Olper Junge schlägt Poker-Weltmeister Pius Heinz

Die Organisatoren Alexander Hufnagel (li.) Tobias Walkenbach (2.v.li.) und Ralf Naporra (re.) mit Pokerweltmeister Pius Heinz (3.v.re.) und den Pokerprofis Jan Heitmann (2.v.re.) und George Danzer (3.v.li.). Foto: Thomas Nitsche
Die Organisatoren Alexander Hufnagel (li.) Tobias Walkenbach (2.v.li.) und Ralf Naporra (re.) mit Pokerweltmeister Pius Heinz (3.v.re.) und den Pokerprofis Jan Heitmann (2.v.re.) und George Danzer (3.v.li.). Foto: Thomas Nitsche
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Tauben sind im Pokerjargon Amateure. Typen mit mehr Geld als Verstand, die sich auf ihr Glück verlassen. Profis wie der amtierende Weltmeister Pius Heinz mögen solche Tauben - von ihnen leben sie. Und wenn sie mal auf eine stoßen, hinterlassen sie einen mit Federn übersäten schwarzen Filz.

Lennestadt.. Beim 1. Charity Poker Turnier in Lennestadt-Altenhundem fiel die (große) Taubenjagd aus.

Las Vegas, Lennestadt-Altenhundem, Monaco. So lauten die Stationen des ersten deutschen Poker-Weltmeisters Pius Heinz. Mit seiner Teilnahme beim 1. Charity Turnier am Samstag in der Sauerlandhalle ist den Organisatoren Ralf Naporra, Alexander Hufnagel und Tobias Walkenbach ein Clou gelungen. Einer, der mehr als 4000 Euro in die Kasse spülte. Der komplette Reinerlös geht an die Kinderkrebshilfe „Strahlemännchen“ und an den Olper Verein „Frauen helfen Frauen“.

Pius Heinz kam per Flieger aus seinem neuen Wohnort Wien über Köln/Bonn nach L.A. - nach Lennestadt-Altenhundem. In Las Vegas, so gesteht der gebürtige ­Rheinländer, sei die Atmosphäre „etwas anders gewesen“. Er sei gekommen, um Gutes zu tun.

Bescheiden gibt sich das 23-jährige Poker-As und nimmt sich Zeit für seine Fans, schreibt Autogramme im Blitzlichtgewitter, gibt Tipps. Ein Star zum Anfassen, der weiß, dass ihn an diesem Tag alle schlagen wollen. „Es sind immer wieder 52 Karten im Spiel, jeder hat die gleiche Chance“, sagt er.

„Schnell, sonst ist er wieder weg“, ist in der Halle oft zu hören. Mann und Frau wollen Pius Heinz, diese lebende ­Legende kurz berühren. Eine ­Legende, die im vergangenen Jahr bei den World Series in Las Vergas zwei Wochen lang jeden Tag 14 Stunden „einer guten Hand“ nachjagte und 8,7 Millionen Dollar absahnte.

Ein guter Stundenlohn

„Viel Mühe, aber ein guter Stundenlohn“, fasst es Volker Becker (49) aus Kreuztal zusammen. Becker ist einer von 300 Spielern, die in der Sauerlandhalle ihr Glück in der Poker-Variante Texas hold’em versuchen und 15 Euro Startgeld gezahlt haben. Ihn faszinieren die hohen Anforderungen: „Kombinationsgabe, ­Ausdauer und Zähigkeit spielen eine große Rolle.“ Man brauche starke Nerven, um „die Kontrahenten über den Tisch zu ziehen“. Dabei dürfe man niemals die ­Gewinnchancen aus den Augen verlieren.

16 Stunden inklusive Pausen dauert das bestens organisierte Pokerturnier. Von den Fußballerinnen des VfL Heinsberg, den Profi-Dealern aus ganz NRW, die ohne einen Cent zu erhalten, Karten verteilen, über heimische Sponsoren bis hin zu Herbert Zimmermann, dem Hausmeister der Sauerlandhalle, sorgen alle für einen reibungslosen Ablauf.

Auch an diesem Tag ist Pokern Männersache. Diejenigen Frauen, die sich an die Tische wagen, erfahren sehr schnell, dass das Wort „Gentleman“ beim Pokern fehl am Platz ist. So ergeht es auch Sandra Langemann (30) aus Lüdenscheid. Die Bankkauffrau wird von einem Anfänger, dem sie in der ersten Runde (Heat) mit Ratschlägen am Leben gehalten hat, beim Showdown aus dem Turnier geworfen. As schlägt Dame. Entschuldigung!

Das Streumaß der Statistik

Die Zuschauer haben nur Augen für die Poker-Profis. Für Pius Heinz, den Lokalmatador Jan Heitmann aus Heggen und George Danzer. Heitmann hält sich noch am längsten am Tisch und erreicht im Finale Rang 10. Danzer verabschiedet sich als 82. Beide sind zwei von ca. 700 Profis, die in Deutschland vom Poker-Spiel leben. Und beide hören es nicht gern, wenn man bei solch einem Turnier über Glück spricht. „Ich rede da ­lieber von Varianzen“, bringt es Danzer auf den Punkt.

Pius Heinz und das „Streumaß in der Statistik“ finden an diesem Abend nicht zusammen. Gegen 22.30 Uhr tritt der Weltmeister auf Rang 58 seine Heimreise an.

Bis zuletzt beobachten Vermummte, die Baseballkappen tief ins Gesicht gezogen, die letzten Verbliebenen, die ihre Chips in ihren Händen wiegen. Darunter auch Hochleistungszocker, die sich zu später Stunde so präsentieren als hätte Mutter Natur Pokergesichter gestaltet. Gesichter, die aussehen als hätte man einen Damenstrumpf darüber gezogen, mit einem vom flackernden Neonlicht gummiartig-grauen Teint.

Am längsten klebte Mark Mühlhaus aus Olpe auf seinem Stuhl und entschied das letzte Duell für sich. Mit einem Flachbildschirm und Wanderpokal konnte er um 2.30 Uhr die Halle verlassen.

Sprachforscher streiten sich übrigens bis heute über den Ursprung des Wortes Poker: Für die einen ist es auf den mittelalterlichen Begriff Hokuspokus zurückzuführen, für die anderen stammt es vom im Barock gebräuchlichen Wort pochen ab, das die Bedeutung des heutigen Wortes prahlen hatte. Pius Heinz mag weder den einen, noch den anderen Begriff. Für den Weltmeister ist Poker harte Arbeit. Vor allem seit sich - wie in Altenhundem - immer weniger Tauben auf Turniere verirren.

 
 

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