Kleine Kornbrennereien stehen vor dem Aus

Kornbrennerei Wurm
Kornbrennerei Wurm
Foto: WR/Franz Luthe
Rund 90 Prozent der noch 130 bis 140 kleineren Korn- und Kartoffelbrennereien in Nordrhein-Westfalen stehen vor dem Aus. Das betrifft vor allem das Münsterland und das Sauerland. 130 bis 140 von etwa 670 bundesweit, vor allem auch in Niedersachsen und Bayern.

Hagen/Dortmund.. Ende dieses Jahres, genauer zum 30. September, soll die in Europa einmalige Subventionierung durch den Bund für Betriebe, die maximal 300 Liter Alkohol pro Jahr produzieren dürfen, beendet sein, wie Peter Pilz, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband deutscher Korn- und Getreidebrenner in Dortmund, bestätigte. Damit sei „auch der Verlust von Arbeitsplätzen verbunden“.

Die vor allem in Süddeutschland beheimateten kleinen Obstbrennereien, insgesamt etwa 20.000, sollen 2017 folgen. Sie werden sich neue Absatzmärkte suchen müssen. Damit ist das staatliche Branntweinmonopol von 1919, das wegen der Verknappung von Branntwein im Ersten Weltkrieg geschaffen wurde, Geschichte. Die Branntweinsteuer wird in Alkoholsteuer umbenannt. Der staatliche Zuschuss für die Brennereien betrug zuletzt rund 80 Millionen Euro im Jahr. Experten gehen aber nicht davon aus, dass die Preise für Hochprozentiges deshalb steigen.

Nationale Beihilfen

Hintergrund ist eine EU-Entscheidung, der zufolge nationale Beihilfen für kleine, fast ausschließlich landwirtschaftliche Betriebe, die noch innerhalb des Branntweinmonopols produzieren, nicht mehr mit den Prinzipien des gemeinsamen Marktes vereinbar sind - größere wie die Hagener Brennerei Eversbusch sind nach Pilz’ Worten bereits 2001 aus dem Monopol ausgeschieden. Die Bundesregierung hatte jahrelang gegen das Vorgehen der EU gekämpft - letztlich vergebens. Das Bundeskabinett hat Ende 2012 einem entsprechenden Gesetzentwurf zugestimmt.

„Zwei Drittel des in den Brennereien hergestellten Alkohols wird bislang nicht in Form von Bränden getrunken, sondern an die Bundesmonopolverwaltung für Branntwein abgeführt,“ erklärt Peter Pilz. Von dort aus landen sie im pharmazeutischen, kosmetischen oder technischen Sektor und werden dort weiterverarbeitet.

Grundlage sind die Selbstkosten

Grundlage für den Preis ist aber nicht der Marktpreis, sondern sind die Selbstkosten der deutschen Brennereien, und die liegen weit höher. Damit wurden die Betriebe nach Ansicht der EU künstlich am Leben erhalten - Branntwein aus anderen europäischen Staaten ist eben deutlich billiger. „Die deutschen Kartoffel- und Kornbrenner produzieren zum Doppelten des Marktpreises“, präzisiert Pilz. Der Trend auf dem Weltmarkt gehe zu Billig-Alkohol auf Zuckerrohr-Basis.

Aber wie geht es für die deutschen Brennereien weiter? Ihre Zukunft gilt als ungewiss. Die meisten werden wohl aufgeben. „Viele haben resigniert - das ist das Problem, wenn man in einer europäischen Gemeinschaft lebt“, erläutert Pilz. Der Verband sucht nach Möglichkeiten, „dass einige noch weiterbrennen können. Aber der Markt ist gesättigt.“

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