Orientierung an den Weltmarktpreisen

Am 20.12.2012 sitzen Geschäftsführer Georg Guntermann (rechts) und der Produktionsleiter des Schieferbergwerkes Magog in Bad Fredeburg, Michael Menn, an einer Abraumhalde der Firma. Magog ist eine der letzten deutschen Schieferbergwerke.
Am 20.12.2012 sitzen Geschäftsführer Georg Guntermann (rechts) und der Produktionsleiter des Schieferbergwerkes Magog in Bad Fredeburg, Michael Menn, an einer Abraumhalde der Firma. Magog ist eine der letzten deutschen Schieferbergwerke.
Foto: WAZ FotoPool
Es gibt in Westfalen nur noch wenige Schiefergruben. In Bad Fredeburg sorgt das Unternehmen Magog für den Nachschub des begehrten Naturprodukts.

Bad Fredeburg..  Wer die Augen schließt und darüber nachdenkt, was die Regionen Südwestfalens verbindet, dem könnte Schiefer einfallen: Schiefer auf Dächern und an Fassaden. Kein Wunder, denn dieses Naturprodukt ist hier zu Hause. Aber es wird nur noch von einem einzigen Unternehmen abgebaut. Die Schiefergrube Magog in Bad Fredeburg vereint einige Alleinstellungsmerkmale auf sich, wie Geschäftsführer Georg Guntermann (50) betont: Das letzte Schieferbergbau-Unternehmen in NRW, einer der drei letzten Schieferproduzenten in Deutschland, einziges Bergbauunternehmen im Hochsauerlandkreis - als letztes von einst mehr als 100 Betrieben zwischen Ruhr und Lenne. Und dabei auch noch profitabel.

Wie überlebt man in High-Tech-Zeiten mit einem Naturprodukt? Wie aus der Pistole geschossen zählt Georg Guntermann die Standortvorteile auf: Mit acht Quadratkilometer Fläche unter der Erde hat Magog - benannt nach einem der Söhne Noahs - die größte Lagerstätte in Deutschland. In den mehr als 160 Jahren seit der Gründung des Unternehmens 1851 wurde erst eine Fläche von einem Kilometer Länge, 80 Meter Breite und 200 Meter Tiefe abgebaut. Damals war ein Bierbrauer aus der Gegend auf der Suche nach einem Felsenkeller und stieß auf Schiefer. „Da ist noch über Jahrzehnte zu tun“, sagt Guntermann, der mit 25 Prozent der Anteile auch zu den Gesellschaftern zählt. Weitere 25 Prozent hält übrigens Harald Korte, Hagener Unternehmer und ehemaliger Präsident der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer. Und: Das Schiefervorkommen liegt kompakt im Gebirge - „nicht hier und da mal ein Nest“, fügt er hinzu.

Vor allem hat die Schiefergrube Magog unter Guntermanns Leitung - unterstützt wird der Betriebswirt von dem aus dem Rheinland stammenden Betriebsleiter und Bergbauingenieur Michael Menn (53) - früh angefangen zu modernisieren, auch unter Tage. Schwere Radlader haben die Schienen zum Transport des Schiefers ersetzt, gesägt wird mit Robotereinsatz, der auch über Tage beim Spalten und Zurichten zum Einsatz kommt. Infolge der Technisierung beschäftigt Magog noch 30 Mitarbeiter - davon nur vier unter Tage. Heraus kommen 32 mal 62 Zentimeter große Platten, die dann etwa der Dachdecker-Einkauf oder der Fachhandel für Dach und Fassade abnimmt. Dickere Stücke finden auch Verwendung als Bodenbeläge oder im Bad bei Bauherren, die Wert auf Stil legen. „Wir können sehr günstig abbauen“, berichtet Guntermann, „und dadurch kommen wir auch immer mehr an die Weltmarktpreise heran.“

Schlechte Qualität aus Spanien

Maßstab ist hier Spanien, das jedoch nach Guntermanns Worten eher schlechte Qualitäten liefert. Schiefer könnte als Baustoff in Deutschland noch viel weiter verbreitet sein, wenn nicht Österreicher in den 60er Jahren Kunstschiefer entdeckt hätten. „Eternit hat Schiefer fast verdrängt“, bedauert Guntermann. Unter anderem auch deshalb, so jedenfalls ein Branchen-gerücht, weil so mancher Dachdecker Eternit viel günstiger einkaufen konnte als Schiefer, es aber zum gleichen Preis an die Endkunden weiterverkaufte. „Seit der Asbest-Diskussion in den 80er Jahren ist Eternit rückläufig“, so der Geschäftsführer. Nur: Was dort an Marktanteilen verloren ging, haben nicht deutsche Schieferproduzenten bekommen, sondern spanische.

Der Trend geht zu Schwarzweiß

Im Absatz scheint noch Luft nach oben zu sein - der Marktanteil von Schiefer auf geneigten Dächern beträgt nur vier Prozent, und auch an Fassaden scheint er ausbaubar. „Eine Schieferfassade kostet mit 50 bis 100 Euro pro Quadratmeter natürlich mehr als eine aus Putz“, erläutert Guntermann. „Aber denken Sie an die Langlebigkeit!“ Schiefer gilt als sehr nachhaltiger Baustoff.

Und im Innenausbau zu den edelsten. Guntermann: „Der Trend geht zu Schwarzweiß. Da ist Schiefer mit dabei. Das passt ideal.“

 
 

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