Nach Skeleton-Aus will Sandro Stielicke Bob-Pilot werden

Der Blick geht ab jetzt nach vorne: Sandro Stielicke.
Der Blick geht ab jetzt nach vorne: Sandro Stielicke.
Foto: WR
Er war einer der besten deutschen Skeleton-Sportler - bis ihn Verletzungen stoppten. Weil die Bundestrainer Sandro Stielicke nicht für den Weltcup nominieren werden, beendet der 26-Jährige vom BSC Winterberg seine Skeleton-Karriere und schult um: Er will Bob-Pilot werden.

Winterberg..  Mit dem Kopf voran liegt Sandro Stielicke bäuchlings auf seinem Schlitten und rast den Eiskanal hinunter. Schneller, immer schneller. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 150 km/h schießt Stielicke „fast blind“ durch die enge Röhre. Er liebt dieses Gefühl, diese Kombination von Geschwindigkeit und der Fähigkeit, sie optimal zu kontrollieren.

Umso wuchtiger treffen ihn vor einigen Tagen die Worte der Bundestrainer. In wenigen Sätzen erklären sie dem mittlerweile 26-Jährigen, dass für ihn kein Platz mehr ist im deutschen Weltcup-Kader. Stielickes Reaktion: Er schottet sich enttäuscht ab. Es ist das Ende seiner Karriere im Skeleton. „Der Gedanke war schon ziemlich hart. Aber ich war einmal ganz oben“, sagt er nun im Gespräch, „da machen Starts unterhalb des Weltcups keinen Sinn.“

Platz 10 bei den Olympischen Spielen in Vancouver 2010, ein zweiter und dritter Rang im Gesamt-Weltcup sowie vordere Platzierungen bei Welt- und Europameisterschaften - Stielicke gehörte über Jahre zur deutschen Spitze. In den vergangenen Jahren stoppte den Athleten des BSC Winterberg jedoch jeweils ein Muskelbündelriss kurz vor der Saison. Diesmal kommt er verletzungsfrei durch den Sommer, will sich erst in den Weltcup zurückkämpfen und hofft leise sogar auf einen Start bei den Olympischen Spielen im Februar in Sotschi.

Bereits die erste Hürde auf dem Weg dorthin ist zu hoch.

„Eine Vorgabe der Trainer war, dass ich mich am Start verbessern müsse“, erklärt Stielicke. Doch die Ergebnisse des Tests in Altenberg sprechen gegen ihn. „Sandro ist fast sechs Zehntelsekunden von der Weltspitze entfernt“, sagt Bundestrainer Jens Müller anschließend. Und: „Fahrerisch gehört er ganz klar zu den Besten, doch diesen Rückstand kann niemand mehr aufholen. Er hat seinen Leistungsnachweis damit nicht erbracht und wir verabschieden ihn mit einem Dank für die erbrachten Spitzenleistungen.“

Dreimonatige Testphase

Noch will sich der Sportsoldat Stielicke aber keineswegs komplett aus dem Geschehen in den Eiskanälen dieser Welt zurückziehen. Nach intensiven Gesprächen mit seinem Verein steht jetzt fest: Sandro Stielicke schult um. Der Winterberger wird versuchen, seine sportliche Karriere als Bob-Pilot fortzusetzen. Am Donnerstag soll die erste Testfahrt auf der Bobbahn an der Kappe erfolgen.

„Ich sehe das erstmal als große Herausforderung an“, sagt Sandro Stielicke. Seine anfängliche Skepsis, da dieser Wechsel bislang noch keinem Skeletoni gelang, hat sich mittlerweile aber gelegt. „Maximilian Arndt ist früher Rodler gewesen und gehört jetzt zur nationalen Bob-Spitze“, sagt er. Stielicke selbst fing ebenfalls als Rodler an, bevorzugte ab 2005 allerdings die Bäuchlings-Variante, um die Eisbahnen herunter zu rasen.

„Bob zu fahren bedeutet einen ganz anderen Aufwand in der Organisation“, sagt der 26-Jährige. Das Sportgerät zu transportieren ist komplizierter und teurer - und vor allem benötigt Stielicke einen Anschieber, mindestens. Weil seinem Klub allerdings viel daran gelegen ist, auf Sicht eventuell einen eigenen Bob-Piloten in der nationalen Spitze etablieren zu können, unterstützt der BSC den Wechselversuch so gut wie möglich.

Ewig will Sandro Stielicke nicht hin und her probieren. „Wenn nach drei Monaten absehbar ist, dass es keinen Sinn macht, muss ich mir neue Gedanken machen“, sagt er. Bis dahin aber wird er ein neues Gefühl genießen. Sehenden Auges durch den Eiskanal zu schießen. Wenn auch etwas langsamer.

 
 

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