Zum Zuschauen verdammt

Möhnesee..  Hilflos musste die herbeigerufene Feuerwehr am Wochenende zusehen wie ein Windrad in Möhnesee-Echtrop brannte (wir berichteten). Das einzige, was die Wehrleute machen konnten: Eine Sicherheitszone von 500 Metern im Umkreis der Anlage absperren, damit niemand von herabstürzenden Teilen verletzt wurde. Ansonsten musste man das Feuer in einer Höhe von rund 70 Metern so lange lodern lassen, bis die Flammen keine Nahrung mehr fanden.

„Brände von Windrädern sind selten – aber passieren!“, erklärt Oberbrandrat Patrick Fuchs vom Institut der Feuerwehr (IdF) in Münster. Und Wolfram Axthelm vom Bundesverband Wind-Energie (BWE) in Berlin ergänzt: „Durchschnittlich alle zwei Monate gibt es irgendwo in Deutschland Brände an Windkraftanlagen.“

Der Turm ist nicht brennbar

Der Turm der Anlage selbst sei nicht brennbar, so Axthelm. Aber Kunststoffe der Elektrik und Schmierstoffe der Hydraulik im Maschinenhaus hinter dem Rotor könnten durchaus Feuer fangen. „Auch die äußere Hülle des Maschinenhauses und die Rotorblätter – beides aus Spezialkunststoff – können in Brand geraten.“ Getriebeschäden und Fehler in der elektrischen Anlage könnten ursächlich für Brände sein.

Wenn der seltene Fall eines Brandes an einer Windkraftanlage auftritt, ist die Feuerwehr allerdings in der Regel machtlos. Denn: „Mit ihren üblichen Geräten kann sie den Brand eines Windrades nicht löschen“, sagt Christoph Schöneborn vom Verband der Feuerwehren (VdF) in Düsseldorf. „Um Gefahren von Passanten und Schaulustigen abzuwenden, muss man eine große Schutzzone um das brennende Windrad herum einrichten. Danach kann man meistens nur abwarten.“

Oberbrandrat Patrick Fuchs vom Institut der Feuerwehr bestätigt dies: „Die Feuerwehr ist zum Zuschauen verdammt!“ Fuchs: „Aus taktischer Sicht hat die Feuerwehr in den seltensten Fällen ein Mittel in der Hand, um effektive Löschmaßnahmen in dieser Höhe einzuleiten.“ Denn selbst die größten Drehleitern der Feuerwehr könnten nur bis zu einer Länge von maximal 35 Metern ausgefahren werden und reichten bei weitem nicht bis an den Brandherd.

Deshalb kann man eine einmal in Brand geratene Anlage meist nur „kontrolliert abbrennen“ lassen. Dabei besteht die Gefahr, dass herabstürzende brennende oder heiße Trümmerteile weitere Brände verursachen, wenn sie nicht schnell abgelöscht werden.

Größe des Windrades entscheidend

Christoph Schöneborn: „In der Regel ist die Ausbreitungsgefahr des Feuers aber überschaubar. Entscheidend dabei sind die Größe des Windrades und die örtliche Topografie.“

Dazu der Soester Kreisbrandmeister Thomas Wienecke, der beim Einsatz in Echtrop war: „Windräder in Waldgebieten und besonders hohe Windkraftanlagen müssen durch halbautomatische Löschanlagen gesichert sein, die durch unterirdische Wasserbehälter oder Löschteiche gespeist werden.“

Die Feuerwehr könne zwar nicht den Windrad-Brand löschen, müsste sich aber gegebenenfalls um die Brandbekämpfung am Boden kümmern, um beispielsweise bei Trockenheit im Sommer etwaige Flächenbrände in der Feldflur zu verhindern. Zudem müssten die Rettungskräfte eventuell gefährdete Objekte in einem entsprechenden Sicherheitsradius evakuieren.

Selbst mit Löschflugzeugen ließen sich Brände von Maschinenhäusern übrigens nicht löschen, so Vera Clement vom NRW-Innenministerium in Düsseldorf, das politisch für den Brandschutz verantwortlich zeichnet. Denn die Feuer entstünden ja meist im Innern der Gehäuse und ließen sich erst einmal von außen nicht löschen

 

EURE FAVORITEN