Ohne Treibstoff dem Tod geweiht

Fünf Menschen sterben beim Absturz der Piper auf die Ruhrwiesen bei  Fröndenberg
Fünf Menschen sterben beim Absturz der Piper auf die Ruhrwiesen bei Fröndenberg
Foto: Andreas Dunker
  • Abschlussbericht zum Absturz der Piper bei Fröndenberg im August 2013 vorgelegt
  • Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung listet Fehler des Piloten auf
  • Maschine war mit zu wenig Kraftstoff unterwegs

Fröndenberg/Arnsberg..  Ein Drama. Ein Arnsberger Unternehmer verliert seine Frau (34), seine Mutter (72), seinen Sohn (5), seinen Neffen (15). Eine Tochter (16 Monate) und ein Sohn (4) überleben schwer verletzt wie eine Nichte (7). Treibstoffmangel führt zum Absturz der einmotorigen Piper am 27. August 2013 um 16.57 Uhr auf den Ruhrwiesen bei Fröndenberg. Das geht aus dem Abschlussbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hervor. Der Leiter der Untersuchung, Jens Friedemann, listet auf 34 Seiten zahllose Fehler des 59-jährigen Piloten aus Neheim auf. Auch dieser kommt bei dem Absturz ums Leben.

Die Fehler

Die Ermittler schreiben ohne Wertung. Sie listen seine Fehler auf. Und diese lesen sich wie ein Katalog der Verantwortungslosigkeiten. An erster Stelle: zu wenig Treibstoff. Tödlich in der Luft. „Der Pilot“, sagt Friedemann im Gespräch mit der WESTFALENPOST, „hat für die Gesamtstrecke zu wenig Kraftstoff eingeplant.“ Der 50-Jährige spricht von einem ungewöhnlichen Unfall in der Luftfahrt. „Autofahrer, die ohne Sprit liegen bleiben, gibt es ja reichlich“. Auch habe der Pilot den Verbrauch während des Fluges unzureichend überwacht. Zudem habe er nach dem Triebwerksausfall, „trotz geeigneter Notlandegelände“, versucht, den Flughafen in Arnsberg-Menden zu erreichen. Das Ziel befindet sich bereits in Sichtweite. Nicht zuletzt unterschätzt der Pilot die Pappeln auf der Ruhrwiese, die sich in 35 Meter Höhe als Hindernisse vor der Maschine aufbauen. Seine Fluglizenz, erstmals ausgestellt im Mai 2007 ist in Ordnung. Auch wird ihm wenige Wochen vor der Katastrophe das medizinische Tauglichkeitszeugnis Klasse 1 attestiert. Er ist aber nicht berechtigt, gegen Entgelt Flüge mit mehr als fünf Passagieren durchzuführen.

Die Flugroute

Der Unglückstag fängt ohne Probleme an. Um 13 Uhr hebt die Maschine, Baujahr 1981, in Dortmund ab, landet um 13.07 Uhr in Menden-Arnsberg und startet um 14.04 Uhr Richtung Langeoog. Die sieben Familienmitglieder steigen zu und fliegen um 15.54 Uhr Richtung Heimat. Flugzeit etwa eine Stunde. Um 16:52:14 Uhr meldet sich der Pilot auf der Arnsberger Frequenz. Er teilt mit, sich „drei Minuten nördlich des Platzes“ zu befinden. Laut Aufzeichnungen des GPS befindet sich die Piper über Hamm-Rhynern. Noch fünfeinhalb Kilometer entfernt vom Ziel entfernt, ist die Maschine im Sinkflug unterwegs. Wenig später nehmen Zeugen am Boden erste Motoraussetzer war.

Der Funkkontakt

Um 16:56:07 Uhr meldet der Pilot: „...im linken Queranflug mit Motorproblemen.“ Der Flugleiter:

„Wo bist du?“ Der Pilot um 16:56:16 Uhr: „Querab ah von ah Wicked“. Der Flugleiter: „Kannst du direkt rein?“. Keine Antwort. 30 Sekunden später fragt der Flugleiter erneut über Funk nach. Wieder keine Antwort. Um 16:56:07 Uhr wird 3,7 Kilometer westlich des Flugplatzes das letzte Radarziel in einer Höhe von 243 Meter aufgezeichnet. Wenig später prallt die Maschine auf die Wiese, liegt zerstört auf dem Rücken. In den Tanks und den Zuleitungen finden die Ermittler keinen Tropfen Kraftstoff.

Die Folgen

Die Familie der beim Unglück gestorbenen Opfer hat den Sohn des Piloten verklagt. Die Bestattungskosten hat dieser damals nach einer gerichtlichen Klärung übernommen. Zu Vergleichen ist es bei den Schmerzensgeldforderungen von 15 000 Euro für die überlebenden und 10 000 Euro für die toten Passagiere gekommen.

Ausgenommen davon ist die jüngste Tochter, die mit körperlichen Einschränkungen leben muss. Ihr Verfahren ist bis zu Vorlage dieses Abschlussberichtes zurückgestellt worden und soll jetzt wieder aufgenommen werden. Die Familie der Opfer hatte dem Piloten immer Fehler unterstellt. „Die Ergebnisse sind für uns nicht neu. Wir sehen da viele vermeidbare Nachlässigkeiten“, sagt ihr Anwalt Wolfgang Lürbke, „für die am Ende fünf Menschen unnötig sterben mussten.“

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