Maccabi Netanya eine Mannschaft aus besten Freunden

Abklatschen vor der Partie: Maccabis Spieler begrüßen Schiedsrichter und Istanbuler.
Abklatschen vor der Partie: Maccabis Spieler begrüßen Schiedsrichter und Istanbuler.
Foto: WP - Achim Benke
Für Maccabi Netanya spielen beim Ruhr-Cup der U19-Fußballer nicht nur Israelis, sondern auch fünf Palästinenser. Beim internationalen Jugendturnier wollen die Kicker zwar ins Finale, aber ihnen fällt es derzeit schwer, sich auf den Sport zu konzentrieren.

Arnsberg.  Sie sind die Vorboten. Schwarze Schuhe, schwarze Hose, schwarzes Oberteil - orangenes Leibchen. Und ein ernster Blick. Wenige Minuten, bevor die Partie der U19-Junioren des FC Schalke 04 gegen West Ham United zu Ende geht, beziehen einige Ordner Position auf der roten Laufbahn rund um das Fußballfeld im Hüstener Stadion Große Wiese. Sie schauen ausschließlich in Richtung der Tribünen, obwohl diese nur spärlich besetzt sind - und interessieren sich keinen Deut für den königsblauen Nachwuchs.

Am Abend zuvor nutzten 14 Rechtsradikale ein Vorbereitungsspiel der jungen Israelis von Maccabi Netanya auf den Ruhr-Cup für U19-Junioren im Dortmunder Stadtteil Lütgendortmund, um palästinensische Fahnen zu entrollen und antisemitische Parolen zu brüllen. Polizei und Ordnungsdienste beendeten den Spuk zwar schnell, trotzdem wurden die Sicherheitsvorkehrungen in den Vorrundenspielorten Arnsberg-Hüsten und Oberhausen, sowie für die Zwischenrunde am Samstag in Lüdenscheid und die Finalrunde am Sonntag in Dortmund erhöht.

Teams aus sechs Nationen

Also beziehen die Ordner Position, kurz bevor Sef Fadol und seine Mannschaft den Rasen betreten. 18 Jahre jung ist der Kapitän der Mannschaft, deren Auftritte in der Region ob des Krieges zwischen Israel und den Palästinensern plötzlich mehr sind als Spiele im Rahmen eines internationalen Jugendturniers mit teilnehmenden Teams aus Deutschland, Griechenland, England, Georgien, der Türkei und eben Israel. „Es ist sehr schwer, sich auf den Fußball zu konzentrieren“, sagt Fadol, der zum ersten Mal im Ausland ist. Nicht die Vorkommnisse in Deutschland belasten ihn und seine Mannschaftskameraden, sondern die Angst um Familien und Freunde in der Heimat. „Alle sorgen sich und haben jeden Tag Kontakt nach Hause“, sagt der junge Fußballer. Whats app, Skype - in Zeiten des Internets fällt es leicht, zu kommunizieren. Dabei hatten sie sich so auf die sportlichen Vergleiche mit den Nachwuchsteams von Schalke 04, Borussia Mönchengladbach, West Ham United oder Galatasaray Istanbul gefreut. „Wir sind angereist, um in das Finale zu kommen“, erzählt Sef Fadol.

Nach den ersten Aufeinandertreffen allerdings erschwert nicht nur die körperliche Stärke der Gegner („Das sind wir nicht gewohnt“) das Vorhaben. Die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen, das gestiegene Medieninteresse, ständige Fragen nach der Sorge um die Angehörigen und Bekannten in der Heimat - „aber wir versuchen, trotzdem hundert Prozent zu geben“, erklärt der Kapitän.

Rückflug bereits organisiert

Darauf schwören sie sich vor jedem Spiel neu ein. Die Arme über die Schultern des Nebenmannes gelegt bilden die jungen Fußballer in ihren schwarzen Trikots stets einen Mannschaftskreis. Normalität einserseits, weil unzählige Mannschaften dieses Ritual pflegen. Etwas Besonderes andererseits, weil in Netanyas Truppe nicht nur Iraelis mitspielen. Fünf palästinensische junge Männer gehören ebenfalls dazu. „Wir sind die besten Freunde“, beschreibt Sef Fadol das tägliche Zusammensein. Und für einen Moment scheinen all die Raketen, Panzer und Bodentruppen, mit denen tausende Kilometer entfernt ein blutiger Krieg zwischen den beiden Völkern geführt wird, nicht zu existieren.

Die Realität holt die Mannschaft aber schnell ein. Am Sonntag ist das Turnier beendet, am Montag fliegen die jungen Fußballer heim. „Alles ist organisiert“, sagt Fadol, „wir werden fliegen.“ Von wo oder wann? Darüber spricht er lieber nicht. Ebenso wenig redet er über das, was den meisten Mannschaftskollegen ab November bevorsteht: Der Dienst in Israels Armee.

 
 

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