Was Unis in der Region von Bewertungs-Rankings halten

Spaßfaktor? Offenbar gering. Wenn es im Hörsaal zugeht wie bei dieser Kinder-Uni-Veranstaltung, gibt es schlechte Noten bei MeinProf.de.
Spaßfaktor? Offenbar gering. Wenn es im Hörsaal zugeht wie bei dieser Kinder-Uni-Veranstaltung, gibt es schlechte Noten bei MeinProf.de.
Foto: Michael Urban/ddp
Auf mein MeinProf.de bewerten Studierende die Hochschullehrer. Die Uni Siegen schneidet recht gut ab, auch die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Hagen. Aber es gibt viel Skepsis gegenüber den Rankings, manch eine Hochschule kommt gar nicht vor. Eine Bestandsaufnahme.

Hagen.. Ranglisten und Tabellen lassen die Welt schön übersichtlich wirken. Deshalb sind auch Hochschul-Rankings so beliebt. Das jüngste stammt von der Bewertungsplattform MeinProf.de, auf der Studierende Lehrveranstaltungen beurteilen. 428.000 Mal geschah das seit 2007. 106.629 Seminare, Übungen und Vorlesungen von 48.930 Dozenten an 496 Hochschulen wurden bewertet von denen, die sich sonst immer benoten lassen müssen. Die Einzelergebnisse in den Kategorien Fairness, Unterstützung, Material, Verständlichkeit, Spaß und dem Verhältnis Note zu Aufwand gewichtet das Portal nach Aktualität und errechnet eine Bestenliste.

Auf Platz 1, wie bisher immer, die FH Aschaffenburg. Es folgen die Unis Köln und Gießen vor lauter Fachhochschulen. Und der Uni Siegen auf Platz 11. Das freut den für die Lehre zuständigen Prorektor Franz-Josef Klein. Er hat zwar Vorbehalte gegenüber dem Ranking, weil hervorragende Dozenten, die viel verlangten, oft schlecht bewertet würden, aber: „Eine gewisse Aussagekraft wird das schon haben“, sagt er. „Was die Uni Siegen auszeichnet, ist, dass wir Studierende besser betreuen können als andere Hochschulen.“

Für Material, also Skripte, Bücher oder Vorlesungsfolien gibt es, erzählt MeinProf-Projektleiterin Melanie Dreßl in diesem Jahr erstmals ein Extra-Ranking. Und hier ist die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung führend, die an sieben Standorten in NRW, unter anderem in Hagen, berufsbegleitend ausbildet. „Wir fühlen uns bestätigt“, sagt der Hagener Abteilungsleiter Hans-Heinrich Schulte. „Schon in den Vorjahren haben wir gut abgeschnitten. Da zahlt sich aus, dass wir uns Mühe geben, auf unsere Studierenden einzugehen und seit Jahren eine eigene Online-Evaluation vornehmen.“

Fernuni Hagen kommt im Ranking gar nicht vor

Und was ist mit der größten deutschen Hochschule, der Fernuni Hagen? Die kommt im Ranking gar nicht vor. „Wir nehmen nur Hochschulen auf, die mehr als 1000 Bewertungen haben“, sagt Melanie Dreßl. Und für die Fernuni sind nur 252 verzeichnet. Die Studierenden verhalten sich da offenbar ganz wie die Leitung der Hochschule, die zusammen mit den Unis Hamburg, Köln und anderen den Ranking-Zirkus generell nicht mehr mitmacht und keine Daten liefert.

Wie die deutschen Chemiker, Soziologen, Anglisten, Pädagogen und Historiker. Und möglicherweise bald die Biologen, Physiker und Mathematiker. Weil sie die Methoden der Bewertungen für mangelhaft halten, die Daten für nicht vergleichbar und die Ergebnisse für nicht aussagekräftig.

Das sehen viele Kritiker der seit den 1990er-Jahren in Deutschland populären Listen so. Auch der positiv bewertete Schulte ist mit seiner Einschätzung zur Qualität von MeinProf eher zurückhaltend. „Aber besser, wir stehen oben als unten“, sagt er.

"Eine riesengroße Datenbasis"

Melanie Dreßl verteidigt natürlich ihre Plattform. „Wir geben den Studierenden eine Stimme“, sagt sie. „Wir haben eine riesengroße Datenbasis.“ Und: „Wir kümmern uns um die Lehre, wo es sonst meist um die Forschung geht.“ Aber hilft das Urteil heutiger und gestriger Studenten den künftigen wirklich weiter? Nur bedingt. Die Fachhochschule Südwestfalen hat zwar mehr als 1000 Bewertungen, aber nicht genügend aktuelle. Deshalb taucht sie im Ranking nicht auf. Und die beiden in Einzelkategorieren hervorragend beurteilten Professoren der Uni Witten/Herdecke, die kennt an der privaten Hochschule schon keiner mehr. So lange muss das her sein, dass sie dort tätig waren.

Fazit: Hitlisten machen vielen Studenten Spaß. Auch manchen Professoren, die auf MeinProf ihr Profil pflegen und Bilder hochladen. Aber allzu ernst sollte man das ganze Unternehmen eher nicht nehmen. Das gaben auch Gerichte klagenden Professoren zu verstehen: Es geht um Meinungsfreiheit. Nicht um Wahrheit.

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