Peinliches Fiasko sorgt für Unmut

Hagen..  Eine Shopping-Mall wird zur Flopping-Mall: Die von einer aufwändig inszenierten Marketing-Kampagne begleitete Eröffnung der Rathaus-Galerie in Hagen entwickelte sich in der Nacht zum Dienstag zum peinlichen Fiasko. Erst in der Geisterstunde entschieden die Verantwortlichen der städtischen Bauordnung sowie die Experten der Berufsfeuerwehr gemeinsam mit dem Projektentwickler GEDO und dem Center-Betreiber Koprian IQ aufgrund erheblicher Brandschutzmängel, die Notbremse zu ziehen. Lediglich der Saturn-Elektromarkt durfte sich ab 6 Uhr in der Frühe dem Ansturm der Kunden stellen. Nur dort sowie auf den Flanierachsen funktionierte die Sicherheitstechnik einwandfrei. Wann die übrigen Shops eröffnen, steht noch in den Sternen. Pikant dabei: Bis vor zwei Wochen zeichnete mit der Firma „Imtech“ für die Brandschutzanlage ausgerechnet jene Gebäudetechnikfirma verantwortlich, die zuletzt mit dem Bau-Debakel rund um den Berliner Flughafen in die Schlagzeilen geriet.

Imageschaden für die Stadt

Oberbürgermeister Erik O. Schulz machte gestern gemeinsam mit Baudezernent Thomas Grothe deutlich, dass der Stadt Hagen nach einer letzten, mehr als dreistündigen Krisensitzung erst nach Mitternacht gar keine andere Möglichkeit mehr geblieben wäre, als diese unpopuläre Entscheidung zu treffen: „Die Risiken waren einfach nicht vertretbar. Man kann Menschen kein entspanntes Einkaufserlebnis bieten, wenn die Funktionalitäten der Brandmeldeanlage nicht alle erfüllt sind.“ Wohl wissend um das negative mediale Echo für die gesamte Stadt, sprach Schulz von einer „bitteren Entscheidung“. Doch spätestens seit den Ereignissen rund um die Duisburger Loveparade sowie den Düsseldorfer Flughafen-Brand stehe die Sicherheit der Menschen an oberster Stelle.

Seit dem 30. September prüften die Profis der Feuerwehr sowie der Bauordnung gemeinsam mit Vertretern des TÜV und dem Brandschutzgutachter des Bauherren GEDO die Brandschutztechnik der 22 000 Quadratmeter großen Einkaufsgalerie mit ihren 70 Ladenlokalen. „Dabei staute sich eine Mängelliste im Bereich der ­Feuerschutz- und Lüftungstechnik mit etwa 800 Einzelpunkten auf“, berichtete gestern Baudezernent Grothe. Das Spektrum reiche von eher unwesentlichen, weniger ­dringenden Kleinigkeiten bis hin zu gravierenden Defiziten, die bis zuletzt nicht abgestellt werden konnten. Als das letzte Ultimatum seitens der Stadt am ­Montagvormittag um 11 Uhr verstrich, waren die elektronischen Sensoren der digital gesteuerten Brandmeldeanlage noch immer nicht ordnungsgemäß in Betrieb, Alarmsignale erreichten nicht die Leitstelle der Feuerwehr, nur jeder zweite stationäre Brandmelder funktionierte und auch die Lautsprecheranlage blieb in sämtlichen Shops stumm. „An manchen Stellen sind die ­Boxen vorhanden, aber keine Kabel drin“, machte Grothe deutlich, dass beim Wechsel der Gebäudetechnik-Verantwortlichen auf der Zielgeraden offenkundig Unterlagen zu spät übergeben worden seien. Eine Gemengelage an ­Problemen, die letztlich in den frühen Morgenstunden des gestrigen Eröffnungstages ins Desaster mündeten.

Imtech wollte Projekt beenden

„Wir haben es sehr bedauert, dass wir das Projekt nicht zu Ende führen konnten“, bestätigte gestern Harald Prokosch, Leiter der Imtech-Unternehmenskommunikation, dass die GEDO als Bauherr den Vertrag mit seiner Firma erst zwei Wochen vor der Eröffnung gekündigt habe. Hintergrund waren erhebliche Zweifel des Bauherrn, dass Imtech die Brandschutzanlage qualitativ und termingerecht fertigstellen könne. Zuletzt sei das Handwerker-Team, so der Imtech-Sprecher, sogar von 30 auf 60 Köpfe aufgestockt worden, 20 weitere Kräfte habe der Bauherr noch bereitgestellt. Allerdings habe es auch Behinderungen bei der Informationsvermittlung seitens der GEDO gegeben. Den Rest werden vermutlich die Juristen klären.

GEDO-Geschäftsführer André Haase machte gestern noch einmal ausdrücklich deutlich, dass seine Unternehmensgruppe bis zuletzt an den Eröffnungstermin geglaubt und keineswegs zu hoch gepokert habe: „Wir sind Kaufleute und keine Glücksspieler“, verwies der Verantwortliche auf die Werbekampagne, die auf den Start am 14. Oktober ausgerichtet gewesen sei. Doch bis auf Weiteres gilt: nur gucken, aber nicht anfassen.


 
 

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