Schützen wollen kein schwules Königspaar

Dirk Winter und Oliver Hermsdorf (Mitte) beim Tanz. Schwule Schützenkönigspaare lehnt der Bund der historischen deutschen Schützenbruderschaften bei offiziellen Anlässen weiter ab.
Dirk Winter und Oliver Hermsdorf (Mitte) beim Tanz. Schwule Schützenkönigspaare lehnt der Bund der historischen deutschen Schützenbruderschaften bei offiziellen Anlässen weiter ab.
Foto: WR
Homosexuelle Schützenkönige und Schützenköniginnen dürfen ihre Lebenspartner nicht zu Mitregenten wählen. Das hat nun der Bund der historischen deutschen Schützenbruderschaften mit großer Mehrheit entschieden.

Leverkusen.. Die Tür bleibt zu. Die Schützen, die für gewöhnlich gut mit der Presse zusammenarbeiten, wollen die Medien diesmal nicht dabei haben. Über die Frage, ob sich ein schwuler Schützenkönig einen Mann zu Königin wählen darf, möchten sie nicht öffentlich diskutieren.

Und so verkündet Hochmeister Emanuel Prinz zu Salm Salm zu Beginn der gestrigen Mitgliederversammlung des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaft, dass man lieber unter sich bleiben wolle. Damit die Mitglieder auf der Versammlung frei reden können ohne jedes Wort lange abzuwägen aus Sorge, wie darüber im Fernsehen, im Radio und der Zeitung berichtet wird.

Es geht um die christlichen Werte

Viele Worte allerdings werden an diesem Tag ohnehin nicht gemacht. Nach 20 Minuten ist die Diskussion vorbei. Eine Diskussion, die vielerorts sowieso längst entschieden ist. Zum Beispiel bei der St. Hubertus-Schützenbruderschaft in Werl-Marwicke. Vor zwei Jahren habe man bereits einstimmig festgelegt, dass weder das Königspaar noch der Hofstaat gleichen Geschlechts sein dürfen. Es gehe um die christlichen Werte, so ein Vertreter der Bruderschaft gestern. Er ist einer der wenigen, der am Rande der Veranstaltung vorsichtig seine Meinung äußert. Seinen Namen aber will er nicht nennen.

Die Frage hatte bereits im vergangenen Sommer für Wirbel in der Öffentlichkeit gesorgt. Mit 366 Treffern war Dirk Winter damals Schützenkönig der katholischen Bruderschaft St. Wilhelmi Kinderhaus in Münster geworden. Und er hatte sich seinen langjährigen Lebenspartner zur Königin erwählt. Beim Bundeskönigsschießen in Harsewinkel im September durften die beiden jedoch nicht nebeneinander gehen, wie sonst bei Königspaaren üblich, sondern nur hintereinander.

Kein öffentlicher Auftritt des Lebenspartners

Und so wird es auch in Zukunft bleiben: Das Ergebnis der gestrigen Mitgliederversammlung ist klar - zumindest zahlenmäßig. 450 Mitglieder haben für den leicht abgewandelten Grundsatzantrag der Diözesanverbände Paderborn und Münster gestimmt, 28 Mitglieder dagegen, 18 haben sich enthalten.

Demnach haben „homosexuelle Schützenbrüder und Schützenschwestern in den Bruderschaften ihre Heimat“. Doch: „Das öffentliche Auftreten als gleichgeschlechtliches Königspaar ist mit der christlichen Tradition der Bruderschaften nicht vereinbar“, heißt es weiter. „Die traditionelle Ergänzung des Schützenkönigs durch eine Königin oder der Schützenkönigin durch einen König“ sei Ausdruck der christlichen Glaubensgrundsätze der Bruderschaften. „Homosexuelle können natürlich die Königswürde erlangen“, so Rolf Nieborg, Pressesprecher des Bundes. Sie müssten sich nicht unbedingt eine Königin oder einen König wählen, fügte er hinzu. Sie dürften aber auch nicht mit ihrem Lebenspartner öffentlich repräsentieren.

"Wir können damit leben"

„Wir können damit leben. Und wir haben viel erreicht“, so Dirk Winter. Er zumindest versteht den Antrag so, dass er sich auch in Zukunft frei für seinen Partner entscheiden darf, dieser jedoch so wie im vergangenen Sommer bei offiziellen Anlässen in der zweiten Reihe gehen muss. Dirk Winter, Mitglied in sieben Schützenbruderschaften, will auch in Zukunft wieder beim Königsschießen antreten. „Und ich werde immer wieder meinen Partner zum Gemahl wählen“, betont er. Er also sieht die Tür offen.

 
 

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