Radfahrer mit Tunnelblick

Das historische Foto zeigt die Einweihungsfeier auf der Pernzer Seite am 11. Februar 1903. Foto: Archiv Felix Stahlhacke.
Das historische Foto zeigt die Einweihungsfeier auf der Pernzer Seite am 11. Februar 1903. Foto: Archiv Felix Stahlhacke.
Foto: Stahlhacke

Drolshagen.. Ein Unikum erwacht aus dem Dornröschenschlaf. Der historische Eisenbahntunnel, der zwischen Drolshagen und Bergneustadt das Sauerland mit dem Rheinland verbindet, wird am 28. April neu eröffnet.

Ein Einzelstück ist der Wegeringhauser Tunnel, der im Jahre 1903 für den Bahnverkehr zwischen Südwestfalen und Köln freigegeben wurde, in vielerlei Hinsicht: Er ist überschreitet Grenzen, er verbindet Völker, er ist Rekordhalter, er ist Zufluchtsort, er dient Mensch und Tier, er ist ein Grund zum Feiern.

Schon bei ihrer Fertigstellung hatte die 724 Meter lange Röhre, die die Wasserscheide zwischen Bigge und Agger 50 Meter unter der Erde der Ortschaft Wegeringhausen über- bzw. unterwindet, den Kostenrahmen gesprengt. Statt der geplanten Baukosten von 753 000 Reichsmark, verschlang der Tunnel mehr als eine Million Reichsmark.

Dabei hatte die deutsche Baufirma seinerzeit eigens italienische Mineure ins Sauerland geholt, die 15 000 Kubikmeter Gestein aus dem Berg holten, um die unterirdische Verbindung zu realisieren. Einige italienische Wanderarbeiter entdeckten ihre Liebe zu und in Südwestfalen. Ihre Nachfahren, viele tragen den Namen Tomasetti, können sich nach mehr als 100 Jahren mit Fug und Recht als Alteingesessene bezeichnen.

1979 rollte der letzte offizielle Zug von Hützemert nach Bergneustadt. Neun Jahre nach der Stilllegung wurde das Kapitel Zugverkehr im Wegeringerhauser Tunnel endgültig mit einer Sonderfahrt vom Rose- ins Dörspetal abgeschlossen. Dann fiel die Unterführung in einen Tiefschlaf. Lediglich jugendliche Sprayer und seltene Fledermäuse entdeckten das feuchten Grotten-Biotop für sich. Bis zum Jahre 2010. Da kamen Mitarbeiter der Drolshagen-Marketing und der Stadt Drolshagen auf die Idee, den ehemaligen Eisenbahntunnel für Radfahrer zu reaktivieren. Gesagt, getan. Mit viel Aufwand, noch mehr Geld – dieses Mal fast eine Million Euro – und viel Liebe zum Detail wurde die ruhende Röhre saniert.

Im Winter gehört der Tunnel den Fledermäusen

Auf dem Gleisschotter entstand zusätzlich ein 2,20 Meter Asphaltradweg – übrigens der längste Radweg Deutschlands durch einen Tunnel. Die Fledermäuse erhielten spezielle Ein- und Ausfluglöcher und mehrere Nistkästen, in denen sie vom 1. November bis Ende April ungestört überwintern können. In diesen sechs Monaten ist der Wegeringhauser Tunnel für die Öffentlichkeit komplett gesperrt. Erst wenn Fachleute festgestellt haben, dass die Winterruhe der Hautflügler beendet ist, wird der attraktive Radweg durch den Berg freigegeben.

Und so können die Pedaleure in diesem Jahr zum ersten Mal vom Bergischen Panorama-Radweg durch die beleuchtete Röhre auf den Ruhr-Sieg-Radweg fahren und gleichzeitig die Verbindung zum Ruhrtalradweg nutzen. Für die Dorfgemeinschaften Hützemert und Wegeringhausen ein Grund, am 28. April den reaktivierten Durchstich zu feiern. Nähere Infos gibt es dazu unter www.drolshagen-marketing.de im Internet.

 
 

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