Zu wenig I-Dötzchen in NRW gegen Masern geimpft

Nina Grunsky
Ein kleiner Piks reicht, um Kinder vor der gefährlichen Krankheit Masern zu schützen.
Ein kleiner Piks reicht, um Kinder vor der gefährlichen Krankheit Masern zu schützen.
Foto: Getty
Die Weltgesundheits-Organisation WHO bemängelt die Impfmüdigkeit der Deutschen. Eigentlich sollten die Masern bis 2010 ausgerottet sein, zur Zeit häufen sich die Fälle in Deutschland jedoch wieder. Masern gilt als gefährliche Krankheit, Kinder sollten frühzeitig geimpft werden.

Hagen. Vor einer Masern-Epidemie hat jetzt das Münchner Gesundheitsamt gewarnt. In der bayerischen Landeshauptstadt sind Medienberichten zufolge innerhalb einer Woche 21 Menschen erkrankt, täglich würden neue Infektionsfälle gemeldet. Mehr als hundert Fälle verzeichnet man auch in Berlin seit Beginn des Jahres. 2012 dagegen wurden in ganz Deutschland nur 167 Fälle gemeldet. Nun hat auch der Hochsauerland-Kreis zwei Fälle gemeldet.

Das sind keineswegs dramatische Zahlen. Beim letzten größeren Masern-Ausbruch im Jahr 2011 gab es in ganz Deutschland zum Beispiel 1600 Erkrankte. Die aktuellen Zahlen aber zeigen zumindest, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihr Ziel noch immer nicht erreicht hat, die Masern auszurotten. Ursprünglich sollte dies schon im Jahr 2010 gelungen sein, nun ist der Termin auf 2015 verschoben. Doch Experten sind mittlerweile skeptisch, bis dahin auch Erfolg zu haben. Um die Masern zu eliminieren, müssten nämlich 95 Prozent der Kinder zwei Mal geimpft sein. Eine Quote, die man in Nordrhein-Westfalen annähernd erreicht hat: 94,1 Prozent der Kinder hatten hier bei der Einschulung zum Schuljahr 2011/2012 einen ausreichenden Schutz.

Eltern sind häufig impfkritisch

Doch von Land zu Land, Kreis zu Kreis, von Stadt zu Stadt und von Gemeinde zu Gemeinde gibt es durchaus Unterschiede. So waren zu diesem Zeitpunkt in Baden-Württemberg nur 88 Prozent der Kinder geimpft. In Hagen, im Kreis Olpe, im Märkischen Kreis und im Kreis Soest hatten mehr als 94 Prozent der Kinder einen ausreichenden Schutz. Im Ennepe-Ruhr-Kreis waren es dagegen 88 Prozent. Im Hochsauerland hatten 92 Prozent der Erstklässler zwei Impfungen, in der Gemeinde Bestwig 86 Prozent.

Was aber sind die Gründe für die regionalen Unterschiede? Vorbehalte der Eltern und anthroposophischer Ärzte hat Hans-Joachim Boschek, Leiter des Gesundheitsamtes im EN-Kreis, ausgemacht. Dabei hält man auch am anthroposophisch orientierten Herdecker Gemeinschaftskrankenhaus eine Impfung für ratsam – ab dem Schulalter, so Kinderarzt Alfred Längler.

Eine geringere Kinderarzt-Dichte auf dem Land, nennt Volker Schmidt, Leiter des Gesundheitsamtes im Märkischen Kreis, eine weitere mögliche Erklärung für Ausreißer, wohlgemerkt ohne damit die südwestfälischen Zahlen zu beurteilen. Und in manchen Regionen, wie in Baden-Württemberg zum Beispiel, seien Impfgegner unter den Eltern stark vertreten, mancherorts auch impfkritische Hebammen oder Ärzte, nennen Gesundheitsexperten als weitere mögliche Gründe.

Für Autismus gibt es keine Beweise

Oft sind es die Eltern, die sich gegen eine Impfung entscheiden, nachdem sie sich im Internet belesen hätten, so Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut (RKI) und betont gleich, dass die meisten Behauptungen über Impfschäden, die dort kursierten, nicht haltbar seien. So stellten britische Forscher 1998 die Hypothese auf, dass die kombinierte Masern-Mumps-Röteln-Impfung bei Kindern Autismus auslösen könnte. Dies sei durch eine Reihe von Studien entkräftet, heißt es beim RKI. Letztlich aber ist die Zahl der geimpften Kinder stetig gestiegen, übrigens auch im Ennepe-Ruhr-Kreis um annähernd zehn Prozentpunkte in den vergangenen fünf Jahren.