Land NRW schließt Theater- und Orchesterpakt

Wilfried Goebels und Monika Willer
5000 Taler hat der Schulmeister Baculus (Rainer Zaun) im „Wildschütz“ schon fast in der Hand. Von so viel Geld  können die städtischen Bühnen in NRW nur träumen.
5000 Taler hat der Schulmeister Baculus (Rainer Zaun) im „Wildschütz“ schon fast in der Hand. Von so viel Geld können die städtischen Bühnen in NRW nur träumen.
Foto: Theater Hagen/Stefan Kühle
Nirgends gibt es so viele kommunale Theater wie in NRW. Und in keinem anderen Bundesland ist die Landesförderung der städtischen Bühnen so gering. Das soll sich ändern, wenigstens ein bisschen: mit dem Theater- und Orchesterpakt, der am Montag unterzeichnet wurde.

Hagen/Düsseldorf. NRW ist das Land der kommunalen Theater. Das Land beteiligt sich anders als die meisten Bundesländer nur mit einem Anteil zwischen 5 und 8 Prozent je Haus an der Finanzierung der städtischen Bühnen. Die Finanzkrise der Kommunen macht es nun immer schwieriger, diese historisch gewachsene einzigartige Theaterlandschaft zu erhalten.

Mit dem bundesweit ersten „Theater- und Orchesterpakt“ haben Land und Kommunen gestern ein Signal zum Erhalt der Kultureinrichtungen in den Städten gesetzt. NRW verpflichtet sich darin, die bisherige Landesförderung der kommunalen Orchester und Theater von 19 Millionen Euro im Jahr in den nächsten Jahren fortzuschreiben. Eine regelmäßige Theater- und Orchesterkonferenz soll künftig finanzielle und kulturpolitische Ziele erarbeiten.

Kultur im Fokus der Kürzungen

Der Präsident des NRW-Städtetages, Norbert Bude, räumt ein, dass in Spardiskussionen der Kommunen die Kultur immer in den Fokus der Kürzungen gerät. Um den Theaterpakt rechtssicher zu machen, sollen die einzelnen Kommunen nun Zielvereinbarungen mit dem Land treffen. Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) verspricht sich von der Vereinbarung mehr Planungssicherheit für Theater und Orchester. Land und Kommunen wollten alles in ihren Kräften stehende tun, um die Theaterlandschaft weiterzuentwickeln. Der Generalintendant von Aachen und Sprecher der Theater-Intendanten, Michael Schmitz-Aufterbeck, erinnert daran, dass Städte mit Nothaushalten wie Hagen und Wuppertal beim Erhalt der Theaterlandschaft „am Rande der Möglichkeiten“ arbeiteten. Der Pakt sei auch ein Wink an die Kämmerer, beim Sparen auf die Kultur zu achten, mahnt Schmitz-Aufterbeck.

Vertreter der 18 kommunalen Theater und 15 städtischen Orchester hatten zuvor Einigungsmöglichkeiten über den Pakt ausgelotet. Der Intendant der Düsseldorfer Tonhalle, Michael Becker, betont, dass die Arbeit jetzt besser koordiniert werde. Schließlich müsse die Kultur als „weicher Standortfaktor“ der Kommunen erhalten werden.

Hagens Intendant Norbert Hilchenbach wertet den Theaterpakt als positives Signal. „Das Gute ist, dass Land, Städtetag und Intendanten gemeinsam im Gespräch bleiben über den sehr, sehr notwendigen Erhalt der Theater- und Kulturlandschaft.“ Die Theaterkonferenz habe sich zum Ziel gesetzt, dass die Bezuschussung des Landes auf 20 Prozent wächst. Hilchenbach: „Damit wäre den Kommunen schon geholfen. Im Falle von Hagen könnte damit das Theater gerettet werden, und die Stadt hätte trotzdem Einsparungen.“

Bayern gibt bis zu 50 Prozent

Zum Vergleich: Baden-Württemberg und Bayern unterstützen ihre städtischen Theater und Orchester mit 40 bis 50 Prozent ihres Jahresetats, Niedersachsen immerhin mit 30 Prozent.

Das Theater Hagen erhält seit 2011 aus dem Theaterpakt zusätzliche 329.000 Euro pro Jahr. 200.000 Euro davon sind ein „Armenbonus“ für Kommunen in der Haushaltssicherung. Aber auch die verbleibenden 129.000 Euro kommen nicht beim Theater an, denn die Stadt reduziert ihren Zuschuss um diese Summe. Trotz der aufgestockten Landesförderung muss das bereits an die Grenze eines funktionierenden Spielbetriebs zusammengesparte Hagener Haus bis 2016 weitere 1,126 Millionen Euro einsparen. Rechnet man die 329.000 Euro des Land dazu, ergibt sich eine Summe von 1,5 Millionen Euro, um die der städtische Haushalt damit entlastet wird.

„Ich gehe davon aus, dass die Beteiligung des Landes an der Theaterfinanzierung dazu dient, dass der Anteil der Stadt am Theaterbudget reduziert werden kann“, erklärt Hagens Kämmerer Christoph Gerbersmann dazu. „Wenn das obendrauf kommt, ist es eine Ausweitung des Kulturangebots, aber keine monetäre Beteiligung des Landes an den Betriebskosten.“ Als „ersten kleinen Schritt in die richtige Richtung“ wertet Gerbersmann entsprechend den Theaterpakt. Nun setzt der Kämmerer auf die geplanten bilateralen Gespräche mit Düsseldorf, nicht zuletzt unter dem Aspekt, dass das Theater Hagen das Versorgungstheater für Südwestfalen ist: „Dass man insgesamt bei der prozentual niedrigen Theaterfinanzierung bleibt, ist im Bezug auf das Ruhrgebiet katastrophal, da muss das Land schon stärker einsteigen.“

Große Erwartungen setzt Intendant Hilchenbach in das geplante Kulturfördergesetz. Hier stehen entscheidende Gespräche mit dem Innenministerium und dem Finanzministerium an. Diese sollen den Kommunen die Möglichkeit eröffnen, freiwillige Ausgaben für Kultur und Sport anzusetzen, auch wenn sie in der Haushaltssicherung sind.