Südwestfalens Wirtschaft fürchtet Konjunktur-Knick

Stefan Pohl
Viele Unternehmen in Südwestfalen blicken wenig zuversichtlich in die Zukunft. Von den positiven Signalen aus dem Boomjahr 2013 ist nur noch wenig zu spüren.
Viele Unternehmen in Südwestfalen blicken wenig zuversichtlich in die Zukunft. Von den positiven Signalen aus dem Boomjahr 2013 ist nur noch wenig zu spüren.
Foto: Felix Kästle/dpa
Die Stimmung in der südwestfälischen Wirtschaft wird laut Konjunkturumfragen der Industrie- und Handelskammern immer herbstlicher. Die Erwartungen für die kommenden Monate sind deutlich eingetrübt. Dabei war im Boomjahr 2013 doch noch eitel Sonnenschein.

Hagen. Unternehmer in Sektlaune - das klingt stark nach Klischee. Außerdem stehen Südwestfalens Vertreter nicht gerade im Ruf, bei guten Konjunkturerwartungen sofort außer Rand und Band zu geraten. Sie hätten allen Grund dazu gehabt - bis zum Spätsommer.

Alles war eitel Sonnenschein seit dem Boomjahr 2013: Wirtschaftslage, Erwartungen, Auslastung, Investitionsneigung, Neueinstellungen. Die aus Lage und Erwartungen gebildeten Klimaindikatoren lagen bei bis zu 133 Punkten (Arnsberg). Vor allem die Erwartungen haben sich seitdem stark eingetrübt, wie aus den jüngsten Konjunkturumfragen der drei regionalen Industrie- und Handelskammern in Hagen (SIHK), Siegen und Arnsberg hervorgeht.

Deutlich ruhigerer Verlauf

Die Indizes sackten auf heute 103 bis 106 Punkte ab - keine Katastrophe, aber „ein deutlicher Dämpfer“, wie der neue Präsident der IHK Siegen, der Elektrounternehmer Felix Hensel aus Lennestadt hervorhebt: „Der Schwung ist raus.“ Die SIHK zu Hagen titelt etwas vorsichtiger: „Konjunktur auf der Kippe.“ und die IHK Arnsberg spricht von „Herbststimmung“. Den Umfragen zufolge erwarten die Unternehmen zwar keinen nachhaltigen und tiefen Konjunktureinbruch oder gar eine Rezession. Die Aussagen deuteten aber auf einen deutlich ruhigeren Verlauf in den nächsten Monaten hin, ergänzte Hensel.

Wie ist dieser Umschwung zu erklären? Noch ist die Meldung über den deutschen Export-Rekord zur Jahresmitte unvergessen, auch wenn er nur die Dokumentation erledigter Aufträge ist. Stärke, aber gleichzeitig auch Achillesferse der südwestfälischen Wirtschaft ist ihre Exportorientierung, die sie allen - auch gefühlten - Risiken der Krisenherde dieser Welt aussetzt. Und davon gibt es derzeit reichlich: Die Unsicherheit über die Entwicklungen in Russland und der Ukraine sowie im Nahen Osten wachsen ebenso wie die Angst vor der Ausbreitung des Ebola-Virus.

Ausgleich gelingt nicht mehr

Konnte in früheren Zeiten eine Nachfrageschwäche im Inland oft durch einen starken Export ausgeglichen werden, so gelingt das zurzeit nicht, so die Hauptgeschäftsführerin der IHK Arnsberg, Dr. Ilona Lange. Viel Pessimismus gibt es im Hochsauerlandkreis, vor allem im Handel, in der Bauwirtschaft und bei den unternehmensnahen Dienstleistungen.

„Das Wachstum der Schwellenländer und des Welthandels hat sich verlangsamt, die Erholung in Europa lässt weiter auf sich warten“, konstatiert SIHK-Präsident Harald Rutenbeck. Im Kammerbezirk hat sich der Anteil derjenigen, die in den nächsten 12 Monaten eine schlechtere Geschäftsentwicklung erwarten, seit Jahresbeginn auf jetzt 27 Prozent verdreifacht. Im IHK-Bezirk Siegen meldet der Umfrage zufolge fast jeder dritte Industriebetrieb Einbußen beim Auftragseingang - die schlechte Stimmung im Industriesektor schlägt sich nach dem Großanlagenbau jetzt auch bei den Metallverarbeitungsbetrieben nieder.

Das schmälert auch die Investitionsneigung, vor allem im Inland, während die Absichten, im Ausland zu investieren, wachsen, wie die IHK Siegen berichtet. Häufig würden als Grund auch Energiekosten in Deutschland genannt.