Mietpoker um BMW-Händler "Procar" wird zum Spiel auf Zeit

Deutschlands größter BMW-Händler Procar steckt in Nöten. (Foto: WAZ-FotoPool)
Deutschlands größter BMW-Händler Procar steckt in Nöten. (Foto: WAZ-FotoPool)
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Hagen/Essen.. Eigentlich hätte es gestern Morgen vor dem Landgericht Hagen eine erste Entscheidung über die Zukunft des größten deutschen BMW-Händlers Procar Automobile AG geben sollen. Doch wie schon in Dortmund und Bochum wurde auch der Prozess in Hagen vertagt. Und so nährt sich der Verdacht, dass der Streit um Immobilien zu einem Spiel auf Zeit geworden ist.

In allen Verfahren geht es um Räumungsklagen. Bekanntlich soll Procar wegen ausstehender Mieten die Autohäuser Bochum, Bottrop, Castrop, Herne, Wuppertal, Velbert, Hagen und Iserlohn an den Eigentümer, den Immobilienfonds Paneuropean mit Sitz auf der Kanalinsel Jersey, herausgeben. Eine Forderung, die Procar im Kern sogar begrüßt. Denn seit Monaten ist der BMW-Handels-Riese, der die in Rede stehenden Immobilien 2008 selbst an den Fonds verkauft hatte, an einem Auszug durchaus interessiert. Für sämtliche Standorte gibt es bereits Alternativen bzw. Planungen für Alternativen.

Problem: Manche dieser Alternativen werden möglicherweise nicht rechtzeitig bezugsfertig sein. Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Denn die BMW-Händlerverträge sind an die bestehenden Immobilien gebunden. Also droht Procar im schlimmsten Fall der Verlust einiger Händler-Lizenzen. Beispielsweise in Bochum oder Bottrop, wo die alternativen Neubauten, wie es aussieht, auf sich warten lassen.

Insofern wird deutlich, dass es durchaus im Sinne des BMW-Händlers liegen könnte, die gerichtlichen Auseinandersetzungen hinauszuzögern. Wie sonst ließe sich erklären, dass die Procar-Anwälte im Verfahren um die Räumung des Hagener Autohauses einen Paragrafen bemühen, der selbst Fachjuristen hektisch zur Kommentierung greifen lässt. Und so trollten sich die von der Prozess-Verlegung überraschten Journalisten am Donnerstag unverrichteter Dinge aus dem Hagener Landgericht.

Nachmieter-Suche läuft

Derweil ist man hinter den Kulissen nicht untätig. Procar hat in Iserlohn Fakten geschaffen und war Anfang Dezember in ein renoviertes Autohaus in unmittelbarer Nähe zum Altstandort umgezogen. In Hagen, so ist zu hören, sei eine Interimslösung an einem Standort in Hohenlimburg gefunden und in Castrop will Procar im Frühjahr einen ehemaligen Volvo-Standort beziehen. Doch dies ist in den Prozessen bisher nicht bekannt.

Genauso wenig wie der Umstand, dass sich der Hauptmieter aller in Rede stehender Procar-Autohäuser, die Firma RL Immobilien, mittlerweile im Insolvenzverfahren befindet. Am 12. Dezember war gegen RL Immobilien wegen Zahlungsunfähigkeit das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Gläubigerversammlung ist am 30. Januar.

Aber auch auf Seiten des Immobilienfonds Paneuropean ist man nicht untätig. Fondsmanager Stuart Reid bestätigte gegenüber dieser Zeitung, dass sämtliche unter Räumungsklage stehenden Procar-Autohäuser bereits in der Vermarktung stünden. Reid: „Wir gehen davon aus, dass Mitte 2012 alle Autohäuser frei sind und erneut vermietet oder verkauft werden können.“ Insofern wartet Reid auf Angebote aus dem Markt. Nach seinen Angaben hat der Umstand, dass ein israelischer Autoimporteur, der Anfang des Jahres bei Procar einsteigen wird (wir berichteten), keinen wesentlichen Einfluss auf die Vermarktungs-Strategie. Reid: „Natürlich kann Procar auch Angebote abgeben, allerdings nur für alle bestehenden Objekte zusammen. Wir werden hier kein Cherry-Picking (also Rosinen-Picken) zulassen.“

 
 

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