruderschaften im Gespräch mit der WAZ-Mediengruppe. Die Absicht, diese klassische Verteilung zu bewahren, sei bereits im August formuliert worden und soll nun am Sonntag auf der Bundesversammlung in Leverkusen schriftlich in der Satzung fixiert werden. Der Bundespräses der Schützen, der Kölner Weihbischof Heiner Koch, sagte seinerzeit, dass das Sakrament der Ehe „für uns als katholische Gemeinschaft“ eine wesentlich tiefere Bedeutung habe als jede andere Lebenspartnerschaft.

Der Sprecher des Dachverbands nannte ein profaneres Beispiel: „Es gibt eben Bereiche im Leben, in den sich Traditionen bewährt haben. „Zu einer Weltmeisterschaft für Lateinamerikanische Tänze, tritt ein Mann auch mit einer Partnerin an“, so Nieborg.

Dirk Winter äußerte sich im Gespräch mit der WAZ-Mediengruppe entsetzt über diesen Vorgang: "Ich war davon ausgegangen, dass sich das Thema nach unserem Kompromiss im Sommer beruhigt hätte. Diesen Vorstoß jetzt empfinde ich als diskriminierend."

 
 

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