Start-up Urlaubsguru.de jagt Reise-Schnäppchen im Internet

Wohlfühlatmosphäre: Die Firmengründer Daniel Krahn (links) und Daniel Marx motivieren ihre Mitarbeiter unter anderem mit einer Feel Good Managerin.
Wohlfühlatmosphäre: Die Firmengründer Daniel Krahn (links) und Daniel Marx motivieren ihre Mitarbeiter unter anderem mit einer Feel Good Managerin.
Foto: Kai Kitschenberg
  • Start-up aus Holzwickede sucht im Internet nach günstigen Urlauben
  • Das eigenfinanzierte Unternehmen wächst seit der Gründung rasant
  • Unter den 125 Mitarbeitern ist auch eine Feel Good Managerin

Holzwickede.. Der Urlaubsguru liebt Schnäppchen und arbeitet in Holzwickede. Er ist ein Internet-Nerd, isst gern geschnittenes Obst und träumt den ganzen Tag von der großen weiten Welt. Vor allem aber ist der bärtige Mann mit den ergrauten Haaren eine virtuelle Figur. Wie haben Daniel Krahn (33) und Daniel Marx (30), die Gründer des Start-ups Urlaubsguru.de, eine riesige Community dazu gebracht, ihre Reisenplanung in die Hände eines solchen Typen zu legen?

Die Suche nach Antworten führt in den Januar 2013. Daniel Krahn arbeitet zu dieser Zeit bei einem Verlag und hetzt in den Mittagspausen häufig zu seiner Wohnung, um nach günstigen Flügen und Hotels im Internet zu suchen, und die Angebote dann auf seinem kleinen Blog zu veröffentlichen. Mit der Jagd nach Rabatten hat er schon derart viel Geld im Urlaub gespart, dass Freunde ihn bitten, doch auch für sie Schnäppchen im weiten Internet aufzuspüren.

An diesem Wintertag stellt er jedoch einen Deal online, der wie ein billiger Scherz klingt: Budapest inklusive Hotel und Flügen für sechs Euro. Die Leser springen auf das Angebot an, das durch einen Gutschein des einen und fehlerhafte AGB des anderen Reiseveranstalters zustande kommt, bis die Unterkunft in der ungarischen Hauptstadt ausgebucht ist. Die Urlauber verbreiten die Kunde vom spottbilligen Kurztrip über soziale Netzwerke, die Klickzahlen auf urlaubsguru.de vervielfachen sich. Spätestens da wird aus der Idee, die Krahn mit seinem Schulfreund Daniel Marx ein halbes Jahr zuvor bei einem Grillabend entwarf, eine bemerkenswerte Unternehmensgeschichte.

„Der Budapest-Deal hat uns bekannt gemacht“, sagt Marx, der es seinem Geschäftspartner bald darauf gleich tat und seinen Job in einer Software-Schmiede kündigte. „Wir hatten das Gefühl, dieses Projekt könnte etwas Großes werden“, ergänzt Krahn. Wie genau sie damit Geld verdienen würden, das war beiden dagegen noch nicht recht klar. In die Welt des Affiliate-Marketings tauchten sie allerdings schnell ein. Kurz gesagt: Der Urlaubsguru stellt täglich rund 30 Artikel mit Links zu Angeboten sowie Tipps auf die Seite oder schnürt nach individuellen Wünschen ein möglichst preiswertes Paket. Er erhält Provisionen von den Reiseveranstaltern, wenn Leser die Empfehlungen buchen. Krahn: „Wir wollen zeigen, dass Reisen übers Internet günstig und gleichzeitig seriös sein kann.“

Die Vermittlungsgebühren sind in der Regel zwar nur halb so hoch wie die Provisionen eines stationären Reisebüros, doch das Holzwickeder Unternehmen besorgt viele Deals – den über 20 Millionen Besuchern auf der Homepage und fast fünf Millionen Facebook-Fans sei Dank. „Wer einmal den positiven Effekt einer unschlagbar günstigen Reise erlebt hat, erzählt davon allen seinen Freunden und Bekannten“, sagt Marx.

Die Sogwirkung lässt das komplett eigenfinanzierte Start-up, das auf Investoren und Kredite verzichtet, stetig wachsen. Zu zweit gestartet, beschäftigt die Firma derzeit 125 Mitarbeiter aus neun Nationen, die auf 1500 Quadratmeter Bürofläche gegenüber des Dortmunder Flughafens etwa in einem japanischen Vielfliegerforum händisch nach günstigen Flügen fahnden. Der Urlaubsguru ist mittlerweile in 17 Ländern präsent, weitere Projekte haben sich auf Kreuzfahrten oder den Urlaub mit dem Haustier spezialisiert. UNIQ – so heißt die GmbH – peilt in diesem Jahr einen vermittelten Umsatz von 200 Millionen Euro an.

Obst, Sprachkurse und Yoga

Das rasante Wachstum soll gleichwohl die Firmenphilosophie nicht verschütten. „Wir waren selber Angestellte und wollen, dass das Arbeitsklima ein anderes ist, als wir es von unseren alten Arbeitgebern kannten“, sagt Daniel Krahn. Deshalb haben die beiden Gründer nach einem Besuch im Silicon Valley, dem IT-Mekka in Kalifornien, die Stelle eines Feel Good Managers geschaffen. Es gibt kostenlos Obst, Sprachunterricht und Yoga-Kurse. Die Mitarbeiter – Krahn und Marx bezeichnen sie lieber als Familienmitglieder – treffen sich nach Feierabend in einer Art firmeneigener Spielhölle an der Tischtennisplatte oder Playstation.

„Von außen mag manches skurril wirken, aber wenn man ein Teil unseres Teams ist, kommt man von diesem Bann nicht so schnell los“, sagt Marx. „Wir sind total überzeugt, dass dies der richtige Weg ist, um Mitarbeiter glücklich zu machen.“ Der Plan scheint aufzugehen: Ein zufriedener Guru mit 125 Gesichtern ist ein besserer Schnäppchenjäger.

 
 

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