Warsteiner-Becken aus der Luft mit Legionellen kontaminiert?

Warstein.. Eine Brauerei im Ausnahmezustand: Kamerateams und Journalisten belagerten gestern das gläserne Verwaltungsgebäude der Warsteiner Brauerei im Herzen der Stadt Warstein. Seit bekannt geworden ist, dass die 260 Jahre alte Privatbrauerei möglicherweise einer der (Mit)Verursacher der Erkrankungswelle sein kann, ist der Warsteiner Legionellen-Fall zu einem nationalen Top-Thema geworden, das auch „Tagesthemen“ und „heute journal“ beschäftigt.

Beinahe im Minutentakt klingelte bei Stefan Leppin, Leiter der Unternehmenskommunikation der Brauerei, das Handy. Doch alle Anfragen um Interviewwünsche mit der Geschäftsführung wurden negativ beschieden. Der Betrieb zeigt sich zugeknöpft und will erst intern alle Fragen beantwortet wissen, bevor man sich der Öffentlichkeit stellt. „Wir haben nichts zu verbergen“, betont Leppin.

Ursachenforschung

Die eigens eingerichtete „Brauerei-Task-Force“ hat mit der Ursachenforschung begonnen. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Fragen: Woher kommen die lebensbedrohlichen Legionellen vom „Stereotyp 1 Knoxville“, die im Abwasser der Brauerei gefunden wurden, und warum weichen die Untersuchungsergebnisse des von der Brauerei beauftragten, unabhängigen Hygieneinstituts Gelsenkirchen von denen des Kreises Soest so stark ab? Denn während das Gelsenkirchener Labor am 4. September einen Wert von 70 000 KBE (Kolonie bildende Einheiten) auf 100 Milliliter Abwasser gemessen hat - was auch schon ein viel zu hoher Wert ist - haben die Spezialisten um Professor Exner 2,5 Millionen KBE (Ergebnis vom 12. September) an der gleichen Entnahmestelle festgestellt.

Die Beantwortung der Fragen muss derzeit noch spekulativ bleiben. Nach Informationen unserer Zeitung haben Untersuchungen des Gelsenkirchener Instituts belegt, dass das für den Brauvorgang eingesetzte Wasser ebenso unbelastet ist wie das Wasser, das etwa zum Spülen der technischen Anlagen benutzt wird. Auch Laborproben des Kreises Soest haben ergeben, dass das Abwasser, das eben durch jene Spülvorgänge entsteht und an das Vorklärwerk auf dem Brauereigelände geleitet wird, vollkommen unbelastet ist. „Das ist die gute Nachricht für Warstein“, bestätigte Wilhelm Müschenborn, Sprecher des Kreises Soest, „dass das Wasser, das aus der Produktion stammt, absolut sauber ist.“ Stefan Leppin, Unternehmenssprecher der Warsteiner, sagt: „Für uns ist das natürlich der entscheidende Punkt, weil er belegt, das unsere Produktion sauber ist.“

Nach Ansicht der Brauerei stützen die jetzt ermittelten Werte die Theorie, dass das Klärbecken auf dem Gelände der Waldparkbrauerei praktisch aus der Luft kontaminiert worden ist; die Brauerei somit nicht Verursacher der Krankheitswelle sein kann. Aerosole, also jene winzigen Wasserpartikel, die die Legionellen enthalten, können nach Expertenmeinung über eine Distanz von bis zu zehn Kilometern verteilt werden. Sogar Vögel werden als eine mögliche Quelle zur Weiterverbreitung nicht ausgeschlossen.

Die Brauerei wird nun versuchen, den Inhalt des extrem belasteten Beckens über die geschlossene Kanalisation in das Klärwerk des Ruhrverbandes zu leiten. Dieser Vorgang wird allerdings als kritisch betrachtet, da hierdurch die komplexen Abläufe im Klärwerk selbst erheblich durcheinander gebracht werden können. Aus diesem Grund berechnen Experten beim Kreis, beim Land und bei der Brauerei fieberhaft die Möglichkeiten und die Auswirkungen auf den Klärprozess.

Sechs Becken vorhanden

Anschließend sollen die belasteten Becken desinfiziert und wie gefordert abgedeckt werden. Da auf dem Brauereigelände sechs Klär­becken vorhanden sind, drei aber nur ­genutzt werden, scheint dies ein gangbarer Weg zu sein, um das Legionellenproblem bei der Brauerei möglichst schnell in den Griff zu bekommen.

Beendet ist der Spuk damit für Warstein allerdings noch lange nicht, denn wie man die hohe Konzentration in der Kläranlage des Ruhrverbandes beseitigen kann - das bleibt die große Frage.

 
 

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