Was der "Kirchplatz Zukunft" aus Westfalen beim Kirchentag zeigt

Besucher des Kirchentages feiern  in Hamburg auf dem Fischmarkt einen Gottesdienst. Insgesamt werden bis zum Sonntag mehr als 100.000 Dauerteilnehmer zu dem Glaubensfest erwartet.
Besucher des Kirchentages feiern in Hamburg auf dem Fischmarkt einen Gottesdienst. Insgesamt werden bis zum Sonntag mehr als 100.000 Dauerteilnehmer zu dem Glaubensfest erwartet.
Foto: dpa
Der „Kirchplatz Zukunft“ stellt beim Kirchentag in Hamburg innovative Ideen aus Westfalen vor. Der Hospizverein aus Olpe erwartet mehr als 5000 Besucher an seinem Stand.

Hamburg.. „Bei uns gibt es etwas, was man nicht jeden Tag bekommt.“ Luzia Richter vom Deutschen Hospizverein in Olpe hält ein kleines Tütchen mit einem Teebeutel und einem Zettel darin in die Höhe: „Lassen Sie den Tee so lange ziehen – soviel er braucht – und fühlen Sie sich verbunden mit den Familien, deren Kinder lebensverkürzend erkrankt sind“, steht auf dem Beiblatt im Beutel.

1500 dieser Mini-Geschenke hat der Olper Hospizverein für den Kirchentag in mühsamer Handarbeit gebastelt, und die werden nun an ihrem Stand auf dem Markt der Möglichkeiten verteilt: „Wir rechnen wieder mit mehr als 5000 Besuchern“, weiß Luzia Richter aus der Erfahrung früherer Kirchentreffen, denn die Hospizbewegung genießt höchsten Respekt und dankbare Anerkennung in der Öffentlichkeit.

Immer wieder neue Ideen

Jedes Mal lassen sich die Sauerländer eine neue Idee einfallen, um für ihre gute Sache zu werben. „Einige Kirchentagsbesucher sammeln unsere Giveaways regelrecht und freuen sich über unseren Einfallsreichtum“, ergänzt Marcel Globisch, der die ambulanten Dienste des Hospizvereins leitet.

Waren es 2055 noch 25 ambulante Kinderhospizeinrichtungen, so sind es inzwischen bereits 108 geworden: „Unsere Bewegung wächst, es gibt eine riesige Nachfrage“, weiß der Soziologe, der seit sieben Jahren in der Hospizarbeit tätig ist.

Rege Aufmerksamkeit erzielt auch die Arnsbergerin Edith Malzer. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist sie schon mit ihren fair gehandelten Produkten aus Nepal bei den Kirchentagen vertreten. „Ich komme gerade erst wieder aus Kathmandu zurück“, erzählt sie. Ihr Soester Verein Nepra e.V. hat zwar nur 45 Mitglieder, doch sind die emsig bemüht, Spenden für die Lepra-Behinderten-Arbeit, die Aidshilfe oder auch für Straßenkliniken in Nepal zu sammeln. Der Verkauf nepalesischer Handarbeiten bringt zusätzlich etwas in die Kasse und macht die Menschen vor Ort zudem wirtschaftlich selbstständiger.

Rehabilitation der Hexen

Ein paar Schritte weiter hat die evangelische Stiftung Volmarstein ihren Infostand. Bereichsleiter Lothar Bücken möchte vor allem vermitteln, „dass man als Nichtbetroffener ein eigenes Gefühl für Behinderung bekommt“. An einem kleinen Computer können die Besucher ein entsprechendes Simulationsspiel ausprobieren und sind schnell überrascht und erschrocken über die drastischen Einschränkungen, die ihnen da vor Augen geführt werden. „Inklusion, also die Einbindung von Behinderten in unsere vermeintlich normale Welt, ist einfach ganz, ganz wichtig“, betont Lothar Bücken.

Dem Theologen Hartmut Hegeler aus Unna liegt derweil etwas ganz anderes am Herzen. Seit vielen Jahren kämpft er um die Rehabilitation von Opfern, die als Hexen im 17. Jahrhundert verurteilt und getötet worden sind. Über Folter und Tod zweier Männer aus Menden im Jahre 1638 hat er u. a. ein Buch geschrieben; zum Kirchentag hat er viel Quellenmaterial zur weiteren Aufklärung dieses dunklen Kirchenkapitels mitgebracht: „Es treibt mir als Christ die Schamesröte ins Gesicht, dass noch immer nicht all diese unschuldig Verfolgten und Ermordeten rehabilitiert worden sind. Schließlich geschah das Grauenhafte im Namen Jesu.“ Immer wieder stellen Hegeler und seine Mitstreiter in den nordrhein-westfälischen Städten entsprechende Anträge. In Menden waren sie im vergangenen Jahr auch erfolgreich.

Erfolg in der Gemeinschaft

Erfolg in der Gemeinschaft, so könnte man das Motto vom westfälischen „Kirchplatz Zukunft“ nennen. Der Dortmunder Ökumenereferent Gerd Plobner umreißt die Zielsetzung, unter der sich ein Dutzend Einrichtungen und Institutionen zur Präsentation beim Kirchentag zusammen geschlossen haben: „Von den frommen Sommerandachten im Siegerland über die evangelische Jugendarbeit in Iserlohn bis hin zum Anti-Atomkraft-Stand der Münsterländer zeigen wir eine große Bandbreite an westfälischen Kirchenauftritten. Bei allen thematischen Unterschieden arbeiten wir doch alle Hand in Hand zusammen, ohne Trennlinien. Genau das soll der offene Marktplatz zeigen.“

Fairer Handel spricht dabei auch eine große Rolle. Selbst die eigens zertifizierten Rosen auf den Bistro-Tischen im Welt-Cafe sind unter fairen Handelsbedingungen aus Kenia importiert worden. Gut 60 Mitarbeiter sind auf dem westfälischen Kirchplatz im Einsatz. Keine andere Landeskirche leistet sich einen solchen Auftritt, der nun bereits beim vierten Kirchentag realisiert wird.

„Das Wesentliche ist die Atmosphäre, die hier herrscht“, sagt Plobner. Die sei noch wichtiger als die Informationen an den einzelnen Ständen: „Wir arbeiten doch schließlich alle an einer Idee, einer gemeinsamen Botschaft, trotz unterschiedlicher Frömmigkeitsausprägungen.“

 
 

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