„Region verkraftet Verdoppelung der Windräder“

Hagen/Düsseldorf..  Eine Verdoppelung der Zahl der Windräder in Südwestfalen bis 2025 hält er für verantwortbar: Jan Dobertin, Geschäftsführer des Landesverbandes Erneuerbare Energien NRW im Interview.

Haben Sie mit so viel Gegenwind in Südwestfalen gerechnet?

Jan Dobertin: So sehr wir den frühen Einsatz der Bezirksregierung Arnsberg für den Ausbau der Windenergie schätzen, teilen wir in bestimmten Punkten die Kritik am Windenergiekonzept. Neben anderen Eignungskriterien für Gebiete braucht es eine bessere Abstimmung mit den aktuellen Planungen der Kommunen. Ich hoffe, unsere Einwände werden eingearbeitet.

Können Sie den örtlich zum Teil stürmischen Protest nachvollziehen?

Für ernsthaft geäußerte Sorgen habe ich Verständnis, nicht jedoch für Panikmache und Hysterie. Teilweise spiegelt sich in den Vorbehalten aber auch die Angst vor einer neuen Technik wider, die in bestimmten Regionen Südwestfalens bisher eben noch nicht zum Einsatz gekommen ist. Hier bedarf es weiterer Aufklärung.

Welche Mindestabstände sind zu Windenergieanlagen einzuhalten?

In der Regel beträgt die Entfernung der Bebauung zu Windrädern mindestens das Dreifache ihrer Gesamthöhe. In Bayern wurde diese Grenze willkürlich auf das Zehnfache gesetzt, wodurch die Windenergie dort nahezu keinen Ausbau mehr erfahren wird.

Zerstören Windräder nicht das Landschaftsbild?

Das liegt immer im Auge des Betrachters. In vielen Regionen Deutschlands ist die Windenergie schon Teil der Kulturlandschaft. Sie ist eine Klimaschutztechnologie, die Umwelt und damit letztlich Landschaft schützt. Zudem gilt: Irgendwo muss die Energie – gerade in einer Industrieregion wie Südwestfalen – ja künftig herkommen. Außerdem wollen wir nicht auf jedem Höhenzug im Sauerland Windräder bauen.

Sondern?

Wir reden bis 2025 über eine Verdoppelung der gegenwärtig etwa 500 Anlagen in der Region Südwestfalen. Angesichts vieler bisher freier Räume halte ich das für mehr als verkraftbar. Die nur moderate Zunahme der Anlagenzahl zum Erreichen der Ausbauziele ist auch deshalb möglich, weil Windräder heute im Vergleich zur Technik vor 20 Jahren einen gut zwölffachen höheren Stromertrag leisten.

Eine Leistung, die nicht gespeichert werden kann. Hat das Sinn?

Studien zeigen, dass die Speicherung erst relevant wird, wenn der Stromanteil erneuerbarer Energien 60 bis 70 Prozent erreicht. Zwar ist Forschung heute wichtig, und die Windbranche ist hier selbst aktiv. Die Energiewende muss nicht auf die Speicher warten.

Wo steht die Windkraft in NRW ?

Derzeit werden etwa 4 % des Strombedarfs in NRW durch Windenergie gedeckt. Im Jahr 2025 wollen wir in NRW 30 Prozent des Stroms aus erneuerbarer Energie gewinnen. Etwa 2/3 davon soll die Windenergie leisten. Um das zu erreichen, müssen wir jedes Jahr gut 600 Megawatt neu installieren. 2014 waren es 300 Megawatt. Wir müssen also 100 Prozent zulegen. Für ganz NRW heißt das gut 200 neue Anlagen pro Jahr.

Warum stehen Windräder an wenig sinnvollen Stellen?

Wie bei jeder Technologieeinführung sind Fehler gemacht worden. Durch neue Standards bei Windprognosen sind das Erfahrungen aus der Vergangenheit.

Wer zahlt den Rückbau der Anlagen?

Der Rückbau ist, anders als bei den Atomkraftwerken, finanziell gesichert. Rund 5 Prozent der Gesamtinvestitionskosten werden vom Betreiber als Bürgschaft dafür hinterlegt. Das ist mehr als ausreichend.

 

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