Wulff ist der beste Witz der Session

Joachim Karpa

Hagen/Köln/Düsseldorf. Helau und Hagau. Der Sauerländer Narr ist schlau. Zwischen Hagen und Eslohe-Cobbenrode, Attendorn und Bestwig-Heringhausen: Bundespräsident Christian Wulff ist nicht präsent. Südwestfalens Karnevalisten verzichten auf einen Wulff-Wagen beim Umzug. Anders in den Hochburgen Mainz, Köln und Düsseldorf. Hier werkeln die Wagenbauer fleißig. Seit gestern 11.06 Uhr wird umgebaut. Närrisch.

Eine Lachnummer. Ja, das ist, Pardon, das war der Bundespräsident. Für die Bütt liefert er Steilvorlagen. Seit Wochen und Monaten. Hier ein Hauskredit zu Freundschaftsbedingungen, da ein Gratis-Urlaub und dort ein Bobby-Car. Alles so gut wie geschenkt: ein Schnäppchenjäger mit politischem Hintergrund. Aus „Schnaps, das war sein letztes Wort“ wird in der Session „Wulff, du hast genug geschnorrt“. Dem Kabarettisten Jörg Knör sei Dank.

Kollege Bernd Stelter legt nach: „Christian stammt aus dem Altgriechischen. Da hieß Christian früher ‘Der Gesalbte’. Heute würde man sagen ’Der Geschmierte’.“

Darauf ein dreifach-donnerndes Helau: Helau. Helau. Helau.

Auf die Nummer 1 der Abteilung Hohn und Spott der fünften Jahreszeit wollten sich die Karnevalisten in Südwestfalen nicht einlassen. Zu unsicher war Wulff und sein Weg als Motiv für den Wagen.

„Ja“, sagt Friedhelm Schlüter, Organisator des Rosenmontagszuges in Brilon-Thülen, „es war etwas angedacht, aber wegen der unsicheren Entwicklung haben wir die Idee fallen gelassen. Das Risiko, letztlich daneben zu liegen, war zu groß.“ Das sahen Karnevalisten in Münster ähnlich. „Sie wollten es nicht“, bedauert Zugkommandant Gerd Meier, „ich hätte Wulff gerne auf dem Wagen gehabt.“

Dass das närrische Treiben in der Tiefe des ländlichen Raumes einen Bogen um die Prominenz aus Berlin macht, ist für Rolf Schröder, Präsident des Bundes Westfälischer Karneval, nicht verwunderlich: „Viele haben Fracksausen gehabt, den Bundespräsidenten durch den Kakao zu ziehen. Wer will einen Wagen bauen und anschließend vor dem Kadi stehen?“

Schließlich seien die Karnevalisten immer wieder vor beleidigenden Äußerungen über Wulff gewarnt worden. Schröder: „Der Bundespräsident, genießt rechtlich ja einen besonderen Schutz seiner Persönlichkeit.“ Und der 51-Jährige fügt hinzu: „Nach seinem Rücktritt könnte man unbekümmerter einen Wagen bauen. Es würde sich anbieten.“

Für Karnevalsvereine ist ein neuer Wagen über Nacht nicht leicht zu stemmen. Auch werden lieber lokale Geschichten als Themen aus der großen weiten Welt gewählt.

„Da haben die Leute einen persönlichen Bezug und kennen die Hintergründe“, weiß Moritz Padberg, Vorsitzender des Festkomitees Hagener Karneval. Werner Hücker vom KCM Heringhausen pflichtet bei: „Wulff war bei uns kein Thema.“

Aber natürlich in den Hochburgen des Karnevals. Wulff, der beste Witz der Session. Wie sagt es das Düsseldorfer Karnevalsduo „Et Zweijestirn“ durchaus weitsichtig:

„Heidewitzka, Herr Präsident, den Tag des Rücktritts hast du längst verpennt. Man darf ja viel über dich sagen, aber wehe, man stellt mal echte Fragen. Im Eiertanz bist Du ganz groß, Skandal am Hals - und den Job bist Du bald los.“

Dass Wulff nicht bis zum Aschermittwoch durchgehalten hat, bringt die Narren in die Bredouille.

Leichtes Spiel haben die Wagenbauer des Mainzer Carneval-Vereins. Mit Pflastern auf der Stirn, Boxhandschuhen und schwarz-rot-goldener Krawatte hängt das Staatsoberhaupt angezählt in den Seilen. Das bisherige Wort „angeschlagen“ soll durch „K.o.“ ersetzt werden. Seine Augen, die bislang geradeaus schauen, werden verdreht. Ein vermöbelter Ex-Präsident mit wirrem Blick am Boden seiner politischen Karriere.

Der Leiter des Kölner Rosenmontagszuges, Christoph Kuckelkorn, will einen neuen Wagen bauen. Den Etappenhasen Wulff, den sich ein Metzger scheibchenweise vornimmt, wird es nicht geben: „Nach den Meldungen zu den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen haben wir uns zu diesem Schritt entschieden.“

Ein Geheimnis macht der Düsseldorfer Wagenbaumeister Jacques Tilly. Er verrät nichts. Natürlich habe man einen Plan B: „Ich habe immer gesagt, bis Rosenmontag hält der Wulff nicht durch.“