Milchbauern prophezeien neue Lebensmittelskandale

Die Milchbauern schlagen Alarm: "Es wird am Milchmarkt zu ähnlichen Skandalen kommen wie heute schon beim Fleisch".
Die Milchbauern schlagen Alarm: "Es wird am Milchmarkt zu ähnlichen Skandalen kommen wie heute schon beim Fleisch".
Foto: Thomas Nitsche / WAZ FotoPool
Auf dem NRW-Milchbauerntag in Werl zieht der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter eine schonungslose Bilanz der Situation auf dem Milchmarkt. Die hiesigen Betriebe leiden unter steigenden Energie- und Futtermittelpreisen, einem viel zu niedrigen Milchpreis - und dem Druck des Weltmarkts.

Werl/Hagen.. Den Milchbauern geht es heute wirtschaftlich schlechter als zu Zeiten der Erzeuger-Niedrigpreise vor drei Jahren. Zum Auftakt des NRW-Milchbauerntages in Werl sprach der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) von einer „Kostenexplosion in den Betrieben“ - die Futtermittelpreise hätten sich verdoppelt, der Bedarf an teurer Energie steige rasant und selbst der heutige Auszahlungspreis von 32 bis 34 Cent pro Liter reiche nicht mehr aus, um die Kosten zu decken.

Jedes Jahr fünf Prozent Milchbetriebe weniger

Allein im Oberbergischen stünden sieben Betriebe vor der Insolvenz, sagte Michael Braun, Mitglied des BDM-Bundesbeirats: „Jedes Jahr gehen fünf Prozent der Betriebe verloren“, im Siegerland und im Sauerland mit ihren schwierigen topografischen Bedingungen und den kleinen Hofgrößen liege die Zahl noch höher. Aktuell gebe es in NRW noch 3500 Milchviehhalter.

An einen neuen Ausstand zur Durchsetzung höherer Erzeugerpreise denkt der Verband, der den Deutschen Bauernverband zum „Gegner“ erklärt hat, nicht. „Die Landwirte haben im Streik Gewaltiges auf die Beine gestellt, jetzt sind sie zu müde, sich zu wehren“, sagte Michael Alterauge, BDM-Teamleiter im Kreis Olpe und selbst Milchviehhalter in Drolshagen. „Wir müssen der Politik Wege aufzeigen, wie es weitergehen kann.“

Nach den Vorstellungen des BDM geht es nicht in freien, ungeregelten Märkten. „Wir sind mit Massenprodukten wie Milch auf dem Weltmarkt nicht wettbewerbsfähig - wir müssten dort konkurrieren mit Betrieben in den USA, die im Durchschnitt 1100 Kühe halten“, so Alterauge weiter. Experten wie Peter Guhl, Milchviehhalter aus Mecklenburg-Vorpommern und Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft MEG Milchboard sieht durch die Kostenexplosion bei stagnierenden Erzeugerpreisen Gefahren auf die Verbraucher zukommen: „Es wird zu starken Milchviehkonzentrationen kommen und am Milchmarkt zu ähnlichen Skandalen wie heute schon beim Fleisch.“

Trend zu Erzeugergemeinschaften

Für das Mittel der Wahl, dass es nicht soweit kommt, hält Guhl die Bildung von Erzeugergemeinschaften, die den Molkereien „eine gebündelte Menge Milch“ anbieten. „Wir wollen aber nicht, dass jetzt alle Bauern bei ihrer Molkerei kündigen und einer Erzeugergemeinschaft beitreten“, schränkte er ein.

Das Mitglied einer Molkereigenossenschaft hat seiner Ansicht nach zwar die Möglichkeit, auch Mitglied in einem Milch-Board zu sein, es bleibe aber der Satzung der Molkereigenossenschaft verpflichtet, die zur Abgabe zwinge. Guhl: „Marktanteile gewinnen die Bauern nur, wenn die ihre Interessen und ihre Milchmengen bündeln.“ Und er fügt noch eine Warnung hinzu: „Noch ist die Milchquote in Kraft. Die Politik sollte es sich gut überlegen, ob sie dieses Mittel aus der Hand gibt.“

 
 

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