Unternehmen drohen wegen Strompreisen mit Stellenabbau

Eine Delegation aus Indien besucht Walzen-Irle in Netphen: Die indische Botschafterin Sujatha Singh, Generalkonsul Taranjit Singh Sandhu, Jaxa von Schweinichen, Volkmar Klein, Paul Wagener.
Eine Delegation aus Indien besucht Walzen-Irle in Netphen: Die indische Botschafterin Sujatha Singh, Generalkonsul Taranjit Singh Sandhu, Jaxa von Schweinichen, Volkmar Klein, Paul Wagener.
Foto: WP
Südwestfalens Wirtschaft zeigt sich angesichts der bevorstehenden neuerlichen Strompreiserhöung alarmiert. Gießereien sind besonders betroffen

Hagen/Siegen.. Wirtschaftsunternehmen und -Verbände in Südwestfalen zeigen sich angesichts der bevorstehenden deutlichen Erhöhung der Strompreise für Unternehmen besorgt um deren Wettbewerbsfähigkeit und fürchten Produktionsverlagerungen ins Ausland. Der Walzenhersteller Walzen Irle aus Netphen steht bereits unmittelbar vor diesem Schritt und will als Konsequenz weitere Arbeitsplätze am Standort abbauen und seine Produktion in Indien deutlich erweitern.

„Unsere Reaktion auf weitere Strompreiserhöhungen heißt Stellenabbau in Deutschland“, sagte Gesellschafter und Geschäftsführer Dr. Jaxa von Schweinichen. Die Renditen in der Gießereiindustrie seien mit drei Prozent vom Umsatz nicht sehr hoch, und wenn man sie immer wieder mit Strompreiserhöhungen belaste, „dann hat die Durchschnitts-Gießerei ein Riesenproblem.“ Von Schweinichen kündigte an, die Produktion im Irle-Werk bei Neu Delhi „massiv“ auszuweiten, und die Mitarbeiterzahl dort - derzeit sind es 120 - aufzustocken.

Belegschaft in Netphen wird voraussichtlich weiter ausgedünnt

Die Belegschaft in Netphen, die schon 2012 und 2013 um 20 Prozent auf jetzt 250 Mitarbeiter abgebaut worden sei, werde weiter ausgedünnt. Der Gesellschafter: „Wir werden nur noch Dinge hier machen, die wenig personalintensiv sind.“ Bei hohen Lohnkosten brauche ein energieintensives Unternehmen Enlastung bei den Stromkosten. „Die bekommen wir aber nicht.“ Die Hürden vor einer Befreiung von der EEG-Umlage seien „irrsinnig hoch“.

Als „außerordentlich ärgerlich und belastend“ bezeichnete denn auch Franz-Josef Mockenhaupt, Hauptgeschäftsführer der IHK Siegen, die Folgen höherer Netzentgelte für alle Unternehmen im Kammerbezirk, die nicht von der EEG-Umlage befreit sind - 30 sind befreit. Schließlich lägen die Strompreise etwa in den USA nur halb so hoch. Mockenhaupt: „Es gibt bei einer wachsenden Anzahl von Firmen mit starkem USA-Geschäft Überlegungen, Teile ihrer Produktion in die Vereinigten Staaten zu verlagern anstatt ihre Kapazitäten in Deutschland zu erweitern.“

Strompreis spielt große Rolle

Standorte nach Energiekosten auszuwählen, gelte auch im Mittelstand nicht mehr als abwegig. „Man geht nicht wegen der niedrigen Strompreise, aber der Strompreis spielt bei Investitionsentscheidungen eine entscheidende Rolle.“ Auch wenn die EEG-Umlage sinken sollte, bleibe doch der Mechanismus immer gleich, betonte Mockenhaupt. Südwestfalen sei wegen seiner industriellen Stärke besonders davon betroffen.

Die Unternehmen haben nur wenige Möglichkeiten, die steigenden Energiekosten weiterzugeben. Einer Studie der IHK Arnsberg zufolge macht ein Cent EEG-Erhöhung bei einer energieintensiven Papierfabrik einen Mehraufwand von 300 000 Euro im Jahr aus. „Der Preis spielt eben doch eine Rolle“, betonte Mockenhaupt. Erst kürzlich habe der Anlagenbauer SMS in Hilchenbach einen Großauftrag an den italienischen Wettbewerber Danieli verloren. „Die rote Laterne ist an.“

„Ein zusätzlicher Schlag“

Auch im Märkischen Raum zeigt sich die Wirtschaft betroffen. „Ein zusätzlicher Schlag, der die Standortqualität für die vielen energieintensiven Betriebe in der Region deutlich verschlechtert“, meint Andreas Lux, Geschäftsführer für Innovation und Umwelt bei der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen.

Kein Unternehmen verlagere seine Produktion „mal eben so“, aber Betriebe, die es könnten, überdächten diesen Schritt verstärkt, so Lux. Dabei seien die USA, China oder Südamerika denkbare Ziele. Dabei geht es nicht um die, die als Zulieferer auf Wunsch der großen Autohersteller schon jetzt im Ausland unterwegs sind. Sondern um Aluminium- oder Walzstahl-Hersteller, die ihre Investitionen auch im Ausland tätigen könnten. Lux: „Der Preisdruck wächst.“

Michael Beringhoff, Referent für Innovation und Umwelt bei der IHK Arnsberg, weist auf eine Studie bei südwestfälischen Unternehmen zu Strompreisen und Versorgungssicherheit hin. Die Reaktion der Unternehmen reiche bei höheren Strompreisen von verstärkten Maßnahmen zur Energieeffizienz bis zur Stilllegung ganzer Produktionseinheiten. Ihm sei ein Fall aus dem Sauerland bekannt, wo ein Mittelständler mit seiner Investition bis zur Neuregelung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes gewartet habe.

 
 

EURE FAVORITEN