Wirtschaftsstudie: Südwestfalen auf hinteren Rankingplätzen

Nina Grunsky
Blick auf ein Gewerbegebiet in Siegen. Der starke Industriestandort Südwestfalen schneidet im Ranking einer aktuellen Wirtschaftsstudie überraschend mäßig ab.
Blick auf ein Gewerbegebiet in Siegen. Der starke Industriestandort Südwestfalen schneidet im Ranking einer aktuellen Wirtschaftsstudie überraschend mäßig ab.
Foto: www.blossey.eu
  • Das Institut der deutschen Wirtschaft hat ein bundesweites Regionalranking vorgelegt.
  • Unter 402 Landkreisen schneidet Südwestfalen nur mäßig ab.
  • Überraschende Ergebnisse in punkto Lebensqualität, Wirtschaftsstruktur und Arbeitsmarkt.
Südwestfalen. 
  • Das Institut der deutschen Wirtschaft hat ein bundesweites Regionalranking vorgelegt.
  • Unter 402 Landkreisen schneidet Südwestfalen nur mäßig ab.
  • Überraschende Ergebnisse in punkto Lebensqualität, Wirtschaftsstruktur und Arbeitsmarkt.

Nordrhein-Westfalens Industriestandort Nummer 1, die drittstärkste Industrieregion in Deutschland, dort gelegen, wo andere Urlaub machen: inmitten einer wunderbaren, erholsamen Natur. Hier gibt es Arbeitsplätze satt, die Vollbeschäftigung ist mancherorts annähernd erreicht. Hier tummeln sich mehr als 150 Weltmarkführer. So stellt sich Südwestfalen dar.

Überraschende Ergebnisse im Regionalranking

Umso mehr überraschen die Ergebnisse des Regionalrankings, das das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln vorgelegt hat: Darin ist die sozio-ökonomische Lage in allen 402 Städten und Landkreisen Deutschlands untersucht worden, also die aktuelle Leistungsfähigkeit der Regionen. Mit dem Resultat, dass nicht nur Hagen und der Ennepe-Ruhr-Kreis, sondern auch die fünf südwestfälischen Kreise mäßig bis schlecht abschneiden. Auch im Dynamikranking, das die wirtschaftliche Entwicklung seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 analysiert, liegt die Region nicht vorn.

Verglichen worden ist zum einen die Wirtschaftsstruktur. Hier hat es für das Hochsauerland, den Märkischen Kreis und den Ennepe-Ruhr-Kreis gerade einmal für einen Platz im unteren Viertel gereicht. Olpe, Soest und Siegen-Wittgenstein befinden sich lediglich in der unteren Hälfte.

Negativ zu Buche schlägt hier vielerorts der Gewerbesaldo, erklärt IW-Experte Hanno Kempermann. Das heißt: „Es melden mehr Menschen ein Gewerbe ab, als Menschen ein neues gründen.“ Das gilt Kempermann zufolge insbesondere für den Märkischen, den Ennepe-Ruhr-Kreis, den Kreis Olpe.

„Bei uns kommen die Menschen im Arbeitsmarkt unter“, erklärt Jochen Schröder von der Wirtschaftsförderung im Märkischen Kreis dieses negative Ergebnis. Will heißen: Kaum jemand hat es hier nötig, ein Gewerbe zu gründen, um der Arbeitslosigkeit zu entfliehen. Wenig wissensintensive Dienstleistungen – das ist eine zweite Schwachstelle, die das IW mancherorts auszumachen glaubt.

Ein starker Industriestandort allein genüge nicht: Um zukunftsfähig zu bleiben, müsse man auch kleine und wendige wissenbasierte Dienstleister ansiedeln, so Kempermann. „Gerade die Industriestärke hat doch dazu geführt, dass wir hier so gut dastehen“, wundert sich Jochen Schröder. Im Ruhrgebiet oder in Griechenland wäre man vermutlich froh, eine so starke produzierende Basis zu haben, wischt er die Kritik weg.

Mit einer Arbeitslosenquote von 6 Prozent liegt Südwestfalen weit unter dem Landesdurchschnitts. Mancherorts ist die Vollbe­schäftigung nahezu erreicht. Und dennoch erteilt das IW in der ­Kategorie Arbeitsmarkt mäßige Noten.

Frauenbeschäftigung miserabel

„Ganz schlecht“ steht man in der Region vor allem bei der Beschäftigungsrate der Frauen da, erklärt Hanno Kempermann die miserablen Werte – und rennt damit offene Türen ein. Unternehmer würden sich mehr weibliche Bewerberinnen wünschen, erklärt Michael Bison von der Wirtschaftsförderung im Hochsauerland.

Nicht gelten lassen will man dagegen die Behauptung, in der Region gebe es mehr traditionelle Industriearbeitsplätze, es fehle es an hochqualifizierten Arbeitskräften. „Das will ich stark in Frage stellen“, so Michael Bison. Klar ist aber auch: Mit großen Hochschulstandorten wie München könne man nicht mithalten, so Jürgen Köder von der Wirtschaftsförderung im EN-Kreis.

Warum das Land der Tausend Berge in punkto Lebensqualität überraschend negativ abschneidet, erklärt sich ebenfalls bei einem Blick auf die Indikatoren des Rankings. Hervorragende Werte erzielen die Kreise zwar vor allem im Hinblick auf „naturnahe Flächen“ und geringe Zahl der Straftaten, wo allein die Stadt Hagen dem IW negativ aufgefallen ist.

Aber: Bei der Anzahl der Ärzte pro 100.000 Einwohner steht die Region erwartungsgemäß benachteiligt da. Auch der Wanderungssaldo fällt insbesondere bei den 25-30-Jährigen nicht gut aus: Es ziehen insbesondere im HSK und im Kreis Siegen-Wittgenstein mehr Jüngere ab als zu. „Wir kennen unsere Baustellen“, so Hubertus Winterberg von der Regionalagentur Südwestfalen. „Daran arbeiten wir.“