Wie Freiwillige die Flüchtlinge in Siegen versorgen

Harald Ries
Rektor Holger Burckhart im Gespräch mit Einsatzleiter Thomas Adamek.
Rektor Holger Burckhart im Gespräch mit Einsatzleiter Thomas Adamek.
Foto: MATTHIAS GRABEN
Wegen des großen ehrenamtlichen Engagements funktioniert die Notunterkunft in der Sporthalle der Uni Siegen. Nur die angekündigte Weiterverteilung bleibt aus.

Siegen. Ein paar Kinder spielen Ball zwischen den Doppelstockbetten, zwei erschöpfte Mütter versuchen trotzdem zu schlafen. Eine Großfamilie bricht auf zum Spaziergang, weil es gerade nicht regnet, im Zelt des Internet-Cafés herrscht reger Betrieb, im größeren Zelt nebenan wird schon das Essen vorbereitet. Danach steht ein begleiteter Gang zum Supermarkt und in die Stadt auf dem Programm.

Nein, ein Idyll ist die Flüchtlingsunterkunft in der Sporthalle der Siegener Universität gewiss nicht. Zu viele Menschen leben hier auf zu engem Raum. Sie haben keine Privatsphäre, wenig zu tun und eine ungewisse Zukunft vor sich. Aber es herrscht eine angenehm entspannte Atmosphäre. Die inzwischen 190 Flüchtlinge, die aus Albanien, dem Kosovo und Serbien kommen, aus Syrien, Eritrea, Äthiopien, Nigeria, Armenien und Aserbaidschan, können eine Zeit lang zur Ruhe kommen. Sie fühlen sich gut versorgt.

Ehrenamtliche Helfer in einer Notlage

Das ist Menschen wie Thomas Adamek zu verdanken. Der 47-Jährige ist stellvertretender Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Siegen, und die hat sich bereit erklärt, am Montag die Leitung der Unterkunft vom Roten Kreuz zu übernehmen. „Wir machen das für 14 Tage“, sagt er, „wir leisten der Stadt Siegen Amtshilfe in einer Notlage. Dann müssen wir uns wieder um unsere originären Aufgaben kümmern.“ Was Adamek nicht eigens erwähnt: Die zehn Feuerwehrleute, die sich in Tag- und Nachtschicht um die Logistik und Koordination kümmern, die Essensausgabe und den Sanitätsdienst organisieren sowie Gegenstände des täglichen Bedarfs ausgeben, sind ehrenamtlich tätig.

So wie die Helfer vom DRK, die Einrichtung und Start übernahmen. So wie das THW, das einen Sandkasten baute für die 60 Kinder. So wie die Siegerländer Freifunker, die ein WLAN-Netz einrichteten, wie die Hochschulgemeinden und die studentische Initiative Refugees Welcome (Willkommen Flüchtlinge), die Freizeitangebote organisiert und einen Umsonstladen mit Kleidern aufbaut.

Flüchtlinge fühlen sich gut aufgenommen

Und wie der AStA, der einen Pool mit mehr als 50 Dolmetschern aufgebaut hat. Zu denen gehört Erblina Quebreli. Die 23-Jährige studiert fürs Lehramt, stammt aus dem Kosovo und kann daher für die vielen albanischen Familien übersetzen. Größtenteils geht es um organisatorische Dinge, aber auch bei Notfällen wird sie angerufen. Oft? „Bislang jeden Tag: Ein älterer Mann musste zu einer Operation ins Krankenhaus, ein kleiner Junge ins Kinderklinikum, es gibt Dinge mit der Uni zu klären oder mit der Polizei.“

Wie erlebt sie die Situation insgesamt? „Die Flüchtlinge fühlen sich gut aufgenommen. Sie sind mit dem Essen zufrieden und finden die Schlafsituation in Ordnung. So positive Erfahrungen hatten die meisten nicht erwartet.“

Essen aus der Mensa

Fürs Essen sorgt das Studierendenwerk. Die Mahlzeiten werden in der Mensa gekocht und dann zur Sporthalle transportiert. Weil man die Flüchtlinge nicht mitten auf dem Campus haben will? „Nein“, sagt Uni-Sprecherin Nicole Reschke, „ursprünglich war geplant, sie in der Mensa zu verpflegen. Aber die erfahrenen Helfer meinten, es sei zu schwierig, sich auf dem Gelände zu orientieren und zwischen verschiedenen Angeboten auszuwählen“.

Ab heute gibt es auch Sportangebote für Erwachsene. Und was weiter? Angekündigt war am 19. Juli, als die ersten kamen, ein Aufenthalt von zwei bis drei Tagen. „Abgereist ist bislang noch keiner“, sagt Thomas Adamek.