Zusätze zu Städtenamen - Erste Anträge aus Hagen, Attendorn und Solingen

Erst im Sommer musste von fast 100 Hagener Ortsschildern der Zusatz „FernUniversität“ entfernt werden.
Erst im Sommer musste von fast 100 Hagener Ortsschildern der Zusatz „FernUniversität“ entfernt werden.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Attendorn, Hagen und die „Klingenstadt“ Solingen sind die ersten drei Städte in NRW, die einen Beinamen-Antrag im Innenministerium abgegeben haben. Das Land hatte die Gemeindeordnung entsprechend geändert.

Attendorn/Hagen. Die südwestfälischen Kommunen Attendorn und Hagen haben sich als Hanse- bzw. Fernuniversitätsstadt wahrlich einen Namen gemacht. Und so können sie es kaum erwarten, Namenszusätze auf ihren Ortseingangsschildern sowie im Geschäfts- und Rechtsverkehr zu führen.

Attendorn, Hagen und die „Klingenstadt“ Solingen sind die ersten drei Städte in NRW, die einen Beinamen-Antrag im Innenministerium abgegeben haben. Das Land hatte kürzlich die Gemeindeordnung entsprechend geändert.

Die Attendorner hatten es offenbar besonders eilig. „Wir waren sehr fix“, schmunzelt Bürgermeister Wolfgang Hilleke, der es naheliegend findet, dass die Historie seiner Kommune auf den Ortsschildern gewürdigt wird. „Allen Menschen, die zu uns kommen, soll mit einem Wort unsere Geschichte als Hansestadt nahe gebracht werden.“

Antrag nur einen Tag später

Bereits einen Tag nach der erforderlichen Beschlussfassung des Rates im November („mit überwältigender Mehrheit“) reichte die Verwaltung ihren Antrag im Innenministerium ein. „Es hat bereits eine Rückmeldung aus Düsseldorf gegeben“, bestätigt Hilleke. „Wir sollen den geschichtlichen Sachverhalt noch etwas näher ausführen.“ Doch das scheint („wir sind sehr zuversichtlich“) angesichts der Rolle Attendorns in der Hanse Formsache zu sein. Als mittelbares Mitglied der Deutschen Hanse traten Attendorner insbesondere im Ostseeraum als Tuchhändler (Woll- und Leineweber) im 13. Jahrhundert in Erscheinung. Besonders Lübeck wurde für viele Attendorner zur zweiten Heimat.

Das schnelle Handeln bei der Antragstellung nimmt keiner anderen der zahlreichen Hansestädte in Westfalen die Möglichkeit, einen entsprechenden Namenszusatz in den Ortsschildern zu wählen. „Hansestadt können sich gerne mehrere Städte nennen“, sagt Birgit Axler, Sprecherin des NRW-Innenministeriums, „ein Attribut wie Hansestadt ist nicht einzigartig“. Gefordert sind Bezeichnungen, die auf der Geschichte oder der heutigen Eigenart oder Bedeutung beruhen. Zum Beispiel als Sitz einer Fernuniversität.

Hochschule ein "Herausstellungsmerkmal" für Hagen

Die Hochschule sei ein „Herausstellungsmerkmal“, begründet Hagens Oberbürgermeister Jörg Dehm seinen Antrag: „Keine andere Institution wird bundesweit in ähnlicher Weise mit dem Namen der Stadt Hagen verbunden.“

Vor der Gesetzesänderung in NRW hatten die Hagener in einem bundesweit beachteten „Schildbürgerstreich“ ihren Ortsschildern den Namenszusatz „Stadt der FernUniversität“ beigefügt. Im Sommer mussten diese wieder entfernt werden. Im Innenministerium hatte man sich auch an dem orthografisch falschen und werbenden großen „U“ gestoßen. Diesmal klingt es aus Düsseldorf nachweihnachtlich milde: „Grundsätzlich muss der Beiname den Regeln der Rechtschreibung entsprechen“, sagt Sprecherin Birgit Axler. „Aber wir prüfen, ob die Schreibweise schon so lange benutzt wird, dass sie als gebräuchlich gelten kann.“

Bleibt die Frage, ob sich Kommunen in Zeiten knapper Kassen mit Beinamen einen finanziellen Klotz ans Bein binden. „Auf keinen Fall“, sagt Attendorns Bürgermeister Hilleke. „Wir rüsten die Schilder nach und nach im Rahmen notwendiger Erneuerungen und Instandhaltungen um.“

 
 

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