Schweizerin Kocher will mit gespendetem Schlitten nach Sotschi

Daniel Berg
Schnell unterwegs wie hier in Oberhof 2013: Martina Kocher.
Schnell unterwegs wie hier in Oberhof 2013: Martina Kocher.
Foto: Sascha Fromm
Die Schweizerin Martina Kocher ist die beste Rodlerin ihres Landes. Ihr veralteter Schlitten bescherte ihr eine enttäuschende vergangene Saison. Nun hat sie einen neuen, weiß, fast 10 000 Euro teuer. Bezahlt haben ihn andere für sie, damit sie es zu den Olympischen Spielen schafft.

Winterberg. Etwas kryptisch kommt daher, was das Sportler-Leben von Martina Kocher verändern soll: MSQ13. Das ist der ­Name des neuen Rennschlittens, mit dem die Schweizer Rodlerin in diesem Winter an den Start geht, um sich ihren Traum zu erfüllen. Die Abkürzung steht für: Martina Speed Queen, übersetzt: Martina, die Geschwindigkeitskönigin. Es soll ihr Zugangscode für Sotschi und die Olympischen Spiele im Februar sein. Und das Beste daran: Bezahlt haben den fast 10 000 Euro teuren Schlitten andere.

Für Sportler ist das nicht gerade ungewöhnlich. Gerade die Stars der prominenten Sportarten bekommen alles, was sie brauchen und nicht brauchen, von Sponsoren hinterhergeworfen und können sich vor materieller Unterstützung kaum retten. Doch in der verschneiten Welt des Wintersports liegen die Dinge meistens anders. Besonders im Rodeln, wo fast immer die Deutschen gewinnen und selbst die sich über jede Unterstützung freuen. Eine wie Martina Kocher aus der dem Rodeln nicht unbedingt leidenschaftlich verfallenen Schweiz hat es da nicht leicht.

Wie gemalt für den Boulevard

Sie war 2010 in Vancouver Olympia-Siebte, das machte die beste Rodlerin des Landes in der Heimat bekannt. Für die Boulevard-Medien des Landes ist sie wie gemalt: groß, schlank, blond. Es gibt Interviews von ihr, die garniert sind mit Bildern auf denen sie deutlich weniger Textil am Körper trägt als auf dem Schlitten: Pudelmütze, Höschen, Socken. Alles in Pink. Doch selbst eine wie sie ist auf anderweitige finanzielle Unterstützung angewiesen.

„Um international auf dem höchsten Niveau zu bestehen, spielt das Material eine immense Rolle“, sagt sie, „nach der letzten Saison, gespickt mit unzähligen Abstimmungsproblemen mit meinem Schlitten, war die Enttäuschung riesig. Um in der Olympia-Saison wieder an die absolute Weltspitze anzuknüpfen, bin ich auf einen einwandfreien Schlitten angewiesen“, begründete die 28-Jährige ihr Vorgehen. Sie beschloss daher, sich in die Hände eines Crowd-
funding-Projektes zu begeben. Diese Form der Schwarmfinanzierung basiert auf vielen kleineren Geldbeträgen als Spende und beinhaltet unterschiedliche Arten der Gegenleistung. Martina Kocher bot Mitfahrgelegenheiten, Autogramme und andere Devotionalien ihres Sportler-Lebens.

44 Unterstützer fanden sich, darunter auch prominente Ex-Sportler wie Bobpilot Ralph Pichler oder der Leichtathlet Jean-Pierre Egger, und spendeten mehr Geld als eigentlich benötigt wurde. Der glänzend weiße Schlitten MSQ13 wurde exakt auf ihren Körper angepasst und rast seither die Eisröhren der Welt hinunter. An diesem Wochenende die in Winterberg.

150 Starter aus 30 Nationen

Im Hochsauerland ist die Weltelite zu Gast. Mehr als 150 Teilnehmer aus 30 Nationen verwandeln den Wintersport-Ort in ein kunterbuntes Rodel-Fest. Martina Kocher, die mit den deutschen Seriengewinnerinnen Nathalie Geisenberger und Tatjana Hüfner trainiert, startet erstmals am Freitag im Nationencup, sie muss sich für den Weltcup erst noch qualifizieren. Der Weg nach Sotschi ist weit, zwei Top-Ten-Platzierungen im Weltcup benötigt sie dafür. „Das neue Modell wird mir hoffentlich zum Höhenflug verhelfen“, sagt Martina Kocher. Den passenden Zugangscode hat sie auf jeden Fall jetzt.