Wie viel Kultur braucht ein Kultur-Dezernat?

Die Stadt Hagen sucht einen neuen Kulturdezernenten.
Die Stadt Hagen sucht einen neuen Kulturdezernenten.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Die Bewerbung des früheren Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Hagen um das Amt des Hagener Kulturdezernenten gegen das symbolische Gehalt von einem Euro sorgt für erhebliche Diskussionen in der politischen Szene. Klaus Hacker, Vorsitzender des Hagener Theaterfördervereins, bekräftigt seine Kandidatur.

Hagen.. Die Bewerbung des früheren Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Hagen um das Amt des Hagener Kulturdezernenten gegen das symbolische Gehalt von einem Euro sorgt für erhebliche Diskussionen in der politischen Szene. Klaus Hacker, Vorsitzender des Hagener Theaterfördervereins, bekräftigt im Gespräch mit unserer Zeitung seine Kandidatur.

Laut Ausschreibung wird die Kultur in der neu zu besetzenden Dezernentenstelle nur als letzte Aufgabe nach Recht, Öffentlicher Sicherheit und Ordnung sowie Bürgerdienst genannt. Man sucht einen Volljuristen, weil der scheidende Kulturdezernent Dr. Herbert Bleicher der einzige Jurist im Verwaltungsvorstand war. Mark Krippner, Fraktionsvorsitzender der Hagener SPD, hält die Bewerbung seines Parteifreundes Hacker deshalb bereits wegen des Anforderungsprofils für ein unmögliches Unterfangen. Dazu kämen beamtenrechtliche Hindernisse. Hacker ist mit 65 Jahren demnach zu alt für die erstmalige Berufung auf eine Wahlbeamtenstelle, für die 56 Jahre als Grenze gelten.

Kultur ist zwischen Feuerwehr und Verbraucherschutz angesiedelt

Dass die Kultur in der Ausschreibung unter ferner liefen zwischen Feuerwehr und Verbraucherschutz angesiedelt ist, kommt nicht von ungefähr. Die Stadt Hagen steckt in der Schuldenfalle. Die Zahl der Beigeordneten wird so knapp wie möglich gehalten. Die Kultur, besonders das Theater, steht immer wieder im Visier von Sparplänen. Allzu große Nähe zum Ressort könnte da hinderlich sein.

Genau diese Fähigkeiten wirft Hacker aber in die Waagschale: ein Herz für die Kultur plus die Erfahrung, mit Geld umgehen zu können. „Dass ich etwas von Kultur verstehe, halte ich von Vorteil, um Einsparpotenziale erkennen zu können. Man muss auf sinnvolle, konstruktive Art bei der Kultur sparen, damit die Strukturen erhalten bleiben.“ Hacker will nicht als Beamter antreten: „Ich bin bereit, im Angestelltenstatus einen Arbeitsvertrag zu schließen, der kurzfristig von beiden Seiten kündbar ist. Es ist eine Entscheidung des Rates der Stadt, wie er seine Aufgaben auf die Dezernenten verteilt.“

Die Debatte um Hackers Angebot, Verantwortung zu übernehmen, berührt viele strittige Aspekte des kommunalen Verwaltungssystems. Eine gewisse parteipolitische Versorgungsmentalität, die dazu führt, dass Dezernenten wie Wanderschäfer von einer Stadt zur anderen ziehen, ohne für die Entscheidungen, die sie treffen, verantwortlich gemacht werden zu können, steht ohnehin in der Kritik. Dazu kommt die Frage, wie man das Fachwissen von Rentnern angesichts des drohenden Fachkräftemangels für die Gesellschaft nutzen kann. Und nicht zuletzt steht die Überlegung an, ob eine überschuldete Kommune wie Hagen es sich leisten kann, eine Bewerbung zu ignorieren, die durch den Verzicht auf ein Gehalt die Stadtkasse erheblich entlasten könnte.

Neun Kulturdezernenten in 16 Jahren

Ohnehin hat die Kultur in der obersten Hagener Rathausetage keinen besonders bevorzugten Stand, was sich an der Halbwertzeit der entsprechenden Dezernenten ablesen lässt. Der Nachfolger des amtierenden Dr. Bleicher wird mindestens der neunte in diesem Amt in 16 Jahren sein.

Seitens der Verwaltungsspitze hat Klaus Hacker bisher keine Rückmeldung auf seine Kandidatur-Absichten erhalten. „Es ist schon erschreckend, dass das nicht zur Kenntnis genommen wird“, sagt er. Und gegen die formalen Bedenken wendet der BVB-Fan ein. „Wenn man das möchte, gibt es Wege.“ In der Kulturszene sind die Reaktionen auf Hackers kreative Quereinsteiger-Ambitionen zahlreich und positiv. In den Ämtern herrscht dagegen Schweigen. Hacker: „Der Vorschlag kam so überraschend, darauf waren alle nicht vorbereitet, damit habe ich dem einen oder anderen auf die Füße getreten, das ist mir klar. Ich habe nichts dagegen, wenn die Parteien die Stelle mit jemandem besetzen, den sie für richtig halten. Ich strebe ja keine Karriere an, ich bin mit jeder besseren Lösung einverstanden. Es handelt sich um das Angebot an die Hagener Politik, die Stelle mit jemandem zu besetzen, der Erfahrung hat und kein Geld dafür will.“

Die Stadt Hagen hat übrigens einen Headhunter beauftragt, eine geeignete Persönlichkeit für die ausgeschriebene Position zu finden.

 
 

EURE FAVORITEN