Martina Kempffs finstere Tragödie spielt im alten Grenzland

Martina Kempff ist den Lesern durch ihre historischen Romane bekannt.
Martina Kempff ist den Lesern durch ihre historischen Romane bekannt.
Die Autorin Martina Kempff schreibt in ihrem Krimi „Knochen im Kehricht“ gegen Landlust-Klischees an. Ihr gelingt es, die spannende Handlung geographisch-historisch zu verorten und trotzdem zum allgemeingültigen Gleichnis zu machen. Zudem räumt sie mit einigen alten Märchen auf.

Hagen.. Der Eifel-Krimi ist zu einem Markenzeichen geworden, seit Jacques Berndorf seine Wahlheimat zu literarischen Bestseller-Ehren führt. Naturgemäß gibt es viele Nachahmer in einem erfolgreichen Genre, doch nur die wenigsten können überzeugen. Dazu gehört Martina Kempff, die mit ihrer Serie um die mollige Restaurantbetreiberin Katja Klein in dem Grenzdörfchen Kehr der Gattung faszinierende Tiefenschärfe verleiht. „Knochen im Kehricht“ ist nun der vierte Eifel-Krimi der Autorin, die den Lesern für ihre gelungenen historischen Romane bekannt ist.

Katja Klein lässt endlich in ihrem geerbten Bruchsteinhaus einen Kamin einbauen. In der Zwischenwand finden die Maurer eine Leiche. Die Knochen sind zwar schon alt, aber nicht so alt, dass der neue Freundeskreis der zugezogenen Ex-Berlinerin nicht in die Tat verwickelt sein könnte. Denn dass es sich um Mord handelt, steht bald fest.

Ist die Landbevölkerung edel, hilfreich und gut?

Die Suche nach der Identität des Opfers wird zur Vermessung dieses südlichsten Ortes in NRW. Kehr gehört zur Gemeinde Hellenthal; die Grenzen zwischen zwei Staaten (Belgien und Deutschland), zwei Bundesländern (NRW und Rheinland-Pfalz) sowie drei Landkreisen (Euskirchen, Daun, Bitburg-Prüm) schlagen hier in wildem politischen Zufall Zickzack-Wellen. Im alten Grenzland liegt es nahe, dass der Tote entweder Schmuggler oder Zöllner war, und dann kann er praktisch von jedem ermordet worden sein, auch von Katjas verstorbenem Vater. Während das Misstrauen wächst und die Verdächtigungen gedeihen, wird eine weitere Leiche gefunden – und ein Kleinbus mit betagten Kaffeefahrern entführt.

Bei ihrer Spurensuche räumt die Autorin gründlich mit dem Märchen auf, die ärmliche Landbevölkerung abgelegener Einöden sei edel, hilfreich und gut. Die Tragödie, die letztlich zu den Morden führte, konnte sich nur unter den harten Überlebensbedingungen solcher Regionen ereignen. Martina Kempff gelingt es, ihre spannende Handlung geographisch-historisch zu verorten und trotzdem zum allgemeingültigen Gleichnis zu machen.

Martina Kempff, Knochen im Kehricht, Piper, 268 Seiten, 8,99 Euro.

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