Südwestfälische Unternehmer in China erwarten Liberalisierung und Marktöffnung

Das Sauerländer Unternehmen Mennekes besitzt zwei Produktionsstätten in China.
Das Sauerländer Unternehmen Mennekes besitzt zwei Produktionsstätten in China.
Foto: WR
Der Machtwechsel in China besiegelt. Obwohl zahlreiche deutsche Unternehmen in Südwestfalen dort eigene Werke stehen haben, sorgt sich niemand wegen des neuen Staatschefs. Man geht nicht von großen Veränderungen aus, hofft jedoch zugleich auf einen demokratischeren und liberaleren chinesischen Markt.

Hagen/Siegen. Der nahezu lautlose Machtwechsel in China ist in Deutschland kein Gegenstand öffentlicher Debatten. Zumal, wenn kein revolutionärer Umbruch zu erwarten ist. Der künftige Staats- und Parteichef Xi Jinpin dürfte nach dem Urteil von Experten kaum etwas anders machen als sein Vorgänger Hu Jintao. Der liberale künftige Ministerpräsident Li Keqiang gilt als vorsichtiger Karriere-Bürokrat.

Deshalb wird in denjenigen Teilen der südwestfälischen Wirtschaft, die geschäftliche Kontakte zum Reich der Mitte unterhalten oder gar einen Produktionsstandort dort haben, nicht von einschneidenden Veränderungen ausgegangen. China ist für deutsche Hersteller und Zulieferer das stärkste Produktionsland außerhalb Deutschlands. „Die Reformer haben sich durchgesetzt“, meint Günther Wulf, zusammen mit seinen Kindern Inhaber der Firma Ketten Wulf in Eslohe-Kückelheim und erst vor 14 Tagen von einem Besuch am Produktionsstandort Hangzhou mit 600 Beschäftigten zurückgekehrt. Von Li habe er einen guten Eindruck, sagt Wulf, vom Machtwechsel erwarte er mehr Liberalisierung und Marktöffnung.

Der Aufschwung reißt nicht ab

Dabei geht es Ketten Wulf in China dank hoher Auftragseingänge schon jetzt gut, im laufenden Jahr hat die Firma einen weiteren Aufschwung genommen. „Wir haben 20 Prozent auf dem chinesischen Markt zugelegt und sind sehr zufrieden“, sagt Günther Wulf. Auch die weiteren Aussichten seien positiv: neue U-Bahnen würden gebaut, China produziere die Hälfte des weltweit verbrauchten Zements, der Schüttgut-Markt sei riesig. Das alles müsse transportiert werden.

Auch die Leitung der Kirchhoff-Gruppe mit Standorten in Iserlohn und Atterndorn erwartet durch die neue Staatsführung keine Politikänderung. „Unserer Meinung nach sollte in Zukunft bei einigen Technologien der Zwang zur Bildung von Gemeinschaftsunternehmen aufgehoben werden“, sagte Pressesprecher Andreas Heine. „Damit wüssten wir unser Know-How geschützt und könnten unsere Aktivitäten im Bereich Forschung und Entwicklung weiter ausbauen“.

Zwei Werke in China

Dies gelte insbesondere auf dem Umweltsektor. Hier baut Kirchhoff Heine zufolge als Hersteller von Entsorgungsfahrzeugen der Firma Faun auf lizensierte Nutzfahrzeuge chinesischer Hersteller Fahrzeuge auf. Als Automobilzulieferer ist die Kirchhoff-Gruppe mit zwei Werken in China vertreten, ein drittes ist im Aufbau. Dort werden für die Pkw- und Lkw-Industrie Metallteile für Rohbau und Fahrwerk hergestellt.

Für die Siegener Walzengießerei Gontermann Peipers, die mit einem Büro in China vertreten ist, stellt sich die Frage nach Veränderungen durch den Machtwechsel nicht. „Der chinesische Markt ist für uns unbedeutender geworden“, sagt Geschäftsführer Frieder Spannagel. „Die Chinesen spielen ihr Spiel und geben bei Zulieferungen dem Inland den Vorzug.“ Seiner Beobachtung zufolge haben chinesische Staatsunternehmen die Vorgabe, so wenig Walzen wie möglich zu importieren.

Christopher Mennekes, Mitinhaber des gleichnamigen Steckerspezialisten aus Kirchhundem, geht davon aus, dass die beiden Neuen, für ihn „unbeschriebene Blätter“, ihr Augenmerk auf die in China grassierende Produktpiraterie legen. Dies werde immer wahrscheinlicher, seitdem sogar chinesische Hersteller von Chinesen kopiert würden. Hoffnung setzt Mennekes auf eine demokratische Öffnung und stabile Strukturen. Mennekes hat im chinesischen Nanjing zwei Produktionsstätten.

Rechtssicherheit bleibt ein Thema

Die Bedeutung Chinas für die Südwestfälische Wirtschaft unterstreicht der Leiter des Bereichs Außenwirtschaft bei der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK), Frank Herrmann. „Unternehmen, die viel mit China zu tun haben, wissen zu schätzen, dass sie damit wegbrechende Umsätze in Europa kompensieren können.“ Rechtssicherheit und der Schutz geistigen Eigentums blieben aber ein großes Thema für deutsche Firmen in China - „man sollte es vermeiden, dort vor Gericht zu landen.“

Herrmann erhofft sich durch den Machtwechsel in China für Südwestfalens Unternehmen mehr Liberalisierung, Transparenz, Korruptionsbekämpfung und Subventionsabbau. Inzwischen sei es schwer geworden, gutes Personal zu bekommen. Die Löhne stiegen zweistellig.

 
 

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