Minister: Landrat „fabuliert das Blaue vom Himmel“

Oliver Eickhoff und Martin Korte

Meschede/Düsseldorf.  Es wird scharf geschossen: Die Diskussion über die Gemeinnützigkeit des Schützenwesens hat ein hitziges Wort-Duell zwischen HSK-Landrat Schneider (CDU) und NRW-Finanzminister Walter-Borjans (SPD) ausgelöst.

Schneider hatte beim Neujahrsempfang der Stadt Meschede gesagt, dämlicher könne man nicht handeln, eine „blödsinnige Idee“ des NRW-Finanzministeriums sei das gewesen, den Schützen die Gemeinnützigkeit abzuerkennen, sofern sie keine Frauen aufnähmen.

Walter-Borjans erfuhr davon aus dieser Zeitung und schickte gestern einen gepfefferten Brief ins Sauerland. „Ich habe (...) ein enormes Problem damit, wenn jemand meint, in seinem Herrschaftsbezirk unwidersprochen haltlose Unterstellungen verbreiten und das Blaue vom Himmel herunter fabulieren zu können“, schreibt der Minister. Unmittelbar nachdem er von dem Vorstoß der Oberfinanzdirektion erfahren habe, die Gemeinnützigkeit von Schützenvereinen in Frage zu stellen, habe er die Behörde angewiesen, davon Abstand zu nehmen.

Schneider habe das beim Jahresempfang wider besseres Wissen anders dargestellt. „Es wäre schön, wenn Sie die Größe hätten, von Ihrer Falschdarstellung so imposant Abstand zu nehmen wie Sie sie vorher verbreitet haben“, kontert Walter-Borjans.

Der Landrat reagierte prompt: Er stehe zu seinen Worten und lehne eine Entschuldigung ab. „Bemerkenswert ist es, dass der Finanzminister mir Sätze unterstellt, die ich nachweislich überhaupt nicht gesagt habe.“ So kritisiert Walter-Borjans den Landrat für die Aussage, dass der Landesfinanzminister, die Vereine per Steuerrecht in die Glückseligkeit führen wolle – diese Bemerkung stammt aber tatsächlich vom Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Mescheder Wirtschaft, Meinolf Ewers. Der HSK-Landrat legte im Gespräch mit unserer Zeitung nach: Auch wenn der umstrittene Vorstoß von der Oberfinanzdirektion gekommen sei, so „liegt die Verantwortlichkeit hier doch ganz klar beim Finanzminister“. Er kündigte an, auf den Brief zu antworten. Das Duell geht weiter.

„Wer austeilt, muss auch einstecken können“, sagte Walter-Borjans Sprecherin Ingrid Herden gestern. „Aber wir wollen jetzt nicht in eine Dauerfehde eintreten.“