Warsteiner Eisschnellläuferin Leia Behlau freut sich auf Calgary

Leia Behlau - hier ein Bild von 2012 - startet bei der Mehrkampf-WM in Calgary.
Leia Behlau - hier ein Bild von 2012 - startet bei der Mehrkampf-WM in Calgary.
Foto: Getty Images
Es war die große Überraschung: Die Warsteiner Eisschnellläuferin Leia Behlau wurde für die Mehrkampf-WM in Calgary nominiert. Für die 18-Jährige ist es der erste Start im Seniorenbereich.

Calgary/Hagen..  Eigentlich sollte sie erst im kommenden Jahr bei den Senioren starten. Eigentlich war ein Wettkampf in Inzell geplant. Eigentlich müsste sie sich auf ihre Abitur-Vorklausuren vorbereiten.

Eigentlich ist ein Wort, das zur Zeit so gar nicht zu Leia Behlau passt. Denn im Leben der 18-jährige Eisschnellläuferin aus Warstein-Mülheim ist einiges anders geworden, das eigentlich so nicht geplant war. „Ich war ziemlich überrascht, als ich von der Nominierung für die Mehrkampf -WM in Calgary erfahren habe“, erzählt sie. Ganz nah klingt sie, und ist doch weit weg. Schon gut eine Woche trainiert die Sauerländerin in Kanada, läuft auf „der schnellsten Bahn der Welt“ - und ist begeistert.

„Es ist schon alles eine Nummer größer als bei Junioren-Wettkämpfen“, erzählt die Abiturientin, die mit 13 Jahren nach Erfurt zum dortigen Sportgymnasium wechselte. „In Übersee war ich auch noch nie“, sagt sie. „Zuhause“ ist für sie nach wie vor das Sauerland, wo die Familie lebt, auch wenn Bruder Nils mittlerweile ebenfalls in Thüringen trainiert. „Meine Familie steht 100 Prozent hinter mir“, fühlt sie sich getragen von ihren Lieben. Beim ESV Möhnesee fing die Geschichte mit ihr und dem Eisschnelllaufen schließlich an, zum Schuljahr 2009/2010 wechselte sie jedoch nach Erfurt.

„Wir wollen den jungen Leuten zeigen, dass sich Leistung auch lohnt“, begründet der Sportdirektor der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), Robert Bartko, die Entscheidung, Leia ins Team zu nehmen. „Es ist auch eine Belohnung für meine Leistungen in der Saison“, sagt Leia selber. Nun also startet sie am Samstag über 500 m und 3000 m, am Sonntag noch einmal über die 1500, und danach „wird entschieden, wer noch auf die 5000 m geht“, erklärt sie den Modus des Mehrkampfes.

Sie ist dabei, „um Erfahrung zu sammeln.“ Das tut sie bereits im täglichen Training. Und genießt die Zeit mit der Mannschaft. „Wir sind ein richtig gutes Team. Claudia Pechstein und Patrick Beckert helfen mir, wo es geht und keiner gibt mir das Gefühl, dass ich neu dabei bin“, sagt sie, erfreut über die vorbehaltlose Aufnahme. Realistisch bleibt sie bei aller Euphorie: „Vorne mitlaufen werde ich nicht.“ Und fügt diese Randbemerkung hinzu: „Claudia ist die älteste Teilnehmerin, ich bin die jüngste. Das ist schon was!“

Das ist sensationell. Nie zuvor startete Behlau bei den Senioren, jetzt misst sie sich mit der Weltspitze. Wie die 43-Jährige Pechstein hat auch Leia ihre Stärken eher auf den langen Strecken. „Auf 3000 und 1500 Metern kann ich meine Technik und Ausdauer ausspielen und konstanter laufen“, erklärt sie.

Ausdauer braucht sie noch in anderem Gebiet. Zwei Wochen nach ihrer Rückkehr geht es in die Vorklausuren fürs Abitur. „Im Mai oder Juni ist dann das Abitur.“ Mathematik, Deutsch, Sporttheorie, Englisch und Ethik sind die Fächer. Dass sie die Daten der Prüfungen nicht direkt parat hat, belegt wohl eine weitere Eigenschaft: Leia ist recht entspannt. „Ich bin eher ruhig“, sagt sie selber.

Wirklich nervös ist sie nicht. Vielleicht kurz vor dem Start, wie sie einräumt. „Ich versuche, ruhig zu bleiben. Und nach dem ersten Rennen geht es dann.“ Nicht nur eigentlich die besten Voraussetzungen für einen gelungenen Einstand. Sondern ganz bestimmt.

 
 

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