Zwischen Mathe und Management

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Hagen. Die drei Abiturientinnen in grünen Tops, die oben auf der Bühne vor den hunderten Jugendlichen stehen, wirken noch ein bisschen desorientiert, als die ersten Töne von Jennifer Lopez‘ „On The Floor“ erklingen. Ein kurzer, fragender Blick zur Seite, dann geht es unter dem Beifall der grölenden Menge los mit der einstudierten Choreografie.

Die drei sind Teilnehmer des Wuppertaler „School Battle“, eines Wettbewerbs unter Abiturjahrgängen, der Preisgeld für die Abi-Feierlichkeiten in die klammen Stufenkassen bringen soll. Heute feiert das „School Battle“ auch in Hagen Premiere.

Was kostet es, seine Schule nach dem Abitur mit der ganz großen Party zu verlassen? T-Shirts mit dem Stufenmotto drucken zu lassen, vielleicht Aufkleber, ganz sicher aber eine Abi-Zeitung. Wieviel kostet es, einen Saal zu mieten, ein Büfett für hunderte Menschen aufzustellen und sich mit einer rauschenden Ballnacht von der Schulzeit zu verabschieden? Kai Eimen vom Hagener Christian-Rohlfs-Gymnasium und Renè Jürgens vom Gymnasium Hohenlimburg müssen erst einmal in sich gehen und genau überlegen. Bis von Kai Eimen eine Summe fällt: 18 000 Euro. Mit dieser haben die Gymnasiasten des Christian-Rohlfs-Gymnasiums zumindest begonnen zu kalkulieren, als die Organisation der großen Abi-Festivitäten an ihrer Schule startete. „Es ist aber mittlerweile zum Glück etwas weniger geworden, so 14 000 Euro“, schiebt der Hagener hinterher.

Das ist trotzdem immer noch eine gehörige Summe. Deshalb geistert in den Köpfen der Schüler so kurz vor dem Abitur nicht nur die mögliche Formel für die Matheklausur oder die Rolle von Gretchen in Goethes „Faust“ herum. Sie werden noch vor dem Schulabschluss zu Geschäftsleuten, Veranstaltungsmanagern, die Programme planen, Räumlichkeiten mieten, Sponsoren sammeln. Deren Spendenbeträge seien übrigens in den vergangenen Jahren immer weniger geworden, beklagt René Jürgens. „Oder eine andere Schule hat uns den Sponsor, den wir über Jahre hatten, bereits vor der Nase weggeschnappt“, fügt Kai Eimen ein weiteres Problem hinzu. Deshalb müssen die Beträge durch Aktionen eingebracht werden wie den VoFi-Feten, den Vorfinanzierungspartys. Aber die können, wenn kaum Gäste kommen, schnell zur Schuldenfalle werden.

Am Christian-Rohlfs-Gymnasium habe der Jahrgang 2011 dadurch Miese gemacht, weiß Bendix Eich zu berichten. Er hat gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Tobias Rink die Gesellschaft „Pro Party Hagen“ ins Leben gerufen und organisiert die Premiere des Hagener „School Battle“. Eine Veranstaltung, die es in Städten wie Wuppertal, Krefeld und Solingen schon eine ganze Weile gibt. Und die den Abiturienten neben dem Spaß, den solch ein freundschaftlicher Wettkampf mit sich bringt, vor allen Dingen eines garantiert. „Die Stufen machen keine Schulden, keine geht leer aus“, so Eich. Einen Euro bekommen sie in Hagen für jede im Vorfeld verkaufte Eintrittskarte. Auf den Sieger warten zudem 500 Euro Preisgeld, der Zweitplatzierte bekommt 200, der Dritte 100 Euro. „Wenn sich Schüler alle gemeinsam ins Zeug legen, wird eine ganz eigene Gruppendynamik entstehen“, hofft Unternehmer und Student Eich. Das sehen auch die Abiturienten so. „Wir möchten zum Abschluss noch einmal etwas zusammen machen und viel Spaß haben“, bekräftigt Kai Eimen. Renè Jürgens fügt hinzu: „Wir haben uns die Sache in Wuppertal angesehen. Und die Stimmung war so genial, das wird jetzt auch in Hagen eine super Sache.“

 
 

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