Musik-Projekt kommt in die Region

Tobias Blasius

Düsseldorf.  Das musikalische Vorzeigeprojekt „Jedem Kind ein Instrument“ (JeKi) wird sieben Jahre nach dem Start grundlegend reformiert. Die rot-grüne Landesregierung will in der kommenden Woche die landesweite Ausweitung des zunächst regional aufs Ruhrgebiet beschränkten Konzepts beschließen. Künftig sollen neben der Instrumenten-Ausbildung auch Kurse in Gesang und Tanz angeboten werden.

„Wir begrüßen, dass das Programm auf den ländlichen Raum ausgeweitet werden soll und die Lehren aus finanziellen und konzeptionellen Problemen gezogen wurden“, sagte die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Landtagsfraktion, Sigrid Beer, unserer Zeitung. Rund 83 Prozent der Grund- und Förderschüler, die bislang an „JeKi“ teilnahmen, hätten bereits in der dritten Klasse den Instrumenten-Unterricht wieder abgebrochen. Diese hohe Abbrecherquote sei teuer und unbefriedigend für Kommunen und Musikschulen, die bislang an etwa 600 Grund- und Förderschulen des Ruhrgebiets „JeKi“ anbieten.

Künftig sollen 1000 Grund- und Förderschulen in ganz NRW an dem Programm teilnehmen. Neue Gesangs- und Tanzkurse sollen einen „breiteren künstlerischen Zugang“ ermöglichen - und sind obendrein kostengünstiger als die reine Instrumentenausbildung. Rot-Grün sichert schließlich weiterhin ein jährliches Budget von zehn Millionen Euro zu, sieht sich aber angesichts der Haushaltsnöte nicht in der Lage, für die ­landesweite JeKi-Ausweitung finanziell aufzustocken. Bisherigen Planungen zufolge sollen die neuen Kurse erst in der zweiten Klasse beginnen und nur noch über zwei Jahre laufen.

Die Vorgängerregierung des früheren Ministerpräsidentin Jürgen Rüttgers (CDU) hatte das Programm „Jedem Kind ein Instrument“ als wichtigstes musikpädagogisches Projekt im Vorfeld zum Kulturhauptstadt-Jahr 2010 gefördert. Grundschüler sollten unabhängig von ihrer sozialen Herkunft von der ersten bis zur vierten Klasse das Musizieren erlernen. Neben Land und Kommunen stellten zwei Kulturstiftungen die Finanzierung sicher. Nach der ersten vierjährigen Projektphase verblieb das Land als einziger Geldgeber. Zuletzt kamen rund 60.000 Kinder im Revier in den Genuss des Instrumenten-Unterrichts.