Sauerland-Firmen sehen sich zu Holzimport aus Skandinavien gezwungen

Stefan Pohl
Das Sauerland importiert Rundholz aus Skandinavien. Ein Widerspruch in sich?
Das Sauerland importiert Rundholz aus Skandinavien. Ein Widerspruch in sich?
Foto: Julian Stratenschulte
Der Holzstreit zwischen NRW und dem österreichischen Holz-Multi Klausner treibt bizarre Blüten: Weil in NRW das meiste Holz nach Österreich geliefert werden muss, wird Holz importiert - aus Skandinavien. Das sorgt für Hochbetrieb am Bahnhof in Warstein.

Hagen/Meschede. Es ist viel los am Güterbahnhof Warstein. Ungewöhnliche Fracht kommt an. Ungewöhnlich ist vor allem die Herkunft: Rundholz aus Skandinavien. Im waldreichen Sauerland eigentlich ein Widerspruch in sich.

Nicht mehr, seit den mittelständischen Sägebetrieben in Südwestfalen mit dem Fall Klausner der Holz-Nachschub ausgegangen ist. Während NRW-Holz aus Staatswäldern vertragsgemäß zum Großteil per Zug zum österreichischen Säge-Konzern Klausner transportiert wird, müssen sich heimische Betriebe woanders umschauen um ihren Rohstoffbedarf zu decken.

23 Waggons von Dänemark nach Warstein

Für Markus Schulte (52) etwa, Geschäftsführer der Theodor Schulte GmbH aus Meschede mit 23 Mitarbeitern, hat sich der Einkaufsradius immer weiter ausgedehnt: auf ganz NRW, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Hessen bis aktuell nach Skandinavien - bei einer Transportkostensteigerung in den letzten fünf Jahren um rund 20 Prozent, wie er schätzt. „In Skandinavien liegt seit dem Herbst letzten Jahres noch viel Sturmholz“ berichtet Schulte. „Die Skandinavier und auch norddeutsche Sägewerke können das nicht alles selbst verarbeiten.“

Also hat er sich im Internet informiert, ist nach Flensburg gefahren und hat dort bei Forstverwaltungen und -unternehmen nachgefragt. Ergebnis: Eine Lieferung von je 1600 Festmeter per Privatbahn in zwei Zügen mit jeweils 23 Waggons vom dänischen Padborg bis zum Güterbahnhof Warstein. „Das war in vier Tagen verarbeitet“ schildert Schulte den Rohstoffhunger der Unternehmen. Vier andere Betriebe aus der Region nutzen diesen Weg auch.

Kontakte auch nach Norwegen

Aber ein „Riesenaufwand“, auch kostenmäßig: Rund 35 Euro pro Festmeter allein für den Transport, schätzt der Sägewerksbesitzer. Kontakte hat Schulte auch schon zu einem Waldbesitzer in Norwegen. Aber das ist kein EU-Land und der Schiffsweg würde noch teurer. Der Bezug über Skandinavien läuft daher für Schulte aus. „Das Sturmholz wird ja nicht besser.“ Skeptisch sieht das auch Dr. Hubertus Weber vom Team Timber mit Sitz in Schmallenberg, einem Zusammenschluss regionaler Sägewerksbesitzer. „Die Menge ist begrenzt und der Transport teuer - die Wirtschaftlichkeit ist damit deutlich eingeschränkt“, sagt er. Unter dem Strich für die Sägebetriebe eher ein Minusgeschäft.

Schulte versteht die ganze Richtung nicht: „Auch der Landesbetrieb Wald und Holz NRW könnte Holz aus der Ferne beziehen und an Klausner liefern. Und wir hätten wieder die Staatswälder als Bezugsquelle. Aber das geht angeblich aus haushaltsrechlichen Bedenken nicht.“

Einkaufsposition der heimischen Betriebe geschwächt

Sorge bereitet den mittelständischen Säge-Unternehmen aus dem Sauerland nach einer Mitteilung der Initiative Holz und Arbeit NRW, dass das Holz für die aktuellen Klausner-Lieferungen unter anderem aus dem Forstamt Kurkölnisches Sauerland und aus dem Forstamtsbezirk Hochstift bei Paderborn stammt, wegen der kurzen Wege traditionelles Einkaufsgebiet der heimischen Betriebe. Schulte, der Mitglied der Initiative ist: „Unsere Einkaufsposition wird massiv geschwächt, während Großbetriebe mit ihren Überkapazitäten quasi künstlich am Leben gehalten werden.“

Eine Entspannung ist für Schulte noch lange nicht in Sicht. Ohnerhin scheint das Problem nur noch juristisch lösbar zu sein: In Düsseldorf, wo die vertrackten Verträge gemacht wurden, und in Brüssel. Die nächste Anhörung findet im August in Münster statt.