Rückkehrwilliger Flüchtling von der Bürokratie ausgebremst

Ahmad Akari (links) und Mahmoud Hbeli wollen zurück in den Libanon, sitzen aber in Hemer fest.
Ahmad Akari (links) und Mahmoud Hbeli wollen zurück in den Libanon, sitzen aber in Hemer fest.
Foto: Funke Foto Services
  • Ein Flüchtling will zurück in den Libanon.
  • Doch er kommt nur bis in die Botschaft nach Berlin und zurück nach Hemer.
  • Die Bezirksregierung lässt ihn angeblich für 780 Euro Fahrtkosten chauffieren.

Hemer.. Ahmad Akari will nach Hause. Zurück nach Tripoli im Libanon, zurück zu seiner Frau, den drei Kindern. 400 Euro soll das Flugticket kosten, hat man dem Flüchtling gesagt. Für 780 Euro hat die Bezirksregierung Akari erst einmal von Hemer in die libanesische Botschaft nach Berlin chauffieren lassen – und wieder zurück. Drei Wochen später hängt er hier noch immer fest – ohne Flugticket. Von der Bürokratie ausgebremst.

Ende des Monats werde seine Familie in Tripoli obdachlos, erzählt Akari mit aufgeregter Stimme. Mitten in einer Stadt, in der es Straßenkämpfe und Terroranschläge gibt, in der sich Sunniten und Alawiten bekämpfen. Er sorgt sich.

„Wenn jemand den Wunsch nach freiwilliger Rückkehr äußert, wird er nach Kräften unterstützt“, so Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung. Also hat man Ahmad Akarai morgens um 4.45 Uhr in Hemer losgeschickt, von den Maltesern in einem Kleinbus chauffiert. Abends um 18 Uhr kam Ahmad Akari zurück. 13 Stunden war er unterwegs; fünf Minuten dauerte das Gespräch in der Botschaft.

Ahmad Akari holt einen kleinen, orangefarbenen Notizzettel aus seinem Portemonnaie, zeigt ihn empört vor. Den hat er in der Botschaft mitbekommen. Darauf steht handschriftlich in Stichworten: vier Passfotos, elektronische Ticketnummer, dann wieder persönlich vorbeikommen. Erst mit einem gebuchten Flugticket bekomme er von seiner Botschaft den „Pass“ ausgehändigt, mit dem er dann in seinem Heimatland einreisen dürfe, erläutert Ahmad Akari.

Ein teurer Notizzettel

Ein teurer Notizzettel – für 780 Euro. Die Summe habe man für ihn ausgegeben – das habe ihm ein Mitarbeiter der Bezirksregierung nach der Fahrt erklärt. In der Pressestelle der Behörde will man auf Anfrage der Westfalenpost den Betrag auch nach zwei Tagen Nachforschens nicht bestätigen, aber auch nicht dementieren. „Das Bedarf der Nachbereitung und Klärung, dringend“, so Christoph Söbbeler. „Eine solche Größenordnung wäre mit recht zu hinterfragen.“

Hintergrund 780 Euro für eine ergebnislose Fahrt nach Berlin ausgegeben, aber kein Ticket für 400 Euro in die Heimat – das ärgert Akari sehr. Seit Mitte Dezember ist er in Deutschland. Seitdem geht es für ihn kaum voran. Etwa 3000 Kilometer hat er zurückgelegt, vom Libanon in die Türkei, von dort mit dem Boot nach Griechenland, dann über die Balkanroute. 3700 Euro hat der Fischhändler dafür an Schlepper bezahlt. In der Hoffnung auf Sicherheit und Frieden, auf Arbeit und ein gutes Leben. Doch nun, vier Monate später ist der 50-Jährige kaum weiter gekommen, lebt immer noch in einer Landeseinrichtung, hat kein Geld mehr, kann auch keines verdienen, um die Familie zu Hause zu unterstützen.

Beim DRK in Hamm, das die Rückkehrwilligen in Hemer berät, erklärt man den Fall so: Die Flugtickets für die Rückreisewilligen organisiert die Internationale Organisation für Migration (IOM). Bisher habe es genügt, wenn Flüchtlinge aus dem Libanon bei der Botschaft in Berlin eine Vorreservierung nachweisen konnten, so eine Mitarbeiterin des DRK. Dann hätten sie das Dokument für die Einreise bekommen. Nun aber, seit etwa drei Wochen, verlange die Botschaft dass der Flug bereits fest gebucht sein. Davon wusste man in Hemer offenbar nichts, als man Ahmad Akari nach Berlin schickte.

Es komme immer wieder vor, dass Anforderungen der Herkunftsländer „sehr kurzfristig“ geändert würden oder Termine, die Botschaften noch vortags bestätigten, am Tag darauf abgesagt seien, erklärt Christoph Söbbeler die vergebliche Fahrt nach Berlin.

Streit um Stornokosten

Warum aber hat Ahmad Akari noch immer kein Ticket? Die IOM will nicht für die Stornierungskosten aufkommen, falls der Flug doch nicht angetreten wird. Wer diesen Betrag stattdessen übernimmt, das war wochenlang unklar. Erst auf Nachfrage der Westfalenpost heißt es nun: „Die Stornokosten werden durch das Land getragen.“Nun also kann Ahmad Akari sein Ticket bekommen. Dann muss er wieder nach Berlin und zurück nach Hemer. Danach irgendwann zum Flughafen. Um endlich im Libanon zu landen.

 
 

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