Rätsel um den Toten von Burg Altena bleibt ungelöst

Unterhalb der Burg Altena, am Südwesthang des Parks, der die Festung umgibt, lag die Leiche des 20-Jährigen in einem Gebüsch.
Unterhalb der Burg Altena, am Südwesthang des Parks, der die Festung umgibt, lag die Leiche des 20-Jährigen in einem Gebüsch.
Foto: Carsten Menzel
Vor einem Jahr wird ein junger Mann tot unterhalb der Festung in Altena aufgefunden. Bis heute ist die Tat ungeklärt. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen jetzt eingestellt

Altena/Hagen.  Das Rätsel um den „Burg-Toten“ von Altena bleibt ungelöst: Auch ein Jahr, nachdem Recep B., ein junger Mann mit türkischen Wurzeln, unterhalb der Festung zu Tode kam, haben die Ermittler in dem Fall „keine Spur, die weiterführt“, so Oberstaatsanwalt Gerhard Pauli auf unsere Nachfrage. Aber dafür nach wie vor viele offene Fragen. Dennoch: „Die Ermittlungen sind im letzten Monat eingestellt worden“, teilt der Oberstaatsanwalt mit.

Mord oder Selbstmord?

Es war keine stumpfe Verletzung, die dem 20-Jährigen das Leben gekostet hat: Recep B. hat, vollständig bekleidet, mit aufgeschnittener Kehle in einem Gebüsch am Südwesthang unterhalb der Burg Altena gelegen. Er ist verblutet. Der Todeszeitpunkt: irgendwann in der Nacht vom 4. auf den 5. September 2015. Eine Spaziergängerin findet die Leiche am Nachmittag des 5. September – einem Samstag. Was bis heute fehlt: ein Messer oder ein scharfer Gegenstand, mit dem der Schnitt am Hals von Recep B. ausgeführt worden ist. Unklar ist für die Ermittler offenbar auch nach wie vor, ob sich Recep B. die tödlichen Verletzungen selbst beigebracht hat oder ob er ermordet wurde; die Obduktion des Leichnams bringt seinerzeit kein eindeutiges Ergebnis. Die zuständige Staatsanwältin konnte sich am Jahrestag des Vorfalls übrigens nicht äußern: „Sie ist in Urlaub“, heißt es kurz auf unsere Nachfrage aus der Hagener Behörde; die Akte sei derzeit nicht greifbar.

Spuren führen ins nichts

Die wenigen Spuren am Fundort der Leiche haben den Ermittler offenbar keine Erkenntnisse geliefert, die zur Klärung des Falls beitragen. Obwohl die Polizei mit einer Hundertschaft anrückte und das Gelände mehrfach weiträumig absuchte. So halten es die Ermittler für möglich, dass ein Spaziergänger oder Wanderer ein Messer oder Schneidewerkzeug gefunden und mitgenommen haben könnte, bevor die Leiche überhaupt entdeckt worden war. Allerdings hat sich auch niemand nach den öffentlichen Aufrufen der Polizei gemeldet. Und heftige Regenfälle in den Stunden und Tagen nach der Tat haben am Fundort der Leiche viel verwässert.

Der unbekannte Begleiter

Nicht weiter hat die Ermittler die Auswertung der Daten aus dem Handy des Toten gebracht. Auch ein Fahndungsplakat in deutscher und türkischer Sprache hat offenbar keinen verwertbaren Hinweis ergeben. Die Polizei interessiert bis heute, wer der letzte Begleiter von Recep B. war: Der junge Mann soll am Freitagabend gegen 22 Uhr auf dem Rundweg um die Burg Altena zusammen mit einer männlichen Person gesehen worden sein. Die weitläufige, parkähnliche Anlage um den Burgberg mit ihren Wegen ist beliebt: bei Jugendlichen, die sich dort abseits der Blicke von Erwachsenen treffen, bei Hundebesitzern, die ihre Vierbeiner ausführen – und auch bei Pärchen, die Abgeschiedenheit suchen. Der unbekannte Begleiter von Recep B. soll einen Pulli oder eine Kapuzenjacke mit einem auffälligen kleinkarierten Muster getragen haben. Seine Identität ist bis heute ungeklärt.

Keine große Hilfe

Was verwundert: Die Familie des Getöteten ist, anders als es zu erwarten wäre, den Ermittlern bei ihrer Aufklärungsarbeit wohl keine große Hilfe – heißt es hinter vorgehaltener Hand. Was schnell, auch in Ermittlerkreisen, viel Raum für Interpretationen lässt. Recep B. setzte sich mit seinem westlichen Stil und aufgeschlossenen Lebenswandel erkennbar gegen die Konventionen einer strengen, muslimischen Welt ab. Ob das ein Motiv abgibt, lässt sich offenbar nicht beweisen.

Die Rätsel um den Toten an der Burg Altena bleiben. Wie es aussieht: für immer.

 
 

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