Scharfe Kritik an „Notverwaltung“ statt Betreuung

Wilfried Goebels

Hagen.  Bernd Mesovic, Vize-Geschäftsführer von Pro Asyl, findet Verhältnisse wie in der Burbacher Unterkunft haarsträubend. „Wenn ein paar Wachleute allein für 800 Flüchtlinge zuständig waren, dann ist das Notverwaltung. Der Personalschlüssel müsste allein bei den Sozialarbeitern bei unter 1:100 liegen. Früher waren Wachdienste bloß für die Zugangskontrolle zuständig und für die Sicherheit um das Heim herum. Aber dass die anstelle der Polizei innen intervenieren, das geht gar nicht“, sagte Mesovic dieser Zeitung. In NRW gebe es keinen verbindlichen Personal- und Betreuungsschlüssel. „Und zu den Qualifikationsanforderungen des Personals hat NRW nicht einmal Soll-Vorschriften“, so Mesovic.

Der Geschäftsführer des in die Kritik geratenen Sicherheitsunternehmens SKI, Walter Stilper, erhob in der „Nürnberger Zeitung“ schwere Vorwürfe gegen die Betreiber des Heimes in Burbach. Das „Problemzimmer“ dort sei von Sozialarbeitern mit Billigung der Heimleitung eingerichtet worden.

Stilper spricht von „lebensfremden“ Anweisungen der Sozialarbeiter: „ Wir hatten eine Arbeitsanweisung, dass wir mit den Flüchtlingen nicht reden sollen – wir sollten sie an die Heimleitung verweisen. Wie soll das funktionieren? Ein Beispiel: Fußballspiel Deutschland gegen Algerien. Da sitzen 39 Algerier friedlich zusammen, nur einer stänkert. Der Sozialbetreuer gibt uns die Anweisung, wegen des einen Stänkerers den Stecker aus dem Fernseher zu ziehen. Die Debatten danach können Sie sich ja vorstellen.“

Die Erstaufnahme-Einrichtung für Asylbewerber in Dortmund-Hacheney hat noch andere Probleme, sie ist chronisch überbelegt – um fast das Doppelte ihrer Kapazität.