Poesie mit harten Stahlsaiten - CD-Debüt von Dirk Mündelein

Dirk Mündelein, Komponist und Gitarrist aus Olsberg.
Dirk Mündelein, Komponist und Gitarrist aus Olsberg.
Foto: Sprenger
Ein Selbstdarsteller ist Dirk Mündelein sicher nicht. Auf die Idee ein eigenes Album zu entwickeln, brachte ihn erst der Bayerische Rundfunk. Dabei füllt er mit seinem Solo-Debüt "lost words: Obsolete" eine Martklücke. Solo-Alben für die E-Gitarre finden nicht oft ihren Weg in die Läden.

Brilon/Olsberg.. Manchmal fetzen ihm die Saiten die Fingernägel weg. Und das gerade ihm, der doch mit dem Instrument verwachsen zu sein scheint. Aber wer Musik richtig gut machen will, für den ist sie immer und immer wieder „Gongfu“. Das ist chinesisch und heißt „harte, geduldige Arbeit“.

So ein künstlerischer Malocher auf den dünnen Stahl-Strängen ist Dirk Mündelein. Der 43-jährige, gebürtige Olsberger ist ein absoluter Ausnahmegitarrist, der sich und seine Grenzen ständig neu auslotet. Musikalisch hat er sich und nahezu alles ausprobiert. Seine jetzt frisch erschienene Solo-Debüt-CD „Lost words: Obsolete“ ist ein poetisches, lautmalerisches Album. Musik, die man nicht so nebenbei hört. Musik, die meditative, aber auch stark experimentelle Züge hat. Musik, die mitunter vertraute Klänge aufnimmt und sie dann in anderen Harmoniesphären neu interpretiert.

Solo-Album für E-Gitarre ist weitgehend unbegrastes Feld

Dirk Mündelein hat zwei Leben: ein künstlerisches und ein sportliches. Er ist Musiker und betreibt eine Kampfsportschule in Brilon. Schon mit 17 Jahren gewinnt er als bester Solist den „Jugend-jazzt-Wettbewerb“. Mit 19 bekommt er einen von zwei Studienplätzen für Jazzgitarre in Köln. 80 Leute hatten sich darum beworben. Er schließt mit Bestnote ab.

Und immer wieder spielt er mit verschiedenen Künstlern. Mit dem Trio „Ugly Culture“ widmet er sich der Neuen Musik von Stockhausen und Cage. „Sich mit dieser Musik zu beschäftigen, ist ein forschender Ansatz. Ich weiß, dass diese Stücke dem Zuhörer einiges abverlangen. Aber zu sehen, wie der Künstler sich damit auseinandersetzt, sich darauf einzulassen – das kann sehr spannend sein“, sagt Mündelein, der sich solchen Werken nahezu endoskopisch nähert.

Der Olsberger ist kein Selbstdarsteller. Deshalb mussten ihn Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks, wo er oft als Gastmusiker gebucht wird, quasi auf die Idee zu einer eigenen CD stoßen.

„Ein Solo-Album für E-Gitarre ist eigentlich sehr selten. Das ist wieder ein weitgehend unbegrastes Feld, das mich gereizt hat. Ich spiele ausschließlich eigene Stücke und habe dabei viel ausprobiert, um andere Klangwelten zu erkunden“, sagt der 43-Jährige, der dem elektrischen Instrument mit Folk- und Country-Fingerpicking erstaunliche Töne abverlangt. „Viele spielen die harten Stahlsaiten mit einem Plektron, aber ich muss den Klang über die Hände finden.“ Das sorgt dann musikalisch für den eigenen Fingerabdruck. Und dass dabei schon mal die Nagelfetzen fliegen – Künstlerpech!

Infos: www.dirk-muendelein.de

Die CD „Lost words: Obsolete“, Erscheinungsdatum: März, Label11 monad series.

 
 

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