Osthaus-Museum in Hagen zeigt Briefe von Renoir und Nolde

"Der brave Ohm Rohlfs": 500 Künstlerbriefe und andere Dokumente aus dem Nachlass von Gertrud und Karl Ernst Osthaus sind jetzt im Osthaus-Museum Hagen.
"Der brave Ohm Rohlfs": 500 Künstlerbriefe und andere Dokumente aus dem Nachlass von Gertrud und Karl Ernst Osthaus sind jetzt im Osthaus-Museum Hagen.
Foto: Michael Kleinrensing
500 Künstlerbriefe und andere Dokumente aus dem Nachlass von Gertrud und Karl Ernst Osthaus sind jetzt im Osthaus-Museum Hagen. Die Liste der Briefschreiber liest sich wie ein 'Wer ist Wer' der klassischen Moderne.

Hagen.. Der Schatz ist in einem unscheinbaren Umzugskarton nach Hagen gekommen. „Nehmen Sie noch meinen Dank für das Glück der Stunden auf Hohenhof“, schreibt „Ihr ganz ergebener Schmidt-Rottluff“ an die „sehr verehrte gnädige Frau“ Gertrud Osthaus.

Über 500 Briefe und Dokumente aus dem Nachlass von Manfred Osthaus konnte das Hagener Osthaus-Museum jetzt erwerben. Die Kaufsumme von 65.000 Euro wurde von der Kulturstiftung der Länder, der Hagener Henry van de Velde-Gesellschaft, dem Osthaus-Bund und den Freunden des Osthaus-Museums finanziert. Internationale Wissenschaftler, die über Renoir oder Nolde forschen, haben künftig noch mehr Grund, ihre Quellen in Hagen zu suchen.

Künstlerbriefe aus zwei Jahrzehnten

Im Archiv befinden sich Künstlerbriefe an Gertrud Osthaus und an Karl Ernst Osthaus aus den Jahren 1899 bis 1920. Die Namen lesen sich wie das Wer ist Wer der heute unbezahlbaren Klassiker der Moderne. Auch die Privatkorrespondenz des Ehepaars ist enthalten. Sie wird nicht der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, da die Briefe zu persönlich sind. „Das war der Wunsch von Manfred Osthaus“, so Dr. Birgit Schulte.

Die stellvertretende Museumsdirektorin hat dem Osthaus-Enkel auf dem Sterbebett versprechen müssen, dass Hagen „Himmel und Hölle in Bewegung setzt“, den Nachlass zu übernehmen.

„Es wäre eine Katastrophe, wenn uns das entgangen wäre“, betont Eva Rapp-Frick, die Vorsitzende des Osthaus-Bundes. „Die Fokussierung des Interesses an der Moderne wird in den nächsten Jahren noch stärker auf Hagen liegen.“ Hildegund Kingreen von der Henry van de Velde-Gesellschaft war eine der treibenden Kräfte hinter dem Ankauf: „Manfred Osthaus hat immer gesagt, dass Gertrud Osthaus in ihrer Bedeutung unterschätzt wird.“

"Liebe Mauz" - Renoir, Rohlfs und Kirchner lassen grüßen

Tatsächlich wirft das Archiv ein ganz neues Licht auf die Rolle der Ehefrau des berühmten Folkwang-Begründers. Erste Stichproben zeigen, dass sie den persönlichen Kontakt mit den so bekannten Künstlern pflegte. Renoir zum Beispiel schreibt ihr, um einen Termin für eine Porträt-Sitzung zu verabreden. Dieses Bildnis hängt jetzt im Museum Folkwang in Essen. Christian Rohlfs hatte ein inniges Verhältnis zu ihr: „Liebe Mauz/ Viele herzliche Grüße zum Geburtstage/ der brave Ohm Rohlfs“ sendet der Maler am 10. Februar 1911 aus München – und zeichnet ein Männlein, das Blumen überreicht.

Ernst Ludwig Kirchner teilt aus Königstein mit, „die Wandbilder sind fast fertig“. Die Recherche ergibt, dass Kirchner den Entwurf für ein Basaltrelief an einem der Hagener Lauweriks-Häuser erstellen sollte. Und Oskar Kokoschka bittet Osthaus ganz unverhohlen um den Ankauf des Bildes „Die Windsbraut“, das der Sammler dann wirklich erwarb.

"Bedeutend für die Kulturgeschichte"

Eine Auswertung des Archivs verspricht bedeutende Informationen über die Kunstszene zum Beginn des 20. Jahrhunderts, über Gemälde, Ausstellungen, Projekte und Beziehungen. Zunächst werden die Autographe konservatorisch gesichert, dann inhaltlich erfasst. „Wenn wir wissen, was wir haben, kann es öffentlich zugänglich gemacht werden“, erläutert Birgit Schulte.

Die Universität Dortmund zeigt Interesse an der wissenschaftlichen Aufarbeitung. „Ich halte es für eine große Chance für das Osthaus-Museum, dass diese Archivalien hierherkommen“, freut sich Dr. Britta Kaiser-Schuster von der Kulturstiftung der Länder. Hagens Kulturdezernent Thomas Huyeng ist sicher: „Der Ankauf ist bedeutend für die Kulturgeschichte“.

Das Hagener Museum betreut bereits das Karl-Ernst-Osthaus-Archiv mit rund 100.000 Autographen und Dokumenten. Der Nachlass von Manfred Osthaus ist eine mehr als willkommene Ergänzung dazu - schon allein, um Kirchners Brief aus dem Sanatorium in Königstein lesen zu können: „Ich muss arbeiten, alles andere hilft nichts.“

 

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