Zuwanderung mit langer Tradition in Lüdenscheid

Eröffnung Migrationsausstellung im Lüdenscheider Museum. Foto: Jakob Salzmann
Eröffnung Migrationsausstellung im Lüdenscheider Museum. Foto: Jakob Salzmann
Foto: Jakob Salzmann
„Es wäre schade, wenn diese Ausstellung wieder in Kisten verschwindet.“ Lob von höchster Stelle heimste das Museumsteam bei der Eröffnung der großen Migrationsausstellung „Wir hier! – Zuwanderung in Lüdenscheid und im Märkischen Kreis“ ein. „In der Tat begeistert“ von der Konzeption und dem Ansatz der Schau zeigte sich der Historiker Professor Dr. Klaus J. Bade, den Bürgermeister Dieter Dzewas in seiner Begrüßung augenzwinkernd als „Papst“ der Migrationsforschung bezeichnete.

Lüdenscheid.. Vor mehr als 400 Besuchern regte der prominente Gast die Unterbringung der Schau, die bis 17. März 2013 in den Museen zu sehen ist, in einem Dokumentationszentrum an. Die Hoffnung, dass die Museen durch die Ausstellung viele neue Besucher erreichen, sah Dzewas durch die riesige Resonanz erfüllt. Auf die lange Tradition der Zuwanderung in Lüdenscheid richtete er in seinen Ausführungen sein Augenmerk. In der Schau sei es gelungen, das Gemeinsame in den Mittelpunkt zu stellen. Für den Geschichts- und Heimatverein, der Kooperationspartner der Museen beim Begleitband und Begleitprogramm zur Ausstellung ist, ergriff dessen Vorsitzender Dr. Dietmar Simon das Wort.

Über Jahrzehnte habe es eine große Lücke in der Erforschung der Zuwanderung gegeben, führte er aus. „Es ist notwendig, dass wir ein Bewusstsein für die Lebensgeschichte der Migranten entwickeln.“ Die Stichworte Geschichtsbewusstsein und Heimatverbundenheit füllte er mit Leben. Viele weiße Flecken seien jetzt ausgefüllt. Als ebenso humorvoller wie angriffslustiger Redner nahm Professor Dr. Klaus J. Bade bei der wissenschaftlichen Einführung ins Thema für sich ein. „Migration und Integration – historische Antworten auf aktuelle Fragen?“ lautete sein Thema.

Wenig schmeichelhaft kam die große Politik in Bades Ausführungen weg. Voll und ganz stimmte er dem Satz von Ex-Bundespräsident Horst Köhler „Wir haben die Integration in diesem Land schlichtweg verschlafen!“ zu. Was Behörden anginge, hätten die Deutschen neben den Franzosen die schlechtesten Werte. Eine fundierte, gut einstündige Einführung ins Thema gab der Migrationsforscher. In sechs Abschnitte gliederte er seine Rede.

Finale Diagnose falsch

In Deutschland würden politische Pioniere zu wenig geachtet. Andererseits würden die, „die etwas versiebt haben, zu wenig in die Verantwortung genommen.“ Die Ausstellung zeige, dass Integration nicht von oben gemacht, sondern von unten gewachsen ist. „Die Kommune hat es aus eigener Kraft geschafft.“ Viele Missstände und verbale Entgleisungen prangerte er an.

„Einwanderer in diesem Land hatten lange keine Chance.“ Sowohl das Zuwanderungsgesetz wie das Anerkennungsgesetz seien zu spät gekommen. Mit Aussagen prominenter Politiker – darunter Merkens Spruch „Multikulti ist gescheitert!“ – ging er hart ins Gericht. „Die finale Diagnose ist komplett falsch!“ Politik müsse begreifen, dass Eile geboten ist, damit aus Wutbürgern nicht ganz andere Wähler würden. Gemeint waren völkische Strömungen, vor denen er eindringlich warnte.

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