Milchpreis rutscht ab - Südwestfalens Bauern in Sorge

Der Milchpreis droht weiter abzurutschen.
Der Milchpreis droht weiter abzurutschen.
Foto: WP Michael Kleinrensing
Die Tendenz bei den Erzeugerpreisen zeigt nach Preissenkungen der Discounter wieder einmal nach unten. Der Kreisverbandschef Günter Buttighoffer rechnet mit noch 27 Cent pro Liter. Die Molkereien würden vom Handel, und hier besonders von den großen Discountern gegeneinander ausgespielt.

Hagen.. Südwestfalens Milchbauern sind in Unruhe - wieder einmal. Nach rund zwei Jahren mit stabil hohen Erzeugerpreisen um die 30 Cent pro Liter sinken ihre Einnahmen wieder. „Wir werden wohl im Sommer bei 27 Cent landen“, sagt Günter Buttighoffer, Vorsitzender des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes im Märkischen Kreis und selbst Milcherzeuger. Nach Angaben von Michael Alterauge vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter und Milcherzeuger im Kreis Olpe müssen viele Betriebe mit einem Einkommensverlust von 20 000 Euro im Jahr rechnen.

Grund sind die jüngsten Preissenkungen der Discounter für Milch und Butter, die diese in den Listinggesprächen mit den Molkereien durchgesetzt haben. „Der Erzeugerpreis ist im Mai schon um zwei bis drei Cent zurückgegangen, im Juni wird es noch einmal ein Cent sein“, erklärt Buttighoffer.

Davon sind aber nicht alle Milchbauern gleichermaßen betroffen, sondern in unterschiedlicher Weise. Je nachdem, ob ihre Molkerei die Rohmilch vorwiegend zu Frischmilch und Quark weiterverarbeitet, etwa Hochwald (weiße Linie) oder wie Campina zu Käse (gelbe Linie). Derzeit hat die weiße Linie, an die laut Butighoffer rund die Hälfte der Bauern im Märkischen Kreis liefert, Rendite-Probleme - die Molkereien werden vom Handel, und hier besonders von den großen Discountern gegeneinander ausgespielt.

Deutlich höhere Futterkosten

Die Abschlüsse mit den Einkäufern der Handelsketten haben eine Laufzeit von einem halben Jahr - bis dahin wird sich an der Abwärtstendenz bei den Erzeugerpreisen wohl nichts ändern, glaubt der Kreisverbandschef und rechnet vor, dass die Lage vieler Milchbauern unter dem Strich derzeit nicht viel besser sei als zu Tiefstpreis-Zeiten von 23 Cent für die Erzeuger: „Wir haben heute deutlich höhere Futterkosten, Stroh ist sehr teuer, aber auch Diesel.“

Beim Westfälischen Landwirtschaftsverband in Münster sieht man keine Veranlassung zu fürchten, dass es mit den Preisen wieder so „katastrophal“ wird. Schließlich laufe der Export gut, der Weltmarkt nehme vieles ab, erläutert Verbandssprecher Berghorn. Wegen der relativ hohen Preise hätten viele Milchbauern zuletzt „gemolken, was die Kuh hergab“ - mit erwartbaren Folgen: Die viele Milch am Markt drückt die Preise. Ungelöste Strukturprobleme bei den vielfach zu kleinen Molkereien kommen hinzu: „Die verhandeln mit den Discountern noch nicht auf Augenhöhe“, so Berghorn.

So drängen seinen Angaben zufolge derzeit Molkereikonzerne aus dem Ausland auf den deutschen Markt, die diese Augenhöhe hätten: Franzosen, Holländer, Skandinavier. Ob das für Südwestfalens Milchbauern besser ist, muss sich noch zeigen.

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