Massenschlägerei, Beleidigung, Drogen, Diebstahl

Hagen/Hemer.  Massenschlägerei, Beleidigung. Drogenmissbrauch, Alkoholgelage, Diebstahl: Auszüge aus dem Polizeibericht für Hemer, Zentrale Unterbringungseinrichtung für Flüchtlinge. Als ein Bewohner im März einen anderen mit einem Pfahl fast totschlägt, schreibt der Bürgermeister einen Brandbrief nach Düsseldorf: Er fürchtet um die Sicherheit in der Stadt. Wofür ein Flüchtlings-Heim einen Sicherheitsdienst braucht? „Die würden hier sonst die Einrichtung auseinandernehmen“, sagt Horst Labrenz, ihr Leiter.

Der ist ein Freund offener Worte und beschönigt nichts. Die Zugangszahlen in Hemer seien „der reine Irrsinn“, sie sind jetzt 200 Menschen über dem Limit. An jeder Ecke entstehen da Schlangen, selbst die an der Essensausgabe wird von Sicherheitsleuten bewacht. „Rassismus in Reinform“ beobachtet Labrenz zwischen den Volks- und Religionsgruppen. Besonders problematisch: junge Männer aus Nordafrika. Sie sind es, die im Polizeibericht am häufigsten auftauchen, der Heimleiter bescheinigt einigen von ihnen „steinzeitliches Sozialverhalten“.

Die Notwendigkeit von Sicherheitsdiensten bestreitet nicht einmal der Flüchtlingsrat NRW. Durch das Aufeinandertreffen „in den beengten Verhältnissen“ einer Gemeinschaftsunterkunft entstünden zwangsläufig Konflikte, sagt Geschäftsführerin Birgit Naujoks in Bochum. Sie weiß von einer Einrichtung, die den Syrern etwas Gutes tun wollte: Sie legte die Bürgerkriegsflüchtlinge zusammen, unter verfeindeten Konfliktparteien kam es zum Streit. „Die Syrer sind ja keine homogene Gruppe“, so Naujoks. Trotzdem glaubt der Flüchtlingsrat: „Durch organisierte Sozialarbeit wäre die Situation lösbar.“

Auch in den 1990er-Jahren, als Jugoslawien zerfiel, war die Lage in den Wohnheimen schwierig, erinnert sich Siegfried Pogadl, damals Chef der Landesstelle Unna-Massen und später Stadtdirektor in Dortmund. Dennoch habe es keine Übergriffe von Wachleuten auf Asylbewerber gegeben. „Der Sicherheitsdienst war nie allein und klaren Weisungen unterworfen. Er konnte nie als eine Art Heim-Polizei auftreten.“

Pogadl wirft NRW Versäumnisse vor. In den Heimen gebe es zu wenig Personal, obwohl sich die Lage zuspitze. Außerdem sei es früher üblich gewesen, vor Ort an „runden Tischen“ Hilfe für diese Menschen zu organisieren.

 
 

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